10. Juni 2020
10.06.2020
Mallorca Zeitung

Gärtnereien auf Mallorca: zu Besuch bei Plantes Inca

Mallorcas Gärtnereien: An der Straße nach Llubí gibt es bei Plantes Inca alles, was man für Beete drinnen oder draußen braucht – und
sogar noch etwas mehr

10.06.2020 | 01:00
In der Ausstellung im Freien sind zahlreiche Sorten von im Frühjahr auf Mallorca blühenden Pflanzen zu sehen

Endlich wieder ein Besuch in einer Gärtnerei auf Mallorca! Noch fühlt sich das nach dem wochenlangen Entzug eigenartig an. Im Gegensatz zu den Besuchern hatten die Angestellten Zeit, um sich an die Hygienevorschriften zu gewöhnen. Denn die Jardinería Plantes Inca, die vor den Toren der Stadt an der Straße nach Llubí liegt, hatte während der Corona-Krise ohne Unterbrechung geöffnet. „Wir durften das, weil wir Tierfutter verkaufen", sagt Rafael Nicolau, der die Firma mit seinen Geschwistern führt.

Sein Bruder Sebastian entwirft Gärten für Kunden und organisiert deren Instandhaltung, seine Schwester Magdalena ist für die Verwaltung und er selbst für den Verkauf verantwortlich. Plantes Inca zählt mit vier Angestellten, die in den vergangenen Wochen nur teilweise beschäftigt werden konnten, zu den kleineren Gärtnereien auf der Insel. Bevor der Familienbetrieb 2002 nach dem Vorbild europäischer Gartencenter eröffnet wurde, war man bereits als traditioneller Futterhändler in Inca und Umgebung gut bekannt.

Heute ist Plantes Inca Mitglied der Unternehmervereinigung AliatGrup, zu der neben Cocos Garden in Andratx, Viveros Llabrés in Manacor und Jardins de Tramuntana bei Palma de Mallorca noch rund 60 Gärtnereien auf dem spanischen Festland zählen. Außer dem gemeinsamen Einkauf unternimmt man Gruppenreisen mit Besichtigungen wie beispielsweise zu den wichtigsten Gartencentern in Nordrhein-Westfalen. Auch wenn man sich im europäischen Ausland Anregungen holt, bleibt man bodenständig. „Wir sind mit unseren Kunden auf Du und Du, wir kennen jeden persönlich, sie gehören fast zur Familie", sagt er.

Zwar gäbe es in Inca nicht, wie in vielen anderen Gemeinden oder Städten, urbane Siedlungen mit repräsentativen Gärten. Die Hauptstadt der Comunitat des Raiguer ist jedoch traditionell ein beliebter Einkaufsort für die Bewohner ländlicher Dörfer. Sie kommen aus Mancor de la Vall, Caimari oder Selva, nicht zu vergessen auch aus den winzigen Weilern, llogarets genannt. Früher besuchten die Bauern den Markt am Donnerstag in Inca, um auf den Ständen ihr Obst und Gemüse zu verkaufen und sich danach mit dem Wochenbedarf einzudecken. Heute sind nur noch einige wenige Landwirte auf dem dijous vertreten, Inca ist jedoch ein beliebter Ort zum Einkaufen geblieben, und so darf dort auch eine Gärtnerei nicht fehlen.

In dieser beginnt nun der Rundgang bei den Käfigen, in denen gelbe Kanarienvögel zwitschern, sie werden nach wie vor wegen ihres Gesangs geschätzt. Gegenüber liegt die Abteilung für Zimmerpflanzen, die bei Stadtbewohnern immer gefragt sind. Noch sind manche Regale nicht komplett gefüllt. „Wir haben zu Beginn der Krise Aufträge stornieren müssen", sagt der 37-Jährige. Allmählich erst kämen die Liefertransporte vom spanischen Halbinsel wieder in Schwung. Große Bestellungen hätte man jetzt erst aufgegeben, als sich die Kunden wieder kauffreudig gezeigt hätten. So wartet er beispielsweise auf das Eintreffen mehrerer Orchideenarten. Denn derzeit sind nur wenige vorrätig.

Nicolau führt zur Ausstellung unter dem freien Himmel. Der Sturm des Gloria- Unwetters hatte im Januar das Dach der Anlage zerstört, aus Sicherheitsgründen musste es dann gänzlich abgedeckt werden. Unten herrscht Artenvielfalt. Denn es blühen üppig die sogenannten plantas de temporada, derzeit die ein- und mehrjährigen Frühjahrsblüher. Sie werden auf Tischen präsentiert, die aus verwittertem Holz geschreinert sind. Aus dem gleichen Material ist auch das Regal gefertigt, auf dem viele verschiedene Setzlingssorten stehen. „So lange es verboten war, blühende Pflanzen zu verkaufen, deckten sich viele Kunden mit Gemüsesetzlingen ein", sagt er. Vielleicht wäre es die Langeweile während des Alarmzustandes gewesen, die dazu geführt hätte, dass die Kunden plötzlich ihre Liebe zu selbst gepflanztem Gemüse entdeckt hätten, es könnte aber auch die Angst vor Versorgungsengpässen gewesen sein.

Er führt nun weiter zu einer Sektion mit Koniferen und an mehrjährigen Sträuchern und Kletterpflanzen vorbei, unter ihnen Bougainvilleen in Farbschattierungen von Weiß über Gelb hin zu Pink, Orange und Dunkelrot. Es folgt eine Abteilung mit Kakteen in vielen Arten und Größen. Unter einem Vordach des Gebäudes sind Säcke mit Substraten gestapelt, auch die Marke Terra Mallorquina, die einzige Gartenerde, die von der Insel stammt, ist vertreten. Hier lagern außerdem Kies, Ziersteine, Zäune und Stützpfosten für Bäume.

Wieder zurück ins Innere des Gebäudes fallen Vintage-Kisten auf. In den Obstkisten aus Holz lagerten früher Kartoffeln, heute setzt man sie als Mini-Beete ein. Der Samengroßhändler Batle bietet die Holzkisten sogar als kit de cultivo mit Erde und Samen an. Kerngeschäft von Batle ist jedoch das Sortiment von Samentüten mit mehr oder weniger heimischen Gemüse- und Blühpflanzen. Neben der Batle-Ecke findet man Werkzeug oder aber Bio-Produkte für Pflanzenpflege und -schutz vom deutschen Hersteller Neudorff.

„In der Krise hat sich gezeigt, dass wir als kleines Familienunternehmen überleben können", sagt Nicolau. Und dann führt er noch mal zurück zu den zwitschernden Kanarienvögeln. Gegenüber stapeln sich in schweren Säcken Tierfutter. Denn zu den Kunden der Gärtnerei zählen private Pferdebesitzer, aber auch die Betreiber des Club Hipico des Raiguer. Bei Plantes Inca kaufen außerdem die Mitglieder des örtlichen Taubenzüchtervereins Körner für ihre Brieftauben ein. Für Hunde und Katzen gibt es Spezialfutter, Halsbänder und Parasitentropfen. Bewohner der ländlichen Umgebung decken sich mit Mais für Hühner ein. „Landwirte haben uns beim Firmenstart geholfen. Während der Krise hat uns das Tierfutter gerettet", sagt Nicolau.

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