06. Juli 2020
06.07.2020
Mallorca Zeitung

Die Blüten der Jacaranda wollen auf Mallorca hoch hinaus

Die Jacaranda braucht viel Licht, viel Sonne und viel Platz - und bringt Farbe in Mallorcas urbane Räume. Auch im privaten Inselgarten ist sie ein Gewinn

06.07.2020 | 01:00
Mit den Blüten bilden sich nach der winterlichen Ruhepause die Blätter. Sie erinnern an die der Mimose.

Violette Blütenbüschel in den Baumkronen ziehen die Blicke magisch an. Es ist die Jacaranda, die jetzt blüht und auf Dorf- und Stadtplätzen, oder als urbaner Straßenbaum in Parks auf Mallorca Frühlingsstimmung verbreitet. Nach der Japanischen Kirsche ist die Jacaranda der weltweit am häufigsten gepflanzte Zierbaum. Im Deutschen wird sie auch Palisanderholzbaum (Jacaranda mimosifolia bot., jacaranda span., xicarandana kat.) genannt. Wobei der Baum nicht der Lieferant für das bekannte Edelholz ist, denn sowohl Holz als auch Rinde sind weich und werden nur als Furnierholz eingesetzt.

Die Form der Blüten verrät, dass die Pflanze zur Familie der Trompetenbaumgewächse, den Bignoniaceae, zählt. Diese umfasst eine weitläufige Verwandtschaft von tropischen Zierpflanzen, die auf Mallorca vor allem während der allergrößten Hitze blühen, wenn man sie mit Gießwasser verwöhnt. So ist es also kein Wunder, dass auf der Insel viele Bignonien-Verwandte an Mauern oder Fassaden emporklettern und in vielen Rot oder Rosatönen blühen, wie beispielsweise die Campsis oder die Pandorea.

Zierbaum für die Insel

Die Jacaranda fühlt sich im Mittelmeerraum in frostfreien Regionen wohl, sie zählt übrigens zu den laubabwerfenden Bäumen. Wenn nach dem Winter die Blätter gemeinsam oder nach der Blüte austreiben, erinnert das Blattwerk an das des Mimosenbaums, weshalb er auch den zweiten botanischen Namen mimosifolia erhalten hat.

„Die Jacaranda wächst langsam, aber stetig zu einem hohen Baum heran, der zwischen zehn und 15 Meter hoch werden kann", sagt Gartenarchitektin Erika Könn aus Binissalem. In ihrem eigenen Garten pflanzte sie die Jacaranda bereits vor geraumer Zeit. Jetzt ist der Stamm so hoch, dass die Krone die Gemüsebeete darunter vor der Sonne und Hitze schütze, ihnen trotzdem aber nicht zu viel Licht raubt.

In Kundengärten reserviert sie für eine Jacaranda viel Platz. Sie wäre – so die Gartendesignerin – ein idealer Solitärbaum, der sich für Hanglagen eignet. Was sie nicht abkönne: Staunässe, Minusgrade und heftige Stürme. Gießwasser benötigt der Jungbaum nur in den ersten Jahren zum Anwachsen, danach kommt er mit den Niederschlägen auf der Insel aus.

Der Schnitt

Die Jacaranda ist ein rundkroniger Baum, neben seiner beachtlichen Höhe kann auch seine Krone einen Durchmesser von fünf bis neun Metern erreichen. Bei gut geschnittenen Alleebäumen besticht, dass das Gehölz locker aufgebaut ist. Doch Schnitt ist bei Bäumen im öffentlichen Raum nicht nur wegen der Schönheit wichtig. Zierbäume in Alleen, Parks und auf Plätzen müssen auch aus Gründen der Sicherheit fachkundig gestutzt werden.

Die Form der Krone soll im Idealfall einem aufgespannten Regenschirm ähnlich sehen. Die Grundlage hierfür wurde meist schon in den Baumschulen angelegt. Geschnitten wird am Ende der Winterzeit, kurz bevor die Pflanze ihre Wachstumspause beendet. Zu jeder Jahreszeit können Totholz und sogenannte chupones entfernt werden, das sind Schösslinge, die keine Blüten tragen oder Früchte bilden und dem Baum unnötig Kraft kosten. Entfernt werden müssen zudem Äste, die sich gegenseitig beim Wachsen kreuzen und behindern.

Weil die Jacaranda, wie alle anderen Bäume auch, am liebsten in die Höhe in Richtung Licht schießt, sind es vor allem die senkrecht wachsenden Äste, die radikal beschnitten und am Wachstum gehindert werden müssen. Um eine runde Krone zu erreichen, fördert man beim Baumschnitt bevorzugt die horizontal wachsenden Äste und damit auch die hübsche Blütenbildung.

Von der Wildnis in die Parks

Wild wachsen etwa 50 verschiedene Arten des Palisanderholzbaums in Südamerika, sie kommen dort in den Regionen des Gran Chaco zwischen Argentinien, Bolivien, Brasilien und Paraguay vor. Mehrere von ihnen – wie auch die Jacaranda mimosifoliaa – sind durch intensive Landwirtschaft vom Aussterben bedroht und stehen mittlerweile auf der Roten Liste der Weltnaturschutzunion (IUCN).

Doch als urbaner Zierbaum ist die Jacaranda spätestens seit Mitte des 19. Jahrhunderts schwer in Mode. Stadtplaner pflanzten sie in Buenos Aires beidseitig an viel befahrene Stadtautobahnen, die Jacaranda ziert heute Mexiko-Stadt, Río de Janeiro, Johannesburg, aber auch einen Park in Sevilla. Weil mittlerweile einige Exemplare über hundert Jahre alt geworden sind, rechnet man sie in den Regionen zu den einheimischen Gewächsen. Die Bäume auf Mallorca sind neueren Datums.

Die weltweite Verbreitung ist sicherlich auch der üppigen Frühjahrsblüte zu verdanken. In der nördlichen Hemisphäre öffnen sich die Blüten im Mai und Juni, in der südlichen kurz vor Weihnachten. So auch in Sydney, wo man von einer Jacaranda-Panik spricht, weil die Blüte zu Semesterende die Studierenden daran erinnert, dass sie endlich ihre Arbeiten abliefern müssen.

Doch die Jacaranda besticht auch durch ihre Anspruchslosigkeit. Denn der Flachwurzler entwickelt nicht wie andere Bäume die Unart, mit seinen Wurzeln nach oben zu drängen und Asphalt oder Wege zu zerstören. Unter blühenden Kronen parkende Autos können jedoch durch schwarze Flecken beschmutzt werden. Es handelt sich um eine klebrige Melasse, die Insekten nach der Bestäubung einfach abwerfen.

Geht die Blütezeit zu Ende, fallen die Blätter auf die Erde und bilden einen violetten Teppich. Die Pflanze kümmert sich ab dann um die Bildung ihrer Samenfrüchte: sechs Zentimeter große runde braune Schoten.

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