12. September 2020
12.09.2020
Mallorca Zeitung

Die Zukunft der Mandel auf Mallorca

Gegen das Feuerbakterium resistente und erst im März blühende Sorten. Bäume, die schon nach drei Jahren reichlich Früchte tragen, vom Kontrollrat zertifiziert. Und eine nigelnagelneue Erntemaschine. Zu Besuch auf Son Gallard Vell bei Palma

12.09.2020 | 01:00
Die zwei Flügel eines riesigen Schirms breiten sich unter der Krone aus, zwei gepolsterte Eisengriffe bringen das Bäumchen dann zum Vibrieren.

Der September ist die Zeit der Mandelernte. Richtig gut geht es den Trockenfrüchten auf Mallorca aber nicht. Die veralteten Baumbestände sind leichte Beute für Xylella-Bakterien. Obendrein macht die Konkurrenz von kalifornischen Plantagen sowie vom spanischen Festland der Inselmandel zu schaffen.

Um zu zeigen, dass die almendra trotz allem Zukunft hat, hat die Finca Son Gallard Vell nahe Palmas Großmarkt zur Mandelernte geladen. Pascual Ribot, der Finca-Besitzer, wartet dort bereits. Früher weideten auf seinem Hof Kühe, jetzt hat er sein Feld an Toni Riutort verpachtet. Der sitzt an diesem Morgen schon auf seinem Traktor, an den eine nigelnagelneue Erntemaschine gekoppelt ist. Der Landwirt ist Mitglied der Kooperative Camp Mallorquí mit Sitz in Consell. Auch der Geschäftsführer der Kooperative ist heute hier, weil man außer uns auch ein Kamerateam vom lokalen Fernsehsender Canal 4 erwartet. Doch die Kollegen vom Fernsehen haben sich verfahren und es bleibt genügend Zeit, der MZ zu erklären, was es mit der Mandelplantage auf sich hat.

Die Finca Son Gallard Vell ist nicht nur deshalb ein Vorzeigemodell, weil sie in der Nähe von Palma liegt und die von der Presse nicht so weit fahren müssen. Mit der Mandelplantage will man zeigen, wie die Zukunft der Inselmandel aussehen kann. Denn auf diesem Feld wachsen Bäume, die erst drei Jahre alt sind, aber schon reichlich Früchte tragen. Gepflanzt wurden sie mit Finanzmitteln aus EU-Töpfen, und weil Riutort Mitglied der Kooperative Camp Mallorquí ist, half diese bei der Planung und deren Umsetzung kräftig mit.

Denn die Mandeln der diesjährigen Ernte werden mit einem Herkunftssiegel in den Handel kommen, das vom Consejo Regulador vergeben wird. Den Kontrollrat für die „Ametlla de Mallorca IGP" (Indicación Geográfica Protegida) gibt es seit 2019. Er kontrolliert auch den Anbau der Mandelbäume. Damit die Ernte das IGP-Herkunftssiegel bekommt, müssen neben der geografischen Komponente auch andere Bedingungen erfüllt sein.

Deshalb müssen die Landwirte strenge Qualitätskontrollen zulassen und dürfen nur bestimmte Düngeprodukte verwenden. Außerdem müssen sie nachweisen, dass sie umweltschonend arbeiten und die Bäume regelmäßig beschneiden. Um das zu prüfen, schickt das balearische Landwirtschaftsministerium immer wieder Inspekteure auf die Felder, die die Einhaltung der Regeln überprüfen.

Die Bedingungen des Herkunftssiegels schreiben nicht vor, dass die Inselmandeln von alten lokalen Sorten stammen müssen. Wichtig ist, dass die Jungbäume in der Inselerde groß werden und die Früchte an ihnen reifen. Deshalb konnte man auf dem 16 Hektar großen Feld von Son Gallard Vell die Sorten Marta, Vairo und Marinada pflanzen. Nur mit Bewässerung bringen sie Hochleistungen, und die Kerne können es ohne Weiteres an Süße, Fett- und Vitamingehalt mit den alten Inselsorten aufnehmen.

Gezüchtet wurden sie in Baumschulen in Murcia, Andalusien und Katalonien. „Wir haben sie jedoch seit geraumer Zeit auf der Insel mit guten Erfolgen getestet", berichtet Castelli. Die Hybride gelten als resistent gegen die Xylella-Bakterie. Ihre Blütezeit wurde in den März verschoben, wenn die schlimmsten Fröste vorbei sind. Zur Bestäubung müssen sie sich auch nicht mit anderen kreuzen, wie das bei vielen alten Sorten der Fall ist.

„Noch sind die Dreijährigen nicht auf dem Höhepunkt ihrer Produktion", berichtet Landwirt Riutort, während er wieder auf den Traktor steigt. Er legt den Rückwärtsgang ein und nimmt eines der Stämmchen ins Visier. Von da an dauert es nur zwei Minuten, bis die Mandeln geerntet sind. Gut gepolsterte Eisenarme nehmen den Baum in den Griff. Danach klappen sich beidseitig Flügel um den Stamm. Die Greifarme vibrieren, der Baum beginnt zu zittern, alle Mandeln fliegen hoch und landen auf dem Fächer, der wie ein umgedrehter Regenschirm wirkt. Dann sind die zwei Minuten um, am Baum gibt es keine Mandeln mehr. In einer sich drehenden Röhre werden die grünen Hüllen abgetrennt und bleiben auf der Erde als Wurzelnahrung liegen. Die harten Schalen werden später in Consell geknackt.

Für ein Kilogramm Mallorca-Mandeln bekommt der Landwirt derzeit 3,25 Euro. Im vergangenen Jahr waren es noch 5,55 Euro. Der Preisverfall ist den kalifornischen Ernten zuzuschreiben aber auch der mangelnden Nachfrage von Hotels wegen Covid-19. So bleibt nur zu hoffen, dass die IGP-Werbespots für die Ametlla de Mallorca die Verbraucher überzeugen. Und auch der Dokumentarfilm von Canal 4, denn das Team hat das Feld beim Camí Fondo am Ende dann doch noch gefunden.

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