07. Dezember 2020
07.12.2020
Mallorca Zeitung

Das sind die Pflanzen mit Zukunft in den Gärten auf Mallorca

Die Gärtnereien auf der Insel: Juan und Gabriel Llabrés ziehen bei Petra heimische Bäume groß. Ein Besuch

07.12.2020 | 01:00
Diese Olivenbäume warten auf ihr zweites Leben im Inselgarten. Auch dort werden sie noch Früchte tragen.

Jetzt beginnt die Zeit, in der auf  Mallorca Bäume gepflanzt werden. Denn in den Wintermonaten legen viele Gewächse eine Vegetations­pause ein und können ihre gesamte Kraft in die Wurzeln investieren. „Setzt man sie jedoch erst im Frühjahr oder Sommer, benötigen die Bäume gleichzeitig Kraft zum Anwachsen und um Triebe, Blätter und Blüten zu bilden", sagt Juan Llabrés, der gemeinsam mit Gabriel Llabrés eine Baumschule bei Petra betreibt.

In der kühlen Jahreszeit ist das Angebot in den viveros, wie man die Baumschulen im Spanischen nennt, besonders groß. Deshalb lohnt sich ein Besuch bei den Hnos. Llabrés. Doch Juan und Gabriel Llabrés sind keine Brüder, wie das Firmenschild „Hnos. Llabrés" glauben lässt, sondern Onkel und Neffe. Das Schild geht auf die Zeit zurück, als der Bruder des Großvaters von Juan die bekannte und bereits vorgestellte Jardíneria Llabrés gründete. Der Großvater selbst kaufte hingegen drei Hektar Land auf dem Gemeindegebiet von Petra - der Grundstein für die heutige Baumschule.

Es ist also die dritte und vierte Generation der Baumzüchter, die durch den vivero führt, der eher einem landwirtschaftlichen Betrieb als einer Gärtnerei ähnelt. Denn das Land ist in viele ebene Felder eingeteilt, die, typisch für den Pla de Mallorca, mit Zypressenreihen eingerahmt sind. „Sie bremsen den Wind aus, denn hier wehen alle möglichen Stürme. Uns lässt keiner aus", erzählt Gabriel Llabrés. Wenn die Pflanzen das harte Klima an der Gemeindegrenze zwischen Petra und Vilafranca aus­gehalten haben, sind sie für die Gärten und Plantagen auf der gesamten Insel bestens gewappnet. Doch nicht jede Baumsorte ist für die Küste oder die Berge geeignet, weshalb man den Kunden professionelle Beratung bietet.


Olivenbäume

Vor Wind und dem Lärm der Autobahn geschützt sind die Olivenbäume verschiedener Größe. Da gibt es uralte Exemplare mit knorrigen Stämmen, die trotz ihres Alters immer noch Früchte tragen und darauf warten, in ­Inselgärten ein zweites Leben zu beginnen. Sie stammen vom spanischen Festland. Erben von Landgütern verkaufen sie, weil sie keine Olivenhaine mehr bewirtschaften wollen oder weil sie einfach Geld brauchen. In die ­Kasse der Baumschule spülen sie viel Geld, so ein Hundertjähriger kann über 6.000 Euro kosten.

Schon ab drei Euro sind hingegen Olivenbäumchen aus eigener Zucht zu haben. Da gibt es beispielsweise die eineinhalb Meter hohen, hochstämmigen Jungbäume mit Rundkronen sowie die etwas älteren mit breiten Kronen, deren Äste bereits grüne Oliven tragen. „Wir führen alle wichtigen Sorten, wie ­Picual, Arbequina oder Koroneiki", berichtet Gabriel Llabrés. Die Frage, wie viele olivos (span.) sie besitzen, können die beiden nicht beantworten, sie schätzen, dass eine fünfstellige Zahl zusammenkommen wird.


Die Baumschule

Wie die jungen Olivenbäume werden auch die algarrobos (span.) hier gezogen. „Der Johannisbrotbaum hat auf der Insel Zukunft", meint Juan Llabrés. Der Immergrüne leide nicht unter Trockenheit, wäre resistent gegen Schädlinge, und seine Schoten erzielten nicht nur in der Lebensmittelindustrie gute Preise.

In dem vivero zieht man Bäume der Sorte Ramillete groß. Die knapp zehn Zentimeter großen Setzlinge werden vom spanischen Festland geliefert. Auf Mallorca kommen sie in perforierte Spezialtöpfe, bei denen die Wurzeln nach außen wachsen können. Auf einem riesigen, ebenfalls von Zypressen geschützten Feld, sind sie jetzt in langen Pflanzreihen zu sehen. Eine Verbindung zwischen den Töpfen bilden Schläuche, die den Pflanzen gezielt tröpfchenweise Feuchtigkeit spenden.

In drei Jahren werden die garrovers (kat.) umgepflanzt werden. Dieses Prozedere wird so lange wiederholt, bis die Bäume die Größe erreicht haben, in der sie zum Verkauf angeboten werden. Doch zuvor verbleiben sie etwa acht Monate in der Baumschule, bis sich zeigt, ob die letzte Umpflanzung gelungen ist.


Zierpflanzen

Die Llabrés ziehen auch Kiefern, Pinien, Zürgel­bäume, Steineichen sowie Oleander in allen Größen und Farbtönen. Zu den plantas ornamentales, wie man Zierpflanzen im Spanischen nennt, zählen aber auch die Zypressen. Um zu zeigen, wie sie gezüchtet werden, schneidet Juan Llabrés eine Frucht so durch, dass die würzig duftenden Samen herausfallen. Aus ihnen zieht man die immergrünen Bäume. Bis sie groß genug sind, um verkauft und in die Erde gepflanzt zu werden, setzt man auch sie in immer größere Töpfe um. Weil sie so schlank sind, finden in der Baumschule auf einem Quadratmeter viele Exemplare Platz. Eine vier Meter hohe Zypresse kostet beispielsweise 85 Euro.


Obstbäume

Für die Feigenbäume holen sich Onkel und Neffe auf einer Finca von Freunden Äste einheimischer Sorten. Auch diese Ableger wachsen in Töpfen, die mit Erde gefüllt sind. Ende November sind sie im Freien bereits zu zwei Meter hohen Bäumchen herangewachsen.

Die Zitrusbäume sind im Gewächshaus untergebracht. Die Baumschule bezieht sie aus Valencia, weil man dort über Patente für produktive Sorten verfügt, die gleichzeitig resistent gegen Krankheiten und Schädlinge sind. Besonders beliebt sind derzeit Blutorangen-, Kumquat- und Grapefruitbäume. Aber auch naranjos, die je nach Sorte im Winter (Navel) oder Frühjahr (Navelate) Orangen liefern.

Im Freien stehen viele Sorten Kirsch- und Apfelbäume. Für ihre Fruchtbildung brauchen sie einige Hundert Kältetage im Winter. Das wird immer schwieriger, denn auch Juan und Gabriel Llabrés nehmen in jedem Winter erneut wahr, dass die Nachtfröste weniger werden und die Wärme zunimmt. Deshalb ziehen sie seit einiger Zeit auch Mango-, Cherimoya-und Avocadobäumchen. Denn die beiden sind überzeugt, dass neben den einheimischen Bäumen auch Sorten aus tropischen Klima­zonen auf der Insel Zukunft haben.

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