14. Dezember 2020
14.12.2020
Mallorca Zeitung

In Vilafranca steht eines von sechs Korkenzieher-Museen Europas

Eine Deutsche und ein Österreicher zeigen eine kuriose Sammlung

14.12.2020 | 01:00
Hanne Holze und Friedrich Panizza wählen die ausgestellten Korkenzieher nach ihrer Technik und Ausgefallenheit aus.

Als die deutsche Künstlerin Hanne Holze und der Österreicher Friedrich Panizza während des Lockdowns auf Mallorca aufräumten, stießen sie ineiner  Schublade auf mehrere Hundert Korkenzieher. Gesammelt hatte sie Holzes vor zwölf Jahren verstorbener Mann Hans-Joachim, Hanne Holze selbst hatte sie nach seinem Tod mit Angaben zur Art, Herkunft und Häufigkeit katalogisiert und danach verstaut. Als sie und Panizza die vielen sacacorchos, wie Korkenzieher auf Spanisch genannt werden, sortierten, kam ihnen die Idee, sie auszustellen und so auch Einnahmen für den Reiterhof Finca Caballo Blanco nahe Porreres zu generieren, den Holzes Töchter Stefanie und Andrea
durch die Corona-Krise führen.

Stolze 20 Euro (18 nach Anmeldung) kostet die Führung, inklusive einer Flasche Wein. „Wir wollten nicht stillstehen und haben uns Gedanken gemacht, wie wir etwas verändern können. Zunächst haben wir bei mehreren Bodegas angefragt, doch sie hatten kein Interesse daran, die Korkenzieher auszustellen", erzählt Friedrich Panizza. Also beschlossen die beiden, Holzes Privatsammlung in der unteren Etage von Panizzas Haus in Vilafranca aufzubauen. Seit Mitte August kann man die sacacorchos dort besichtigen.

Ein weites Feld

Da sind etwa Fantasiekorkenzieher, die ein Wikingerschiff oder einen Propeller darstellen. Oder kleinformatigere Reisekorkenzieher, darunter auch Hanne Holzes Liebling der Sammlung: einer aus echtem Silber, der an die 500 Euro Wert ist. Vor allem die erotischen Korkenzieher der Sammlung dürften viele Besucher schmunzeln lassen. Der sogenannte Wurm – so nennt man die Spirale, die letztlich den Korken herauszieht–, stellt dann oft das männliche Glied dar.

An einer Wand links vom Eingang fallen überdimensionale vermeintliche Schlüssel auf. Sie waren in den 40er- und 50er-Jahren in Mode, wie Panizza und Holze bei der Führung erzählen. Die raffinierten Alleskönner fungierten zugleich als Korkenzieher. Auf den ersten Blick ebenfalls nicht als Korkenzieher identifizierbar ist auch ein Exemplar aus der Prohibitionszeit in den USA, „als man nichts im Haus haben durfte, was mit Alkohol zu tun hatte", wie Panizza erklärt. Also sei so manch ein Trinker erfinderisch geworden und hätte sich etwa eine Figur von Präsident Woodrow Wilson angeschafft. Wer sie öffnete, hatte plötzlich einen Korkenzieher in der Hand.

Kärntner Heimatgefühle

Friedrich Panizza scheint mittlerweile selbst eine Leidenschaft für die kuriosen Sammlerstücke entwickelt zu haben. Der 66-Jährige ist gelernter Sozialarbeiter und organisierte während seiner Tätigkeit bei der Stadt Wien Mitte der 90er-Jahre die ersten Reisen für Menschen mit Behinderung auf die Insel. Mittlerweile ist er pensioniert und lebt seit 15 Jahren fest in dem Haus in Vilafranca. Einer der ausgestellten Korkenzieher löst in ihm schon beim Ansehen Heimatgefühle aus. „Er stammt aus Verlach in Kärnten, und es gibt ihn nur einmal auf der ganzen Welt", sagt Panizza. Das gute Stück ist rundum graviert und statt zwei Bügeln oder einem Griff an der Oberseite ist seitlich eine Kurbel angebracht.

Nicht das Alter, sondern die Technik und die Originalität mache den Wert der jeweiligen Korkenzieher aus, sagt Panizza. Wichtig sei auch, ob sie in Fachbüchern oder auf Plattformen wie www.muesch-online.com genannt werden. Es gebe über 3.000 Patente für Korkenzieher . „Das erste stammt von Samuel Henshall und geht auf das Jahr 1795 zurück", so der 66-Jährige. „Manche Sammler interessieren sich nur für eine ganz bestimmte Art an Korkenziehern – etwa die, bei denen der Korken mit nur einer Hebelbewegung (in der Fachsprache Lever) herausgezogen wird. Oder solche mit Holzgriff", fügt Hanne Holze hinzu. Eine andere Sammel- und Korkenkategorie ist die mit Pinseln, mit denen man den Flaschenrand säubern konnte. Schließlich habe die Öffnungstechnik nicht von Anfang an reibungslos funktioniert, ohne dass Reste an der Flasche blieben.

Ein „Sacacorcho" gegen eine Kiste Wein

Angefangen habe alles mit einem Korkenzieher aus dem Jahr 1880, den Holzes verstorbener Mann 2004 auf einer Antiquitäten-Messe in Deutschland gesehen und gegen eine Kiste mallorquinischen Weins eingetauscht hatte. Von da an habe er sich in das Thema eingelesen und schon wenig später alles gekauft, was nach Korkenzieher aussah. Bis vor einigen Jahren habe die Sammlung noch aus knapp 4.000 Korkenziehern bestanden, sagt Hanne Holze. Ein Sammler aus Rumänien, der dort mittlerweile auch ein Museum betreibt, habe erst 3.000 Stück und dann noch einmal 500 bei Holze gekauft. „In seinem Heimatland stellt er nun rund 35.000 aus. Das Museum ist riesig", weiß Panizza.

In einer speziellen Kiste finden sich Korkenzieher, die Holze und Panizza an die Besucher verkaufen – das teuerste Stück für 790 Euro. Und am Ende der Führung gibt es noch eine Weinprobe sowie eine Ölverkostung. Eine Flasche Wein lokaler Weinbauern bekommen die Gäste geschenkt. Hinzu kommt im Dezember eine Ausstellung mit
Bildern von Hanne Holze, die schon seit 22 Jahren auf der Insel lebt.


Korkenzieher-Museum
C/. Bonany, 7, Vilafranca de Bonany, Mi. sowie 
5./12./19.12. jeweils 10–15 Uhr, Eintritt: 20 Euro, mit Reservierung: 18 Euro, Kinder bis 12 Jahre frei, 
Tel.: 601-98 00 12, www.museo-sacacorchos.com
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