18. Januar 2021
18.01.2021
Mallorca Zeitung

Nachhaltig auf Mallorca den Grill anwerfen

MZ-Tipp: Eine Behindertenwerkstatt in Palma stellt ökologische Feueranzünder her. Die "lluquets" sind reine Handarbeit

18.01.2021 | 01:00
? José (in der Mitte) zeigt seine Arbeit ­Betreuer Toni Sureda.

Da Palmas große Grillparty Sant Sebastià der Pandemie zum Opfer fällt, müssen Sie wohl selbst das Feuer für das Barbecue daheim anschmeißen. Je nach Brennmittel kann das ganz schön schwierig sein. Abhilfe bieten die lluquets. Das sind Grill­anzünder aus recycelten Materialien. Sie werden von einer Behindertenwerkstatt der Organisation Mater Misericordiae in Palma hergestellt.

„Die Idee haben wir von deutschen Behindertenwerkstätten übernommen", sagt Mater-Leiterin Yakami Martínez. Das Zentrum in Son Gotleu wird vom Sozialamt der Stadt finanziert. Es ermöglicht Menschen mit geistiger Behinderung einen geregelten Arbeitsalltag. An die 130 Personen sind in 16 verschiedenen Aufgabenfeldern beschäftigt. Das sind neben den Grillanzündern etwa Gartenarbeiten, Küchenaufgaben und die Herstellung von Seife. „Es hilft ihnen, sich in eine Gemeinschaft einzugliedern und Freunde zu finden. Wir bieten auch Freizeitangebote wie Sport, Theater oder – mein Favorit – Gesichtsyoga", sagt Yakami Martínez.

Werktags arbeiten bis zu acht Personen mit Betreuer Toni Sureda an den Grillanzündern. Das Konzept ist international als K-Lumet bekannt. Auf Mallorca werden Holzreste verarbeitet. „Das Holz liefert uns das Forstamt Ibanat. Es handelt sich in der Regel um Kiefernholz von Bäumen, die durch einen Sturm oder Waldbrand Schaden genommen haben", sagt Sureda. Die Schreinerei Can Just verarbeitet das Holz in handliche Blöcke, mit denen in der Werkstatt gearbeitet werden kann.

José ist für die groben Arbeiten zuständig. Geschickt zerteilt er die Blöcke in kleine Streich­hölzer. Cristian, David und Cristina sortieren bis zu 50 Stöckchen in eine Form ein und befestigen das Bündel mit einem Band. „Das nennt sich fil de porc, da es eigentlich auf Schlachthöfen benutzt wird", sagt Sureda. Der Docht kommt in die Mitte. Danach wird das Bündel in Kerzenwachs getaucht. Es stammt von Kerzenstummeln, die die Kirchen spenden. „In der Regel brennt ein lluquet an die zwölf Minuten und ist sowohl für den Kamin als auch den Grill zu gebrauchen", sagt Sureda. „Durch das Wachs brennt er langsam und gleichmäßig ab."

Die Anzünder werden in Kisten mit je neun Stück für 5 Euro in den verschiedenen Mater-Einrichtungen ­verkauft (Adressen: ­orgmater.org). „Die Leute arbeiten bei uns in ihrem Rhythmus. In der Regel schaffen sie zwei Kisten pro Tag. Die Kon­zentration hilft ihnen, innere Ru­he zu finden. Und die lluquets sind ein wertgeschätztes Produkt", sagt Sureda. Geplant ist, die Länge des ­Anzünders demnächst zu halbieren. „So verbrauchen wir weniger Holz. Und zum Anzünden reicht auch eine Brenndauer von sechs Minuten."

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