07. Februar 2021
07.02.2021
Mallorca Zeitung

Ein Mallorca-Memory mit Erbse, Möhre und Tomate

Mit Lehrmaterial für den Biologie­unterricht, Samen für die Schulgärten und Spiele-Sets gibt der Verein Varietats Locals sein Wissen über Gemüsesorten von der Insel an die Jüngeren weiter.

07.02.2021 | 01:00
Mit dem Klassiker „Wer ist wer?" können sich die Spieler die Namen des einheimischen Gemüses einprägen.

Gemüsegärtnern kribbelt es jetzt in den Fingern. Denn bald beginnt die Zeit für die Aussaat. Genauer gesagt am fünften Februar, dem Tag der Santa Àgueda, an dem die Insellandwirte traditionell immer mit dem Ausstreuen der Samen begonnen haben. Noch bleibt also Zeit, während der kalten Tage und den ja ohnehin reduzierten Freizeitvergnügen in den Katalogen zu blättern und von besseren Zeiten und üppigen Ernten zu träumen.

Material dazu bietet, wie jedes Jahr um diese Zeit, der neue Katalog der „Associació de ­Varietats Locals de Mallorca" (AVLM), die Vereini­gung der Züchter lokaler Obst- und Gemüse­sorten mit Sitz in Porreres. Dieses Jahr hat der gemeinnützige Verein jedoch noch mehr zu bieten: Aina Socias, Aktivistin von Varietats Locals und Autorin eines gleichnamigen Buches, entwickelte mit ihrem Team ein Projekt für Kinder und Jugendliche. Es soll ein Beitrag dazu sein, die alten, vergessenen Gemüsesorten wieder so populär zu machen, dass sie auf den ­Tellern künftiger Generationen wieder eine Selbst­verständlichkeit sind.

Samen und Info-Karten

Das didaktische Material enthält Samentütchen, die in Pflanztöpfe oder direkt in die Schulbeete ausgesät werden. Zum anderen hat Aina Socias gemeinsam mit der Illustratorin Nívola Uyá und mit minimaler finanzieller Unterstützung des balearischen Umwelt­ministeriums zwölf Karten entwickelt. Das ­didaktische Material soll den Lehrern er­möglichen, die Praxis in den Schulbeeten mit der Theorie im Unterricht zu verknüpfen.

Auf den Karten wird mit Text und Bild über einheimische Gemüsesorten informiert. So zum Beispiel über die Erbse, die pèsol d'esclovellar, was man aus dem Mallorquinischen frei mit „Erbse zum Auspulen" übersetzen könnte. Auf der Kartenrückseite ist dann nachzulesen, dass im Februar die Erbsen direkt in die ­vorbereiteten Saatfurchen gestreut werden können. In einem Abstand von 20 bis 35 Zentimetern und etwa fünf Zentimeter tief in die Erde. Wenn die Schoten im April und Mai reif sind, öffnet man sie und trocknet die pèsols für die nächste Aussaat.

„Wir wollen den Schülern vermitteln, dass Gärtnern Spaß macht und selbst geerntetes Gemüse gesund ist", sagt Socias. Die Schüler sollen zudem erfahren, dass sie mit der Samengewinnung von selbst gepflanzten, lokalen Gemüsesorten einen ­Beitrag zum Schutz eines wichtigen Kulturguts leisten. Denn die Schüler übernehmen dann eine Arbeit, zu der viele Landwirte ­heute keine Zeit mehr haben. Diese beziehen das Saatgut überwiegend bei den Konzernen. Doch weil diese Hochleistungshybride ­liefern, die sich nicht zuverlässig vermehren, sind die Landwirte gezwungen, jedes Jahr ­wieder neues Saatgut zu kaufen.

Genetische Vielfalt

Werden die Samen jedoch Jahr für Jahr neu ausgesät, haben Schüler, Gärtner und Landwirte die Chance, Gemüse mit genetischer Vielfalt zu züchten. Das bietet nicht nur Stoff für den Biologieunterricht. Die Pflanzen bekommen dadurch außerdem die Fähigkeit, sich klimatischen Bedingungen anzupassen, Resistenz gegen Schädlinge und neue Geschmacksnuancen zu entwickeln.

Das Interesse der Schulen war groß: „Wir konnten uns vor Anfragen kaum retten", ­berichtet Socias. Doch hätten die Mittel des Umweltministeriums leider nur für 40 Kits ausgereicht. Als der Vorrat aufgebraucht war, habe man den interessierten Bildungs­einrichtungen Samen zum Selbstkostenpreis ­überlassen. Bei einem Gespräch mit den Verantwortlichen im Umweltministerium soll in Kürze auch über den Nachdruck des Kartenmaterials sowie die Finanzierung der Samen für die Schulen verhandelt werden.

Als Ergänzung für Samen und Karten entwickelte das Team für den Unterricht eine Spielesammlung. Das sind aus Holz geschreinerte Prototypen. Mit ihnen sollen sich Schüler die Sorten spielerisch einprägen. ­Neben Kohl und Tomaten sind auch Bohnensamen vertreten, die gleichzeitig Samen und Zutat sind. Die Regeln wurden von international bekannten Spieleklassikern wie Domino, Memory, „Wer ist wer?" und „3 gewinnt" übernommen. Das Spielematerial - auch ein Puzzle kam ­hinzu - wurde erstmals im Dezember von Schülern des IES in Binissalem getestet. „Sie hatten einen Riesenspaß damit", sagt Socias. Das ­ludoteca (Spielothek) genannte Set soll künftig auf Messen und Märkten zu Einsatz kommen. Ob es in den Schulen als Lehrmaterial Zukunft hat, wird ebenfalls im Umwelt­ministerium entschieden werden.

Das Treffen mit den Schülern in Binissalem war auf Veranlassung einer engagierten Lehrerin zustande gekommen, die auch für den Schulgarten verantwortlich ist. Beim Besuch des Teams von Varietats Locals im Dezember waren die Beete bereits vorbereitet, im Februar kann ausgesät werden.

Der neue Katalog

Gemüsefans können den neuen Samenkatalog jetzt kostenlos herunterladen. Bei 24 Geschäften kann man Samen und Kataloge auf Papier (2,08 Euro), aber auch einen Jahreskalender für 2021 kaufen. Mittlerweile sind 70 verschiedene Gemüsesorten im Sortiment. Die Zahl der Inseltomaten ist auf zehn gestiegen. Neu sind die mallorquinische Linse (llentia ­mallorquina) sowie die Feuerbohne (fesol fava) und eine Melonenart (meló pelat). Die Aufteilung in Sommer- (varietats d'estiu) und Wintergemüse (varietats d'hivern) erleichtert die Bestellung.

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