27. Februar 2021
27.02.2021
Mallorca Zeitung

Der Bäcker auf Mallorca, die Lehrlinge auf der ganzen Welt

International und spannend wie beim Eurovision Song Contest: Ein Australier bringt Hobby-Bäckern von Mallorca aus digital bei, wie sie Leckereien zubereiten

27.02.2021 | 01:00
Backt seit der Pandemie wieder viel mehr selbst und lässt nun auch die ganze Welt daran teilhaben: Glenn Flavin.

Eigentlich wäre Glenn Flavin gerade für seinen Arbeitgeber Aida Cruises in New York und würde neue Sänger und Musiker für die Shows auf den Schiffen des Kreuzfahrtriesen casten. Wegen der Pandemie jedoch kann der aus Australien stammende Mallorca-Resident schon seit März seiner Arbeit als Freelancer nicht mehr nachgehen. Wegen der Ausgangssperre fehlte dem 57-Jährigen in den vergangenen Monaten auch der Austausch mit seinen Freunden zunehmend. Stillstehen und Abwarten ist aber nicht sein Ding. Also beschloss er kurzerhand, eines seiner Hobbys, das Backen, mit seinen Freunden und Bekannten zu teilen, und so für Abwechslung für alle im Pandemiejahr zu sorgen.

Seit einem Monat bietet Flavin, der seit fünf Jahren fest auf der Insel wohnt, unter dem Namen „Bake Along Live" Back-Stunden in der Gruppe per Videokonferenz an. An einem Vor- oder Nachmittag am Wochenende begleitet Flavin dabei bis zu 20 Teilnehmer, die sich von der ganzen Welt aus zuschalten, live beim Zubereiten von Brot, Pizzateig, Donuts, Brioche oder anderen Spezialitäten. Das erste angeleitete Backen ist umsonst, danach zahlen die Mitbäcker entweder 3,50 Euro für einmal Backen pro Monat, 7,50 Euro monatlich für eine Back-Session pro Woche oder 15 Euro monatlich für die Teilnahme an maximal 10 Back-Stunden.

Mitmachen kann jeder, ohne besondere Vorkenntnisse oder Fingerfertigkeit beim Backen. „Ich erkläre alles von Anfang an und so, dass alle gut mitkommen", erzählt Flavin. Wer teilnehmen will, sucht sich im Online-Kalender auf seiner Website entweder etwas aus, das er schon immer einmal backen wollte, oder ist offen für Neues und meldet sich bei irgendeinem der kommenden Events an, um etwas
dazuzulernen.

Gebacken wird dann meist samstags ab zehn Uhr und sonntags ab 16 Uhr. „Die Zeiten sind so geplant, dass trotz Zeitverschiebung etwa auch Teilnehmer von der Westküste der Vereinigten Staaten mitmachen können", so Flavin. Andere Back-Fans leben in Sydney, Kanada, England, Dänemark, Berlin oder Bochum. Auch zwei deutsche Mallorca-Residentinnen sind regelmäßig mit dabei. Damit alle Flavin folgen können, hält der Australier, der 25 Jahre lang in Deutschland gelebt hat, die Back-Konferenzen auf Englisch. Da beispielsweise von deutschsprachigen Teilnehmern oft Nachfragen zu den verschiedenen Mehlsorten kommen, nennt er deren Namen und die anderer Zutaten meist nicht nur auf Englisch, sondern auch auf Deutsch.

Für den Versand der Zutatenliste und später den Link für die Video-Konferenz erstellt Flavin zu Beginn für das jeweilige Event eine Gruppe im Facebook-Messenger. Darin sendet er den Teilnehmern schon einige Tage vor dem Wochenende die Zutatenliste und gibt auch an, welche eventuell besonderen Utensilien für die Zubereitung benötigt werden.

„Die Teilnehmer sollen für die Gerichte so wenig Besonderes wie nötig benutzen müssen", so Flavin. Beim Backen des Pizzateigs etwa brauchen sie einen Pinsel. Der könne provisorisch auch schon einmal aus Backpapier geformt werden, erzählt er. Wenn noch ein Vorteig gebacken werden muss, etwa für Brot, schickt Flavin rund zwölf Stunden vor Backbeginn eine Anleitung dafür per eigens aufgenommenem Video. Pünktlich zum gemeinsamen Backbeginn sollten die Teilnehmer alle Zutaten bereits abgewogen und die Utensilien griffbereit haben. Dafür gibt es in der Gruppe eine Erinnerungsnachricht à la „In einer Stunde geht es los" und den Code für die Konferenz. Dann erscheint er vor seinem in der Küche auf einem Stativ inklusive Lichtring aufgebauten Handy. Die Teilnehmer werden zunächst gebeten, ihr Mikrofon stumm zu schalten. So kann Flavin Schritt für Schritt erklären, wie die verschiedenen Zutaten zusammengemischt werden und was dabei beachtet werden muss. Wer Fragen hat, darf sie in den Gruppenchat schreiben oder sie zu einem vorgegebenen Zeitpunkt live stellen.

Dann ab in den Ofen und gespannt warten. Jeder für sich, ohne Kamera. Sind die Leckereien bei allen fertig, gibt es eine erneute Live-Schalte, und jeder Teilnehmer darf sein Ergebnis präsentieren. „Wie beim Grand Prix schalten wir dann von einem Land zum nächsten und jeder darf erzählen, ob er zufrieden ist", scherzt Flavin. Besonders dann wird es für die Teilnehmer so richtig unterhaltsam, und der ein oder andere, der das Anschneiden nicht mehr abwarten konnte, wird enttarnt.

BAKE ALONG LIVE
E-Mail: glennflavin@yahoo.com
FB: Glenn Flavin, IG: glenn_flavin, bake-along-live.com
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