21. März 2021
21.03.2021
Mallorca Zeitung

Wandern auf Mallorca: Auf der Spur der Schafe

Eine Frühlingstour von Algaida nach Llucmajor im Schatten der Serra de Galdent

21.03.2021 | 01:00
Schafe werden auf der Finca Ca'n Paulino zu einem Weideplatz getrieben, so beobachtet Ende Februar dieses Jahres.

Die leichte Wanderung beginnt in Algaida, und zwar an der Ortseinfahrt der Gemeinde im Carrer del Sol, an dessen Ende die Windmühle Molí d'en Roig steht. Hier zweigt links der Camí de Son Miquel Joan (Schild) ab. Direkt gegenüber befindet sich im Carrer de Cabrit i Bassa eine weitere Mühle, die Molí d'en Bosso.

Die schmale Fahrbahn führt immer geradeaus durch ein fruchtbares Kulturland mit Mandel-, Johannisbrot-, Feigen- und Olivenbäumen. Auch an Zitrusbäumen, Gemüsegärten und kleineren Weinfeldern kommen wir vorbei. Rund 15 Minuten nach Tourstart ist dann der nicht mehr bewirtschaftete und verlassene Gutshof Ca'n Borràs erreicht.

Etwa 50 Meter weiter ignoriert man einen linken Abzweig und bleibt geradeaus auf dem Hauptweg. Bald öffnet sich die Landschaft, und es sind große Felder mit sattgrünen Gräsern zu sehen. Auf der linken Seite erheben sich etwas entfernt der Klosterberg Randa und der Puig de Son Reus, etwas näher die Serra de Galdent mit ihrem Hauptgipfel Puig de Son Roig. Rund zehn Minuten nach Ca'n Borràs wird dann eine Kreuzung erreicht.

Hier fällt rechts ein Schild „Camí de Muntanya" auf. Dieser „Weg des Gebirges" war ehemals eine der Routen der Schafe und Ziegen, die in der Zeit zwischen dem 15. Jahrhundert und den frühen 1930er Jahren vor dem Sommer von Landgütern im Süden Mallorcas zu Weidegründen in der Serra de Tramuntana getrieben wurden.

Eine der Transhumanz genannten Langwanderungen der Herden startete auf der bei Llucmajor gelegenen Possessió Sa Torre. Sie führte über el Pil·larí, Son Oms, die heutigen Landebahnen des Flughafens Son Sant Joan und Palmas Vorort Son Ferriol zur Possessió Ca'n Penasso bei Bunyola und von dort über den Coll de Sóller zur Possessió Cases del Teix. Von dem Gutshof wurden die Tiere dann zu den Weidegründen bei den fast 800 Meter hoch gelegenen Casetes del Rei Sanç getrieben, die sich unterhalb des Puig des Teix befinden. Dokumente belegen, dass etwa 1494 auf einer Langwanderung 1.500 Schafe und 500 Ziegen von Sa Torre bis hierher unterwegs waren.

Weiter geht es bei der oben erwähnten Kreuzung geradeaus (Schild „Llucmajor"). Die von wilden Olivenbäumen, Mastix, Kiefern und Sträuchern des Westlichen Erdbeerbaums gesäumte schmale Fahrbahn verläuft dann mit einer sanften Steigung aufwärts. Der Wanderer bleibt dabei immer auf dem Hauptweg und erreicht schließlich einen Sattel.

Nun führt die Route entlang von Terrassenmauern wieder abwärts. Man passiert die Anwesen Cas Forner und Es Pinaret, folgt später der Beschilderung „Ruta Cicloturistica de Llucmajor, Camí Vell d'Algaida" und kommt danach an der Finca „Vista ­Galdent" vorbei, von der tatsächlich ein ­imposanter Blick auf die Serra de Galdent möglich ist. Schließlich werden nach einer Rechtskurve die Anwesen Ca'n Tortuga und Ca'n Albert erreicht. Die Gehzeit von der Kreuzung mit dem Schild „Camí de Mun­tanya" hat rund 45 Minuten betragen.

Weiter geht es auf der leicht abschüssigen schmalen Fahrbahn immer geradeaus. Der Wanderer hat nun bei klarer Sicht einen beeindruckenden Ausblick auf die Küstenlandschaft Marina de Llucmajor und das Meer. Er passiert die Fincas Ca'n Paulino und Las Ocas und einige große Felder, die mit Mandel-, Johannisbrot- und ­Feigenbäumen bepflanzt sind.

Auf diesem Abschnitt mit seiner fast ursprünglichen Landschaft bekommt man einen vagen Eindruck davon, warum die mit rund 327 Quadratkilometern heute flächenmäßig größte Gemeinde Mallorcas einst von der Land- und Viehwirtschaft lebte. So wurde im 14. und 15. Jahrhundert Schafskäse aus Llucmajor sogar nach València, Barcelona, Algier, Neapel und Genua exportiert. Noch in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts waren fast 70 Prozent des Gemeindegebiets Nutzflächen für den Anbau von Getreide und Mandeln.

Schließlich erreicht der Wanderer rund eine Viertelstunde nach dem Passieren der Anwesen Ca'n Tortuga und Ca'n Albert eine Kreuzung, bei der links dem Schild „Ruta Cicloturística de Llucmajor, Camí de Son Mendívil" zu folgen ist. Auf diesem Weg ist jetzt links der Puig de ses Bruixes mit seinen imposanten, zerfurchten Steilwänden sehr schön zu sehen.

Auf der rechten Seite kommt man dann am Camp de sa Batalla vorbei, das sich in Richtung Meer ausdehnt. Auf dem „Schlachtfeld" fand im Jahr 1349 der Kampf zwischen den Truppen von Mallorcas König Jaume III. und von Pere IV., dem König von Aragón, statt. Die heftige Schlacht endete mit der Niederlage von Jaume III. und mit seinem Tod. Durch den Sieg seines Schwagers Pere IV. wurde das selbststän­dige Königreich Mallorca endgültig vom ­Königreich Aragón unterworfen.

Schließlich wird rund 25 Minuten nach dem Abzweig bei dem Camí de Son Mendívil die Plaça de Fra Jeroni Boscana erreicht, bei der sich ein Kreisel und die Mühle Molí d'en Monja befinden. Hier folgt man rechts dem Schild „Centre", wandert auf einem Gehweg neben der Ronda de Ponent immer geradeaus weiter und gelangt nach rund 20 Minuten zu einem weiteren Kreisel, bei dem links auf die Ronda de Migjorn eingebogen wird. Auf einem Fußgängerweg wird dann nach rund fünf Minuten an der Ecke des Carrer Bisbe Roig die Haltestelle der Busse nach Palma erreicht.

Weitere Informationen:
Wegstrecke: 9 km
Nettogehzeit: rund 2 Stunden und 15 Minuten
Höhenunterschied: ·/·
Schwierigkeitsgrad: **

Anfahrt von Palma: Vom Busbahnhof an der Plaça d'Espanya mit den Bussen L 401, L 402 und L 403 nach Algaida. Rückfahrt von Llucmajor nach Palma mit den Bussen L 501 und L 502, Haltestelle Ronda de Migjorn, Ecke C/. Bisbe Roig. Abfahrtszeiten: www.tib.org
Tourencharakter: leichte Wanderung auf Asphalt
Ausrüstung: Sportschuhe, Wasser, ­Proviant
Anmerkung: In Corona-Zeiten sollte auch bei Wanderungen ein Abstand von zwei Metern eingehalten werden. Das Mitführen einer Maske für den Bedarfsfall ist zu empfehlen.
Einkehr: Die Bars sind in den Außen- und Innenräumen mit einem Teil der zugelassenen Kapazität geöffnet.

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