08. Mai 2008
08.05.2008

Sóller feiert: Wenn die Piraten landen

15.05.2008 | 02:00
Durstiger Pirat kurz vor seiner Niederlage.

Die Aufmerksamkeit war dem Städtchen Sóller wieder sicher: Beim traditionellen Fest der "Moros y Cristianos" versetzt sich der Ort in einen Feierrausch - und halb Mallorca ist dabei. Historischer Hintergrund ist der Sieg über die Mauren vor mehr als 400 Jahren. Am 11. Mai 1561 waren türkische Piraten angerückt, die in Sóller Häuser plündern und die Bevölkerung versklaven wollten. Die erfolgreiche Verteidigung des Orts spielen die Bürger als Mauren, Bauern und Bäuerinnen  alljährlich nach.

Los geht es nachmittags mit der Landung der Piraten in Port de Sóller. Von dort aus ziehen sich die Kämpfe bis ins Zentrum von Sóller (einzelne Schauplätze, siehe Kasten) wo die Sóllerics die Angreifer schließlich besiegen. Nachdem der offizielle Teil mit dem gemeinsamen Singen der mallorquinischen Hymne ausgeklungen ist, wird auf den Straßen zur Musik von DJs weitergefeiert.

Das ausgelassene Treiben rund um das Historien-Spektakel lockt jedes Jahr tausende Besucher an. Für die Sóllerics selbst ist es Firó, wie der Tag auf Mallorquinisch genannt wird, ein absolutes Muss und zieht Alteingesessene und Zugezogene gleichermaßen in seinen Bann. ?Ich arbeite in Palma und habe mir dafür Urlaub genommen. Das kann ich mir nicht entgehen lassen", sagt Mónica López, eine Argentinierin, die seit einigen Jahren in Sóller lebt. In Sóller selbst ist der Tag sowieso arbeitsfreier Feiertag. Wer nicht selbst an den Schaukämpfen teilnimmt, schlüpft auch zum Mitfeiern in die typische farbenfrohe Kleidung der moros (Mauren), payeses (Bauern) und payesas (Bäuerinnen) oder setzt sich zumindest einen Strohhut auf. ?Es ist kein Fest, wo man an der Seite steht und zusieht. Hier ist man mittendrin im Getümmel", sagt Maria Paz Rullán, die in der Stadtverwaltung die Feierlichkeiten mitvorbereitet.


Weil sowieso jeder mitmachen kann, sei der öffentliche Streit, der in diesem Jahr im Vorfeld des Festes entstanden sei, eher unbedeutend, meint Mónica López. Fünf junge Frauen wollten auf der Seite der offiziellen Mauren kämpfen, wurden aber von Bürgermeister Guillem Bernat (UM) wegen der historischen Unkorrektheit nicht zugelassen. Bei dem Überfall 1561 sei Sóller schließlich nur von Männern angegriffen worden. Dabei spielen Frauen seit jeher eine Hauptrolle bei den ?Moros y Cristianos". Der Legende nach erschlugen zwei Schwestern, die Valentes Dones (Mutige Damen), in ihr Haus eindringende Mauren mit einem großen Türriegel. Zwei Frauen der payesas stellen sie jedes Jahr nach.


Bereits die Festtage vor der finalen Gaudi am Montag sind in Sóller prall gefüllt. Am Sonntag ist großer Markt mit Kunsthandwerk, Auto- und Viehausstellung. Höhepunkt für die Jugend soll am Freitagabend das Konzert der überaus erfolgreichen mallorquinischen Band Antònia Font vor dem Rathaus werden.


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