09. Juli 2009
09.07.2009

80 Jahre Stierkampfarena: Hier landet Gottschalk auf Mallorca

16.04.2009 | 02:00
Palmas Stierkampfarena kurz nach ihrer Fertigstellung 1929.

Es sind bizarre Szenen, die sich an diesem Donnerstagnachmittag in der Plaza de Toros auf Mallorca abspielen, und sie wären es sicher wert gewesen, dafür Eintritt zu bezahlen. Francesca zieht euphorisch ihren roten Pullover aus und wedelt damit aufreizend vor ihrem Giovanni herum. "Toro, toro," feuert die Italienerin ihr Gegenüber an und hält sich das leuchtende Provisorium provokant vor ihre üppige Hüfte. Aber der Rentner aus Mailand möchte seiner Angetrauten heute offensichtlich nicht den Stier machen. Gelangweilt dreht er sich ab und wendet sich anderen Mitgliedern der Reisegruppe zu.

Mike hat da mehr Glück. Irgendwoher hat er ein einrädriges Gefährt aufgetrieben, das er, einer Schubkarre gleich, durch die Arena schiebt. Am vorderen Ende des ungewöhnlichen Vehikels befinden sich die zwei mächtigen Hörner eines Stieres. Stampfend wird der 23-Jährige samt seiner rudimentären Stierattrappe von seiner Verlobten für die Freunde in Amerika digital verewigt. 44,5 Meter Durchmesser hat das Rund der Arena, und Mike scheint bei seiner Ehrenrunde jeden Meter davon auszukosten.

Jeden Donnerstagnachmittag ab 15 Uhr ist die auch Coliseo Balear genannte Arena für alle Besucher geöffnet. Den Schlüssel haben die Inhaber des gegenüberliegenden Juweliergeschäfts Antonio, die auch an anderen Tagen Busladungen voller Urlauber durch die im Keller befindliche Perlenfabrik schleusen, um sie dann in die Stierkampfarena vorzulassen. Wer aber auf Halskettchen verzichten kann, spaziert am besten donnerstags auf eigene Faust durch die imposanten Gemäuer. Besonders spektakulär ist der Blick hinter die Stierkampfkulissen an sonnigen Nachmittagen, wenn sich das Licht seinen Weg durch die Arkaden und Gewölbe bahnt und lange Schatten wirft. Stiere sind hier freilich nicht zu sehen.

Die Stierkampfleidenschaft in Palma ist schon lange nicht mehr die, die sie einmal war. Nur noch fünf- bis sechsmal im Jahr blicken die Toreros hier den um die 500 Kilo schweren Kampfstieren in die Augen. Immer im Sommer, damit auch Spaniens König Juan Carlos in seinem Mallorca-Urlaub an dem Spektakel teilnehmen kann. Längst hat es auch keine Bedeutung mehr, ob man die Eintrittskarten für die corridas an dem mit sombra (Schatten) oder dem mit sol (Sonne) beschilderten Kassenhäuschen erwirbt, denn die Kämpfe finden ganz unorthodox nach Sonnenuntergang statt.

Seit der ersten corrida vor mehr als 80 Jahren haben sich die Besitzverhältnisse mehr als ein halbes Dutzend Mal geändert. Seit 1956 gehört das Coliseo Balear der Gesellschaft ?Exclusivas Balaña" mit Sitz in Barcelona.

Und die setzt schon seit Jahren auf unblutigere Spektakel. Vor allem aus Sport, Kultur und Showbusiness. Superstars geben sich hier zwar selten die Klinke in die Hand. Aber mindestens ein oder zwei Topevents pro Jahr finden statt. Joe Cocker trat in der Arena ebenso auf wie die Scorpions, Mike Oldfield oder Simply Red. Als einzige Plaza de Toros in der Welt, so ein Sprecher von ?Exclusivas Balaña", habe man auch ein ATP-Tennisturnier ausgerichtet.

Zu den treueren Kunden gehört unter anderen Thomas Gottschalk. Am 13. Juni wird zum dritten Mal die Sendung ?Wetten, dass..?" live aus Palma ausgestrahlt werden. Um weiter für Veranstaltungen jedweder Art attraktiv zu sein, betont man bei ?Exclusivas Balaña", seien Wartungs- und kleinere Umbauarbeiten unvermeidlich. Die Entfernung der Holzbänke im oberen Bereich stieß jüngst auf Kritik seitens der Denkmalschutzgruppe Arca. Wie deren Sprecher Javier Terrassa erklärt, könnten die Besitzer nicht machen, was sie wollen. Auch kleine Bauarbeiten seien genehmigungspflichtig, zumal die Plaza de Toros auf der Denkmalschutzliste der Stadt Palma ganz oben stehe. Arca habe diesbezüglich Anzeige erstattet. ?Viel Aufregung für ein paar entsorgte Latten", versucht hingegen ?Exclusivas Balaña" zu beschwichtigen.

Die Stierkampfarena und das Juweliergeschäft (Tel.: 971-29 58 00) befinden sich in der Avenida del Arquitecto Gaspar Bennazar in Palma.

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