20. August 2009
20.08.2009
40 Años

Sprachenstreit: „Mallorca ist so ähnlich wie Korsika?

27.05.2009 | 17:15
„Wenn man auf Mallorca lebt, sollte man Katalanisch lernen": S. Herling.

Die Romanistin Sandra Herling erforscht seit mehreren Jahren den Sprachkonflikt auf den Balearen. Die 38-Jährige gehört damit zu den wenigen deutschen Wissenschaftlern, die sich intensiv mit dem Katalanischen beschäftigen. In ihrer Dissertation untersuchte die Soziolinguistin den Umgang mit dem Katalanischen und dem Kastilischen auf den Inseln. Derzeit arbeitet die Dozentin an der Universität Siegen an einem Aufsatz zur Reaktion der deutschen Residenten und Touristen auf die Katalanisch-Politik.

Frau Herling, der Sprachkonflikt auf Mallorca zeigt sich momentan wieder deutlich. Nach der Bildung einer Menschenkette für mehr Katalanisch will am Samstag (30.5.) die Gegenseite demonstrieren. Weckt die gespannte Lage das Interesse der Wissenschaft?

Ich finde es sehr spannend zu ­sehen, wenn sich Sprecher für ihre Sprache wirklich einsetzen und die Sprache Symbolcharakter für die eigene und die kollektive Identität bekommt. Mich hat am Katalanischen immer fasziniert, dass es eine Sprache ist, die jahrhundertelang unterdrückt wurde und es die Sprecher dennoch geschafft haben, diese Sprache zu erhalten und in allen gesellschaftlichen Bereichen durchzusetzen. Auch im Vergleich zu den anderen Regionalsprachen Spaniens hat das Katalanische in dieser Hinsicht die größten Fortschritte gemacht.

Ist ´Normalisierung´ der passende Begriff für die Förderung des Katalanischen?

Der Begriff entstand bereits in den 60er Jahren noch während der Franco-Diktatur und hat sich auch in der Soziolinguistik durchgesetzt. Aber natürlich ist die Definition von ´normal´ unterschiedlich. In Katalonien ist normal, dass alles auf Katalanisch funktioniert, auf den Balearen, je nachdem was man für eine Regierung hat, herrscht entweder das Katalanisch vor oder es verhält sich fifty-fifty.

Gibt es ähnliche Fälle von Sprachkonflikten wie auf Mallorca?
Ich sehe Parallelen zu Korsika, ebenfalls eine Mittelmeerinsel. Auch die Korsen bestehen darauf, dass ihr Korsisch, das eigentlich nichts anderes als ein italienischer Dialekt ist, als eine eigenständige Sprache (neben dem Französischen) gefördert wird. Dewegen wird das Korsische jetzt als eigenständige Sprache normiert. Auch auf Mallorca sehen viele Mallorquinisch als ihre Sprache, nicht das Katalanische.

Hätte man also auch den mallorquinischen Dialekt als weitere Sprache neben dem Katalanischen etablieren können?
Ja, das funktioniert immer. Die Voraussetzung ist, dass die Sprecher das wollen. Da müssen sich welche finden, die die Sprachnorm festlegen, oft sind das Lehrer und Linguisten. Dann muss natürlich Geld dafür da sein, und die Politik muss mitmachen. Auf den Balearen ist es aber so, dass die Regierung eher die Verbindung zu den anderen katalanischsprachigen Regionen stärken will. Einige Besonderheiten des Mallorquinischen sind ja trotzdem offiziell anerkannt, ähnlich wie beim österreichischen Deutsch.

Was halten Sie von den Versuchen der Sprachpolitiker, die Ausländer auf Mallorca für das Katalanische zu gewinnen?
Ich finde solche Sensibilisierungskampagnen gut. Wie viel Erfolg das hat, müsste man in Zukunft untersuchen.

Nach der festen Verankerung im Bildungswesen wird derzeit versucht, das Katalanische in weiteren Bereichen der Gesellschaft zu fördern, wie Wirtschaft, Sport und Medien. Kann das Ziel, Katalanisch zur Mehrheitssprache zu machen, so erreicht werden?
Die Politik kann das versuchen, letztendlich aber entscheidet die Bevölkerung. Wichtig ist, dass ein Großteil der Menschen diesen Prozess unterstützt. In Katalonien ist das der Fall, deswegen ist die Sprache dort so präsent. Entscheidend ist auch, wie die Sprache in den Medien, vor allem im Internet, vertreten ist. Das gibt ein Signal dafür, ob Katalanisch als wichtig und nützlich erachtet wird.

Wo liegen die Unterschiede zwischen den Balearischen Inseln?
Auf Menorca wird am meisten Katalanisch verwendet, Mallorca liegt so in der Mitte, Ibiza und Formentera sind sehr kastilisch geprägt. Das liegt daran, dass Menorca nicht so sehr vom Tourismus ergriffen wurde, Ibiza und Formentera schon. Dorthin wie eben nach Mallorca kamen auch viele Arbeiter vom spanischen Festand.

Sollte man als Deutscher auf Mallorca Katalanisch beherrschen?
Wenn man dort lebt und sich integrieren möchte, halte ich das schon für notwendig. Viele Touristen aber wissen gar nichts von der Sprache. In Reiseführern ist oft nur die Rede von einem Dialekt. Zudem läuft in Hotels die Kommunikation fast nur auf Spanisch. Nur die Namen von Unterkünften sind oft auf Mallorquinisch, wie eine Art folkloristisches Zeichen.

In der Printausgabe lesen Sie außerdem
- Sprachenstreit I: Die Stunde der Spanisch-Verfechter
- Den Grenzlinien auf der Spur: Die Detektivarbeit der Küstenbehörde
- Hoteliers wehren sich gegen Bauarbeiten in der Hochsaison
- Serie: Krise? – Ohne uns! –
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- Schuldspruch für deutschen Rentner im Mordfall Büchler

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