01. Oktober 2009
01.10.2009

Hauptgegner Klimaanlage: Das Kraftwerk Cas Tresorer und die Mallorca-Hitze

01.07.2009 | 19:19
Wenn es heiß wird, ist das Heizkraftwerk Cas Tresorer besonders gefragt.

Das Dröhnen der Turbine übertönt jedes Gespräch. „Das ist hier so ein bisschen wie beim Flugzeug, nur größer", schreit Vicente Ruiz, Verantwortlicher für den Betrieb des Kraftwerks Cas Tresorer. Dabei läuft die Anlage in der Nähe des Ikea-Möbelhauses an diesem Freitag (26.6.) gar nicht mit ganzer Kraft. Das heißt, es fließen weniger als die sonst an einem Sommertag üblichen rund 700.000 Liter Heizöl durch die Rohre, um die Turbinen anzutreiben, wie Ruiz schreiend erklärt.

Der Grund: Es stehen Wartungsarbeiten an. Denn alle Maschinen müssen einwandfrei funktionieren, wenn im Juli und August auf ganz Mallorca die Klimaanlagen auf Hochtouren laufen. In einer der zwei Turbinen der Anlage wird der Kompressor gereinigt, sie bleibt sechs Stunden ausgeschaltet. Das ist erforderlich, weil trotz der Filter Staub und Saharasand der Anlage zu schaffen machen können. Und auch die angekoppelte Dampfturbine steht heute still.

Der Energieverbrauch Mallorcas schwankt je nach Jahreszeit erheblich: Im Sommer ist er doppelt so hoch wie im Frühjahr oder Herbst – diese Spitzenwerte werden auch im Winter nicht erreicht, wenn die Radiatoren und Wärmestrahler ans Netz gehen. „Welcher Tourist würde im Hochsommer schon in einem Hotel ohne Klimaanlage einchecken?", fragt Ruiz. Die bisherige Rekordleistung auf den Balearen wurde am 6. August 2008 mit 1.216 Megawatt erreicht.

Cas Tresorer schöpft das volle Potenzial erst aus, wenn auch die Dampfturbine in Betrieb geht. Dann steigt der Wirkungsgrad von 33 auf rund 50 Prozent, wie Ruiz erklärt. Denn die Dampfturbine wird mit den heißen Abgasen der konventionellen Turbinen betrieben. Diese sind eigentlich für den Betrieb mit Erdgas ausgelegt. Doch weil dieses voraussichtlich erst Ende des Jahres per Pipeline auch Mallorca erreicht, wird weiterhin Heizöl per Tankschiff gebracht.

Die erst drei Jahre alte Anlage wird schon bald doppelt so groß sein. Neben den zwei bisherigen Schornsteinen, die von der Flughafen-Autobahn aus zu sehen sind, blinken nachts bereits zwei weitere. Die baugleichen Zwillingsturbinen sollen nun nach und nach in Betrieb gehen: Die erste im Juli, pünktlich zur Klimaanlagen-Hochzeit, die zweite Ende August, und die angeschlossene Dampfturbine im Frühjahr 2010. „So wie der Verbrauch bislang gestiegen ist, hätten wir fast jedes Jahr neue Anlagen in Betrieb nehmen können", sagt Ruiz.

Doch dieses Jahr ist das anders. „Wir liegen rund zwei Prozent unter dem Verbrauch des vergangenen Jahres", sagt Antoni Cantarellas, Direktor des Kraftwerks. Im Gegensatz zum spanischen Festland, wo der Verbrauch im Mai um 8,4 Prozent eingebrochen ist, sei dies jedoch auf der Insel kaum auf die Wirtschaftskrise zurückzuführen – die Industrie spielt auf Mallorca keine große Rolle, es sei einfach bislang noch nicht so heiß geworden. „Die Klimaanlagen sind unsere größte Herausforderung", sagt Cantarellas, betont aber, dass im Gegensatz zu früheren Jahren genügend Reserve in den Kraftwerken vorhanden sei.

Cas Tresorer liefert zwar bislang nur 20 Prozent der auf Mallorca benötigten Energie – im Gegensatz zur Verbrennungsanlage Son Reus mit 30 Prozent und dem Heizkraftwerk Es Murterar bei Alcúdia mit 50 Prozent. Dafür kann Cas Tresorer aber als modernste Anlage flexibel dazugeschaltet werden. In der vergleichsweise alten Anlage in Alcúdia dagegen muss Tag und Nacht mit Afrika-Kohle kontinuierlich nachgefeuert werden.

Solange das geplante Stromkabel zum Festland noch auf sich warten lässt, ist das Stromnetz auf Mallorca eine sensible Angelegenheit. Die Kabel verbinden lediglich Mallorca und Menorca, das Stromnetz Ibiza-Formentera ist ebenfalls isoliert. Bei einem Ausfall wie zuletzt im November 2008 können deswegen keine Kraftwerke vom spanischen Festland einspringen.

Ins Schwitzen kommen übrigens nur wenige in Cas Tresorer: Um die Anlage zu steuern, sind nur drei Techniker gleichzeitig erforderlich, die Teams wechseln sich im Dreischichtbetrieb ab. Der gesamte Ablauf wird per Mausklick in einer fast menschenleeren Zentrale gesteuert. Hinzu kommen 15 Mitarbeiter für die Wartung. Und auch für die Maschinen ist gesorgt. Damit ihnen nicht zu heiß wird, laufen neben den täglich 700.000 Liter Heizöl genauso viele Liter Wasser zur Kühlung durch die Rohre.

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