24. Juni 2010
24.06.2010
40 Años

Ersatzausweise bringen Konsulat auf Mallorca in Bedrängnis

Kein Flug ohne gültige Papiere: Verschärfte Sicherheitsvorschrift lässt Zahl der Anträge in die Höhe schießen. Die Konsulatsmitarbeiter kommen zu nichts anderem mehr

24.06.2010 | 03:00
Hier braucht Miriam (5) einen Ersatzausweis.

Die Mitarbeiter im deutschen Konsulat in Palma stöhnen unter wachsender Arbeitslast. Hauptgrund für ihren Stress: die Ausstellung von Ersatzausweisen. Seit zu Beginn des Jahres die Sicherheitsvorschriften an spanischen Flughäfen verschärft wurden, kann nicht mehr ohne ein Ausweisdokument geflogen werden. Wem Pass oder Ausweis gestohlen wurden oder wer sie verloren hat, muss sich nun von der deutschen Vertretung ein Ersatzdokument ausstellen lassen.

Ohne Ausweis kommt niemand mehr an Bord. „Vorher reichte die Diebstahlsanzeige bei der Polizei, dann wurde man von vielen Fluggesellschaften mitgenommen. Oder man zeigte den Führerschein oder im Fall von Residenten die tarjeta de residencia vor", erklärt Konsul Wolfgang Wiesner. All das wird jetzt nicht mehr akzeptiert, nur der deutsche Personalausweis oder Reisepass gelten.

Das bedeutet viel zusätzliche Arbeit für das personell ohnehin nicht üppig ausgestattete deutsche Konsulat. Seit Februar gab die Behörde bereits rund 500 sogenannte „Reiseausweise als Passersatz" aus. „Wir kommen zu nichts anderem mehr. Und jetzt zur Hochsaison erwarten wir noch einmal einen kräftigen Anstieg", sagt Konsul Wiesner. Mit der Menge der Urlauber steigt auch die Zahl der Diebstahlsopfer.

„Allein am vergangenen Montag mussten wir uns um 26 Ersatzausweise kümmern. Das war der bisherige Spitzentag." Jeder Fall nimmt mindestens eine halbe Stunde in Anspruch. Um die zusätzliche Arbeit bewältigen zu können, hat Wiesner für den Sommer zwei Aushilfskräfte eingestellt. Mehr habe das Auswärtige Amt nicht bewilligt.

Eine Anweisung des Außenministeriums hat die Ausstellung der Ausweise zudem komplizierter gemacht. Früher reichte die eidesstattliche Versicherung eines Begleiters zur Identität. Nun ist eine Identitätsüberprüfung mit der Behörde in Deutschland, die den letzten Ausweis ausgestellt hat, notwendig.

Diese muss dann eine Kopie des letzten Ausweisantrags inklusive Lichtbild nach Palma faxen. Das bringt viele Probleme mit sich. „Viele Leute wissen erst mal gar nicht, in welcher Stadt ihr letzter Ausweis ausgestellt worden ist. Die Leute überlegen dann, war das noch in Wanne-Eickel oder schon in Dormagen? Dann dürfen Behörden in Deutschland zum Teil gar nicht ins Ausland faxen. Andere haben sehr eingeschränkte Öffnungszeiten", berichtet Wiesner.

So sei etwa das Bürgeramt Lübeck an einem Mittwoch überhaupt nicht erreichbar gewesen. Üblicherweise zieht sich die Bearbeitung eines Ersatzausweises über ein bis zwei Tage hin, doch wenn die Behörden in Deutschland nicht arbeiten, wie etwa am Wochenende („Freitag um 12 Uhr ist die letzte Chance"), dauert es länger. In mehreren Fällen mussten Betroffene deswegen schon ihren Rückflug umbuchen und ihren Aufenthalt auf Mallorca verlängern. „Ich stelle mir das besonders schmerzhaft für eine Familie mit Kindern vor. In der Hochsaison kann das ins Geld gehen", sagt Wiesner.

Etwa 95 Prozent der Deutschen, die vom Konsulat einen Ersatzausweis benötigen, sind bestohlen worden. Nur ein kleiner Teil hat die Papiere verloren. Brennpunkte der Kleinkriminalität sind laut Wiesner die Vergnügungsmeilen an der Playa de Palma, die vom Zentrum in das Urlaubsgebiet führende Buslinie Nummer 15 sowie die Mietwagenabholung am Flughafen. „Ich schätze, dass allein dort, in der Schlange am Schalter und im Parkhochhaus, wo die Autos abgeholt werden, 60 Prozent der Diebstähle passieren."

Nach einem Hinweis Wiesners will die Ortspolizei nun die im Parkhaus tätigen Mitarbeiter zur besseren Erkennbarkeit mit speziellen Westen ausstatten. Personen, die dort sonst nichts zu suchen haben, sollen dadurch besser identifiziert werden können. Außerdem soll demnächst ein zweisprachiges Diebstahlsprotokoll bei den Polizei-Dienststellen verfügbar sein, um deutschen Urlaubern die Anzeigen zu erleichtern. Wiesner fordert außerdem die Reise­veranstalter auf, Urlauber darauf hinzuweisen, ihre Ausweise im Hotel-Safe zu lassen und nur Kopien bei sich zu tragen.

Ausweg weg, was dann?

Wem Pass oder Ausweis gestohlen wurde oder wer sie verloren hat, muss sich bei der Polizei melden und Anzeige (denuncia) erstatten. Zur Ausstellung eines Ersatzausweises muss im Konsulat (Tel.: 971-70 77 37) das Polizeiprotokoll vorgelegt werden. Ein Ersatzausweis kann nur ausgestellt werden, wenn die Identität zweifelsfrei feststellbar ist. Dies ist nur möglich, wenn eine beglaubigte Ausweiskopie oder ein abgelaufener Ausweis oder Pass vorgelegt werden können. Wenn diese Dokumente nicht vorhanden sind (was meist der Fall ist), muss die Identität mit der zuständigen Kommune in Deutschland überprüft werden. Deswegen kann ein Ersatzausweis frühestens am folgenden Werktag ausgestellt werden. Neben dem Polizeiprotokoll muss auch ein Passfoto vorgelegt werden. Die Ausstellung des Dokuments kostet 21 Euro (außerhalb der Dienstzeiten 29 Euro). Die Identitätsüberprüfung kostet zusätzlich vier Euro. Weitere Infos gibt es auf www.palma.diplo.de unter „Hilfe in Notfällen".

In der Printausgabe vom 24. Juni (Nummer 529) lesen Sie außerdem im Ressort Mallorca:

- TUI-Präsentation: Mallorca schwächelt, die Konkurrenz holt auf
- Unmut hinter Kirchenmauern: Mallorcas Klerus probt den Aufstand
- Spanienweite Studie: Starke Defizite bei Mallorcas Grundschülern
- Wasserqualität: Braune Brühe an der Playa de Palma
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