21. Oktober 2010
21.10.2010
40 Años

Auf Mallorca macht's die Milch schon lange nicht mehr

Nur 12 Prozent der auf Mallorca konsumierten Milch stammen von Insel-Kühen. Die wenigen noch verbliebenen Betriebe machen Verluste. Auch die Käsehersteller werden immer weniger

22.07.2010 | 10:49
Miguel Vanrell ist mit Herz und Seele Milchbauer. Rentabel sei sein Hof aber nicht mehr, sagt er.

Miguel Vanrell ist Milchbauer mit Herz und Seele. Der Landwirt vom Hof Son Sea zwischen Campos und Sa Ràpita kann sich keinen anderen Beruf vorstellen. „Das ist mein Problem", sagt der 47-Jährige. Dutzende Siegerpokale von Kuh-Leistungsschauen stehen in seinem Büro mit Blick auf die Melkmaschinen. Doch der Landwirt befürchtet, seinen Hof aufgeben zu müssen, so wie bereits viele Milchbauern vor ihm. Denn der vom internationalen Markt mit seinen Milchüberschüssen produzierte Preisdruck wird ähnlich wie in Deutschland auch auf der Insel immer stärker. „Wir bekommen derzeit 28 Cent pro Liter Milch. Einen Liter zu produzieren, kostet aber 33 Cent", sagt Vanrell. Seit über einem Jahr mache er nur noch Verluste.

Dabei ist der Niedergang der Milchwirtschaft schon länger im Gange. „Im Jahr 1997 gab es noch 170 Milchbauern auf Mallorca, heute sind es noch 33 oder 34", sagt Vanrell, der auch Vorsitzender der Milcherzeuger-Vereinigung Frisona ist. In den 60er Jahren seien es allein in Campos, dem Zentrum des traditionell von der Milchwirtschaft geprägten Südens, noch 200 Betriebe gewesen, freilich mit nur 4 bis 20 Kühen.

Heute haben die Milchbauern, wie Vanrell, eher um die 200 Kühe. In einem von allen Seiten offenen Stall fressen die schwarz-weiß Gefleckten ihr Heu. Jede von ihnen produziert 9.000 Liter Milch pro Jahr. Ihr Futter stammt hauptsächlich von den 180 Hek­tar Land, die Vanrell ebenfalls bewirtschaftet. „Wir sind die Gärtner Mallorcas", sagt er. „Wenn wir aufhören, wird es nicht mehr so hübsch aussehen. Dann wachsen die Felder mit Unkraut zu, zum Teil ist das doch jetzt schon so." Und Vanrell hat noch düstere Zukunftsvisionen als eine verwilderte Landschaft im Angebot. „Was passiert, wenn es im Hafen mal einen Streik gibt? Dann könnte die Insel ohne einen Tropfen Milch dastehen." Schon heute stammen nur 12 Prozent der auf Mallorca konsumierten Milch und Milchprodukte von Kühen der Insel.

Ebenso desolat ist die Lage bei den Käseherstellern Mallorcas. Obwohl unter ihnen mit Prilac in Porreres sogar eine Neugründung aus dem Jahr 2002 ist, geht die Zahl der industriell arbeitenden Unternehmen zurück. Nach der Einstellung der Käseproduktion bei Ca´n Montes in Llucmajor vor rund drei Jahren hat nun auch das seit 1942 bestehende Unternehmen Formatges Campos (Marke Piris) die Schließung der Fabrik im Herbst angekündigt. Rund 25 Mitarbeiter verlieren dort ihren Job.

Neben dem zur Gruppe Fontanet gehörenden Unternehmen Prilac, wo rund 20 Mitarbeiter neben Käse auch Joghurt, Kefir und Eis produzieren, bleibt dann künftig nur noch ein weiterer großer Käsehersteller auf der Insel: Quesos Grimalt in Es Llombards. Daneben gibt es nur noch kleinere Käsereien wie Burguera in Campos und Sa Talaya in Llucmajor. Milchprodukte gibt es außerdem von Agama in Palma.

Auch bei Quesos Grimalt könnten die Geschäfte besser laufen. „Wir haben ein kompliziertes Jahr. Die Verkäufe sind etwas zurückgegangen und manche Zahlungen bleiben aus", sagt Firmen-Chef Antonio Vidal. Doch um ihre Jobs müssen die rund 22 Mitarbeiter derzeit nicht fürchten. Schwierig könnte es allerdings werden, wenn Vanrells Prognosen wahr werden und nicht mehr genügend Milch für die Käseherstellung auf Mallorca produziert wird. Dann kämen weitere Kosten für den Transport dazu.

Derzeit verarbeitet Grimalt, wie auch Prilac, ausschließlich Milch von der Insel. Bevor der Käse in den Supermärkten Mallorcas zum Verkauf angeboten wird, lagert er rund 40 Tage auf Holzregalen. „Das ist wichtig für den Geschmack." Grimalts Edel-Käse, der sechs Monate gereifte Reserva, wird sogar statt in mit einem Tuch ausgelegten Plastikschalen „wie vor 100 Jahren" mit der Hand mit einem Tuch geformt und anschließend, wie auch der Frischkäse, mit alten Holzpressen und einem Stein als Gewicht behandelt.

In der Printausgabe (Nr. 533 vom 22.7.2010) lesen Sie außerdem:
- Skandal um Ibatur: Früherer Leiter des Tourismusbüros in Haft
- Wasser-Desaster in Llucmajor hat ein Nachspiel
- Offensive gegen die Yachtsteuer: Rechtssicherheit gefordert
- Mit Dudelsack und Afrika-Trommel: Integration in Arenal

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