09. Dezember 2010
09.12.2010
40 Años

Kreditkartenbetrug auf Mallorca: Rätsel um den PIN-Code

Auf Mallorca häufen sich die Fälle, in denen Betrüger mit gestohlenen Kreditkarten Geld abheben – offenbar auch ohne Kenntnis der Geheimzahl

16.09.2010 | 03:00
Zum Geldabheben braucht es eigentlich eine Geheimzahl. Eigentlich.

Es dauerte nur rund eine Stunde, bis die gestohlenen Kreditkarten bis an ihr Limit belastet waren. Unbekannte hatten Christel Dymke und ihren Lebensgefährten im Parkhaus von Palmas Flughafen bestohlen. Während die Deutschen Anzeige erstatteten und vergeblich nach einer Hotline zum Sperren der Karten fragten, wurde an Bankautomaten in der Umgebung ihr Geld abgehoben – insgesamt 3.000 Euro, ein Schaden, auf dem Dymke voraussichtlich sitzen bleibt. Argument der Banken: Das Abheben sei nur mit PIN-Nummer möglich, und wenn diese in die Hände von Dieben gelange, sei der Kartenbesitzer zu nachlässig gewesen.

Doch die Anwältin versichert, dass die Geheimzahl gar nicht im Spiel war. Sie habe die Benachrichtigung über die PIN sofort nach Erhalt der Karte vernichtet. Weder habe sie die Nummer auf einem Zettel notiert und bei sich getragen, noch in dem ebenfalls gestohlenen Handy gespeichert gehabt. Auch, dass zuvor die PIN beim Geldziehen bei einer Bank ausgespäht worden sein könnte, schließt sie aus. „Mit diesen Karten wurde nie Bargeld am Automaten abgehoben", so Dymke, „ich benutze sie nur zum Einkaufen oder für Flug- und Hotelrechnungen." Die PIN sei nur bei Online-Käufen benutzt worden, nie aber im Laden.

Der MZ liegen mehrere Fälle vor, bei denen Kreditkarten gestohlen und in kürzester Zeit belastet wurden – ohne dass klar ist, wie die Betrüger an die PIN-Nummer kamen. Alle Betroffenen versichern, den vierstelligen Code nicht bei sich getragen zu haben.

Die Ermittlungen der Banken verlaufen im Sande. „Das Ergebnis war, dass die Nutzung der Mastercard durch die Diebe an drei verschiedenen Banken ohne Überwachungskamera erfolgte", berichtet etwa Karin Vorwerk, die in einem Supermarkt in Andratx bestohlen wurde. „Eine Erstattung wird mit dem Hinweis abgelehnt, dass ohne eine PIN-Nummer keine Bargeldabhebung möglich ist." Mit der Sache beschäftigt sich inzwischen ein Anwalt, um eine Klage zu prüfen.

Weder beim Zentralen Kreditausschuss in Deutschland noch bei den Kreditkartenorganisationen, die die Lizenzen für die Kartenausgabe und Abrechnung vergeben, will man etwas von einer neuen Betrugsmethode wissen. Derartige Fälle auf Mallorca seien nicht bekannt, so Mastercard-Sprecher Thorsten Klein. Es sei technisch überhaupt nicht möglich, aus den per sogenanntem Triple-DES-Verfahren verschlüsselten Karten eine PIN-Zahl herauszulesen. Oft stelle sich heraus, dass in Betrugsfällen stattdessen die Geheimzahl beim zuvorigen Geldabheben ausgespäht worden sei oder diese durch Unachtsamkeit in die Hände der Betrüger gelangte.

Ähnlich fällt die Antwort beim Unternehmen Visa aus: „Solche Fälle sind uns noch nicht bekannt", so Sprecherin Daniela Zdunek. „Auch von der technischen Seite und von der Abwicklung her sind die Vorfälle bei Ihren Lesern nicht erklärbar."

Wie es aber offenbar auch ohne PIN geht, haben jetzt Wissenschaftler der Universität Cam-bridge bei einer Demonstration für das ARD-Magazin „Report München" in der vergangenen Woche gezeigt. Durch Vorrichtungen, mit denen die Kommunikation zwischen Kartenleser und Karte manipuliert wird, konnten sie jede beliebige vierstellige Zahl zum Zahlen benutzen. „PIN verified", steht auf der Quittung. Die Systeme seien hoch entwickelt und komplex, könnten aber von den Banken nicht ausreichend kontrolliert werden, kritisierte ein Experte in dem Beitrag.

Der Trick klappte beim Zahlen mit der Karte an der Kasse – am Bankschalter sei eine andere Technik im Spiel, heißt es bei Visa. Falls das Sicherheitssystem aber tatsächlich auf diese Weise manipulierbar sei, müsse die Bank haften, die die Karte ausgegeben habe, sagt Isabel Martorell, Balearen-Delegierte der Bankkundenschutzvereinigung Ausbanc in Palma. Sie empfiehlt eine Reklamation oder eine Anzeige gegen das Institut.

„Ich habe die Bank nun mit Fällen und Informationen dieser Art bombardiert, bezweifle aber, dass das am Ende etwas bringt", so der Geschädigte Stefan Schoof. Dymke unterdessen hat neue Karten mit neuer PIN beantragt. „Der Brief liegt nun ungeöffnet im Safe. Mal sehen, was passiert, wenn mir die Karten gestohlen werden."

In der Printausgabe lesen Sie außerdem:
- Schuljahr beginnt mit Lehrer-Protest
- Korruptionsprozess: Ex-Bürgermeister Hidalgo bekennt sich schuldig
- Sanierungsfall Playa de Palma: Wo der Abriss die einzige Lösung ist
- Großmarkt-Kongress in Palma
- Eine Lehrstelle wie daheim: Pferdewirt-Ausbildung auf Es Fangar
- Kampf um Golfplatz Son Bosc

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