17. März 2011
17.03.2011

Werbespots auf Mallorca: Die Filmfabrik von Marratxí

Palma Pictures hat sich zum Unternehmen mit 35 festen Mitarbeitern gemausert. Die Filmemacher wünschen sich aber mehr Unterstützung von der Insel-Politik, um große Filmprojekte nach Mallorca zu holen

20.01.2011 | 02:00

Wenn Norman Ender zur Arbeit geht, dann könnte er fast vergessen, dass er sich im Gewerbegebiet von Marratxí befindet. Die Kollegen des Produzenten kommen aus England, Frankreich, Italien, Spanien, Dänemark und Japan. So wie Ender mit Produktionsfirmen in seiner deutschen Heimat Kontakt hält und Aufträge für Werbespots an Land zieht, telefonieren seine Kollegen mit daheim und sorgen dafür, dass Mallorca zur Kulisse in Film und Fernsehen wird. „Ich bin jeden Tag mit der ganzen Welt zusammen", sagt der Deutsche. „Hier kommt keine Routine auf."

Enders Arbeitgeber ist Palma Pictures. Die Produktionsfirma ist Mallorcas Version der Traumfabrik und schlägt Kapital aus dem Potenzial der Insel für Filmproduktionen. Die 1993 von den schwedischen Werbefilmproduzenten Ola und Grete Holmgren gegründete Firma ist inzwischen ein Unternehmen, das 35 feste Mitarbeiter beschäftigt, im vergangenen Jahr auf 185 Drehtage für Werbespots kam und 14 Millionen Euro Umsatz machte.

„Viel Umsatz, wenig Gewinn", sagt Germán Traver, PR-Sprecher und Leiter der Abteilung für Locations. Die Wirtschaftskrise habe auch bei Palma Pictures ihre Spuren hinterlassen – schließlich machten Werbespots 95 Prozent des Geschäfts aus. Doch sei 2010 das bisher umsatzstärkste Jahr. Einer der größten Coups: Der Dreh von „Mad Dogs", einem insgesamt vierstündigen Movie, der auf der gleichnamigen britischen TV-Serie basiert und acht Drehwochen auf Mallorca bescherte. „Im Frühjahr wollen wir ´Mad Dogs 2´ drehen."

Der Dreh hatte ein Budget von rund 4,5 Millionen Euro – davon wurden allein 1,6 Millionen im Verlauf der Arbeiten direkt auf Mallorca ausgegeben. 150.000 Euro steuerte Mallorcas Inselrat bei. Die Filmemacher wünschen sich aber noch deutlich mehr Unterstützung von der Politik. Schließlich bringen sie Mallorca nicht nur groß heraus. Sie sind auch Prototyp einer alternativen Insel-Wirtschaft, die im Gegensatz zum Bausektor nicht auf Kosten der Landschaft geht, auch in der touristischen Nebensaison funktioniert und zudem den Hoteliers, Gastronomen wie auch Zulieferern zusätzliche Einnahmen beschert. „Mallorca hat noch sehr viel mehr Potenzial", sagt Traver. „wir verdienen mehr Unterstützung."

Ein wichtiger Fortschritt sei die vor zwei Monaten geschaffene Mallorca Film Commission unter Federführung des Inselrats, um vor allem auch Spielfilmprojekte nach Mallorca zu holen und so die Insel weiter bekannt zu machen. Der Wettbewerb ist schließlich global, „wir konkurrieren weltweit", so Traver. „Innerhalb von 24 Stunden nach einer Anfrage haben wir das Budget sowie Locations- und Casting-Mappen für einen Spot fertig."

Mehr als 200.000 Fotos seien in der Datenbank für Locations, gedreht werde überall auf der Insel, von Palmas Altstadt über den Traumstrand Es Trenc im Süden bis hin zum Stausee Cúber im Tramuntana-Gebirge. Für Auto-Spots müssen die Gebirgsstraßen von Sa Calobra oder Formentor herhalten, die Salzberge von Ses Salines dienten auch schon als vermeintliche Schnee-Landschaft. Drehgenehmigungen erteilen je nach Ort andere Insel-Institutionen: Das Umweltministerium ist für die Natur zuständig, die Küstenbehörde für den Strand, der Inselrat für Dreharbeiten auf Straßen. Traver: „Das funktioniert ganz gut, aber ein einziger Ansprechpartner wäre besser."

Für Studioaufnahmen steht das Gelände in der Gemeinde Marratxí zur Verfügung. Herzstück ist seit dem Jahr 2000 das 1.026 Quadratmeter große, acht Meter hohe und vollständig isolierte Studio eins. „Zum Zeitpunkt der Eröffnung war es das größte in privater Hand in Europa", sagt Traver, während er das umfangreiche Equipment und die Abteilung für Kulissenbau zeigt. In der Tischlerei liegen noch Holzreste von der letzten Produktion. Bereit stehen nicht nur Garderoben, Make-up- und Casting-Studios sowie eine Flotte von 30 Fahrzeugen, sondern auch ein Restaurant und ein Fitnessstudio.

Wenn am Empfang das Telefon klingelt, stammen die wenigsten Anrufe aus Spanien. Auf nur 6 bis 8 Prozent beziffert Traver den heimischen Markt. Deutschland kommt immerhin auf 15 Prozent, wofür vor allem Produzent Ender sorgt. Zu seinen Kunden gehören zum Beispiel die Konzerne Adidas und Henkel.

Den Dreh des Spots setzt dann ein sogenannter Line-Producer um. Aber auch in dieser Phase bleibt Ender als Supervisor beim Projekt dabei. „Irgendetwas geht immer daneben", sagt der Deutsche, dann müsse er Feuerwehr spielen. Wenn der Spot endlich im Fernsehen läuft, handelt es sich um ein echtes Insel-Produkt – auch wenn statt Mallorca dann das Werbeprodukt im Mittelpunkt steht.

In der Printausgabe vom 20. Januar (Nummer 559) lesen Sie außerdem:
- Messe Fitur: Tourismusbranche stimmt sich auf gute Saison ein
- Schmutzige Geschäfte bei der Müllabfuhr
- Übersetzer im Gericht
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Diese Artikel finden Sie auch hier.

Alle Spots finden Sie auch auf www.palmapictures.es

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