20. Oktober 2011
20.10.2011

Mallorca Haus Messe: Rettungsanker Haussanierung

Angesichts der Krise der spanischen Bauwirtschaft setzen Firmen verstärkt auf Sanierungsprojekte und ausländische Kunden

24.10.2011 | 13:12
Aufträge dank Weiterempfehlung: Mitarbeiter der Heinrich Schmid Malerwerkstätten bei der Arbeit

Die Chemie-Toiletten von Clifford Kretschmer sind ein Gradmesser, wie es um die Bauwirtschaft auf Mallorca bestellt ist. Derzeit stehen nur rund 250 auf den Baustellen der Insel, weitere 700 dagegen im Lager. Die Situation auf dem Bau habe sich in diesem Jahr weiter verschlechtert, so der Geschäftsführer und Teilhaber von Boxi Balears. „Dabei dachten wir, dass es gar nicht schlechter geht." Immerhin bestellen auch Rathäuser die WC-Häuschen für ihre Dorf-Fiestas. Doch hier ist die Zahl der Aufträge ebenfalls zurückgegangen, und die Bezahlung lasse mitunter auf sich warten.

Firmen auf Mallorca mit starker Abhängigkeit von Neubauprojekten hätten es derzeit besonders schwer, sagt Oliver Girharz vom Gutachterbüro Matrol Servicios y Peritajes, das am Samstag (22.10.) im Pueblo Español in Palma die Mallorca Haus Messe organisierte. Betroffen seien Baufirmen genauso wie beispielsweise Architekten oder Möbelfirmen. „Ich glaube nicht, dass diese Krise komplett ausgestanden ist", so Girharz. „Das dicke Ende kommt erst noch."

Im Neubaugeschäft habe das Preisdumping massiv zugenommen, sagt auch Standortleiter Nils Bielenberg von der Firma Heinrich Schmid Malerwerkstätten und verweist etwa auf Anbieter aus Osteuropa. Besser laufe es dagegen im Bereich Sanierung. Aufträge für Bestandsobjekte würden immer wichtiger, viele Aufträge kämen von Privatkunden oder Architekten, die Projekte für Bauherren abwickelten. Mit einem Kraftakt bei Werbung und Akquise sowie dank Weiterempfehlungen sei es gelungen, das Auftragsvolumen der Firma stabil zu halten und so die derzeit 18 Stellen auf Mallorca zu sichern, sagt Bielenberg.

Auch viele andere Firmen auf der Insel setzen ihre Hoffnungen auf Sanierungsprojekte. „Das wenige, was noch gebaut wird, wird oft falsch gebaut", sagt Daniel Gingerich, Geschäftsführer der Firma Isotec Mallorca, die sich auf die Sanierung von Gebäuden mit Feuchtigkeits- und Schimmelschäden spezialisiert hat. So würden auf der Insel zum Beispiel verstärkt Materialien verwendet, die die Luftzirkulation beeinträchtigten und Feuchtigkeits- und Schimmelflecken begünstigten. Allerdings versuchten immer mehr Kunden, Preise zu verhandeln und Zahlungen hinauszuzögern. Auch Gingerich geht davon aus, dass die Talsohle im Bausektor noch nicht durchschritten ist, und rechnet mit einer weiteren Marktbereinigung.

Zusätzlichen Schub erhält der Sanierungsmarkt durch Steuervorteile, die derzeit die spanische Zentralregierung gewährt. So verweist Girharz darauf, dass bei Sanierungen in der Regel bis Jahresende nur 8 statt 18 Prozent Mehrwertsteuer berechnet werden müssten, sofern es sich bei den Auftraggebern um Privatpersonen handle. Das wüssten allerdings viele Branchenvertreter gar nicht.

Auch viele Baufirmen konzentrieren sich inzwischen auf den Bereich Sanierung, so etwa Dressler & Partner: Habe sich das Unternehmen früher auf Neubauprojekte beschränkt, machen nun Sanierungen laut Geschäftsführer Wolfgang Dressler rund 70 Prozent der Aufträge aus. In den vergangenen Jahren seien Häuser auf Mallorca oft eilig und schlecht gebaut worden. Nun müsse bereits saniert werden, sei es bei der Heizung, beim Pool oder bei der Haustechnik.

Rettungsanker sind ohnehin ausländische Kunden ohne Finanzierungsprobleme. „Deutsche, Engländer, Schweden", beschreibt Dressler seinen Kundenstamm. Auch wenn praktisch das gesamte Mittelpreis-Segment weggebrochen sei, habe man gut gefüllte Auftragsbücher für das kommende Jahr: „Es ist genug zu tun."

Im E-Paper sowie in der Printausgabe vom 20. Oktober (Nummer 598) lesen Sie außerdem:
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