14. Januar 2017
14.01.2017
40 Años

Totengedenken am Traumstrand von Sa Coma

Unter dem Sand werden die sterblichen Überreste von rund 500 Milizionären aus dem Bürgerkrieg vermutet. Die Landesregierung will nun prüfen, inwieweit eine Exhumierung möglich ist

23.01.2017 | 14:53
Wo am Strand von Sa Coma am 16. August 1936 die republikanischen Truppen landeten, liegen heute zur Hauptsaison die Urlauber in der Sonne.

Wenn Urlauber am Strand von Sa Coma auf Knochen im Sand stoßen – so wie in den vergangenen Jahrzehnten mehrmals geschehen –, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass es die sterblichen Überreste von Soldaten aus dem Spanischen Bürgerkrieg (1936–1939) sind. Es ist kein würdiges Grab für die geschätzten 500 Gefallenen und Hingerichteten, dort an der Ostküste Mallorcas, im Erdreich unter Handtüchern und Sonnenschirmspitzen im Sommer. Es gibt nicht einmal einen Gedenkstein an dem Ort, wo am 16. August 1936 republikanische Kämpfer unter dem Kommando von Kapitän Bayo landeten, um die Insel den Putschisten unter General Franco zu entreißen.

„Wir müssen diesem Ort die Würde zurückgeben", sagt Ruth Mateu, Landesministerin für Partizipation, Transparenz und Kultur, gegenüber der MZ. Auch wenn schon absehbar sei, dass eine umfassende Exhumierung oder gar eine Identifizierung der Opfer nicht möglich sein werde, wolle man die Bergung sterblicher Überreste prüfen und der Toten gedenken.

Im Zuge der mit Jahrzehnten Verspätung angelaufenen Vergangenheitsbewältigung auf Mallorca fällt der Blick damit jetzt auch auf den Traumstrand von Sa Coma. 2016 waren – erstmals mit institutionellem Rückhalt – zunächst 55 Skelette aus einem Massengrab auf dem Friedhof von Porreres exhumiert worden waren. Grundlage ist ein Balearen-Gesetz der Linksregierung: Eine Kommission prüft, welche der 47 auf Mallorca bekannten Gräber, in denen Franco-Opfer anonym verscharrt wurden, geöffnet werden.

Drei befinden sich an den Stränden der gescheiterten Landung der republikanischen Truppen im Sommer 1936. Neben Sa Coma handelt es sich um zwei Strände im nahen Porto Cristo mit noch einmal mehr als 400 vermuteten Todesopfern. Da die Feuchtigkeit den Skeletten zugesetzt haben dürfte und die Opfer nicht von Mallorca stammen, dürfte eine Identifizierung durch den Abgleich der DNA mit Angehörigen so gut wie unmöglich sein.

Dass das Thema nun dennoch aufs Tapet kommt, liegt am Inte­resse von Vertretern der katalanischen Regionalregierung – sie wollten eigentlich Porreres einen Besuch abstatten. Doch dort ging die Exhumierung unerwartet schnell vonstatten, wie Ministerin Mateu erklärt. Man habe bei dieser Gelegenheit über Sa Coma gesprochen.

Die meisten der dort gefallenen Soldaten und Milizionäre stammten aus Katalonien, die Flottille war im Auftrag der damals republiktreuen Regionalregierung aufgebrochen, um zunächst Formentera und Ibiza, dann Mallorca einzunehmen. Die Offensive kam jedoch schnell ins Stocken, und das Franco-Lager bekam Zeit, um mithilfe italienischer Faschisten zum Gegenangriff überzugehen. Anfang September gaben die republikanischen Kräfte auf. Zurückgelassene Verletzte wurden hingerichtet und wohl zum großen Teil neben den Gefallenen direkt am Strand verscharrt.

Für die Vereinigung Memòria de Mallorca, die in den vergangenen Jahren die Grundlage für die jetzige Aufarbeitung legte, ist es noch zu früh, um über eine Exhumierung in Sa Coma zu sprechen – wegen der zu erwartenden Schwierigkeiten, vor allem aber wegen der anderen ungeöffneten Bürgerkriegsgräber auf Mallorca, wie die Vorsitzende Maria Antònia Oliver erklärt. In diesen Fällen wisse man in der Regel mehr über die verscharrten Opfer, und die Nachkommen bräuchten jetzt Gewissheit. Außer Frage stehe aber die Dringlichkeit, die Totenstätte von Sa Coma zu markieren.

Dabei wollen nun Balearen- und Katalonien-Regierung zusammenarbeiten, wie Mateu sagt. In welcher Form und mit welchem Zeitplan, sei noch unklar. Den Weg vorgeben soll in jedem Fall die zuständige Kommission. Schon jetzt stehe aber fest: Für die Markierung der Stätten werde es ein für alle Gräber identisches Symbol geben – und ein solcher Gedenkstein müsse nicht unbedingt am Strand stehen, inmitten der Badetücher und Sonnenschirme.

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