03. April 2018
03.04.2018
40 Años

Massive Ladendiebstähle überfordern Justiz und Polizei auf Mallorca

"Je öfter sie uns bestrafen, desto öfter klauen wir." Wiederholungstäter nutzen milde Gesetzeslage aus

08.04.2018 | 14:12
Der Sicherheitsdienst schreckt professionelle Ladendiebe kaum.

Systematischer Ladendiebstahl ist für Geschäfte, Justiz und Polizei auf Mallorca zur echten Plage geworden. Insbesondere Wiederholungstäter, die sich von den laschen Strafen für Diebstahl im Wert von unter 400 Euro nicht abschrecken lassen, fordern die Kapazitäten der Ordnungshüter heraus. Die organisierte Kleinkriminalität verfügt über ein funktionierendes Kundennetz, das alltägliche Einkäufe als Diebstahl in Auftrag gibt.

"Je mehr Bußgelder wir wegen Diebstahl im Supermarkt bekommen, desto öfter klauen wir", erklärt eine Frau gegenüber der Justiz, die bereits vielfach vor Gericht bestraft wurde. Ihr Vorstrafenregister zeigt 194 solcher Vorfälle und die Mallorquinerin gehört zu einem systematischen Netzwerk an Wiederholungstätern, über die eine Reportage der MZ-Schwesterzeitung "Diario de Mallorca" am Dienstag (3.4.) berichtet.

Bei Diebstählen im Wert von unter 400 Euro sieht das spanische Gesetz auch im Wiederholungsfall nur eine Geldbuße vor. Diese kann meist in Monatsraten abgestottert werden, wenn die betroffene Person mittellos ist. Eine Bußgeld von 180 Euro kann zum Beispiel in sechs Monatsraten zu 30 Euro gezahlt werden.

Der "Diario" berichtet über eine weitere Frau der organisierten Bande, die wegen Diebstahls verurteilte Tochter zum Gericht begleitete. Die Strafe von 200 Euro wollte die Tochter zunächst in Raten zahlen. Aber die Mutter plädierte dafür, die gesamte Summe auf einmal zu begleichen: "Ich zahle schon 3.000 Euro im Monat für die verschiedenen Bußgelder", sagte die Mutter.

Die von den Geschäften verhängten Hausverbote stören die Ladendiebe anscheinend wenig. "Wenn man ihnen verbietet, in ein bestimmtes Geschäft zu gehen, dann klauen sie in einer anderen Filiale derselben Kette", erklärt ein Angestellter der Justiz gegenüber dem "Diario". Selbst wenn man ihnen die Zutritt sämtlicher Läden der Kette in Palma verbietet, gingen die Diebe eben nach Manacor oder in einen anderen Ort der Insel.

Auch an Kundschaft scheint es den Diebesbanden nicht zu fehlen. In einigen Stadtvierteln in Palma, werden die Diebe offensichtlich wie ein Einkaufsdienst beauftragt. "Du bestellst, was du brauchst und sie liefern es dir für die Hälfte des Ladenpreises frei Haus", erklärt eine Anwohnerin im Viertel Son Roca.

Auch die ohnehin überlasteten Gerichte auf Mallorca leiden unter der großen Flut der zu bearbeitenden Fälle. "Wir arbeiten nur für die großen Ladenketten", beschwert sich ein Mitarbeiter. Die Geschäfte beauftragen Anwälte, die ausschließlich damit beschäftigt sind, sie wegen Ladendiebstählen vor Gericht zu vertreten. /tg

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