07. April 2018
07.04.2018
40 Años

Porsche überrollt Radgruppe: Unfallfahrerin in Untersuchungshaft

Nach dem Unfall vom Donnerstag (5.4.), bei dem ein deutscher Sportler starb und acht weitere verletzt wurden, weist die 28-Jährige die Schuld an der Tragödie von sich. Die Frau war den Behörden allerdings schon früher wegen Cannabis-Konsums aufgefallen

12.04.2018 | 10:44
Szene nach dem Unfall.

Die Unfallfahrerin, die am Donnerstag (5.4.) mit ihrem Porsche eine Gruppe deutscher Radfahrer überrollt hatte, muss in Untersuchungshaft. Das ordnete am Samstagmittag (7.4.) das zuständige Gericht in Manacor an. Damit folgte der Richter dem Antrag der Staatsanwaltschaft.

Die Verteidiger der 28-Jährigen hatten beantragt, dass sie gegen eine Kaution von 6.000 Euro, sowie dem Entzug von Führerschein und Reisepass, auf freim Fuß bleiben darf. Die junge Frau brach bei der Anhörung immer wieder in Tränen aus und wies, wie schon zuvor in einem Interview mit der MZ-Schwesterzeitung "Diario de Mallorca", ihre Schuld an dem Unfall zurück infolge dessen ein 47-Jähriger an seinen Verletzungen starb.

"Ich bin nicht unter Drogen gefahren. An diesem Morgen hatte ich nichts konsumiert", so die 28-jährige Mallorquinerin am Freitag gegenüber der Zeitung. Die Radfahrer seien plötzlich nebeneinander gefahren, als sie überholt habe. 

Zu dem Unfall war es gegen 9.30 Uhr auf der Ma-15 zwischen Artà und Capdepera gekommen, auf Höhe des örtlichen Gewerbegebiets. Die Sportler waren unterwegs zum Puig Major, als der Porsche Cayenne Turbo auf gerader Strecke in die Gruppe hineinraste. Ein Deutscher aus Mönchengladbach erlag in der Nacht auf Freitag im Krankenhaus von Manacor seinen schweren Verletzungen. Acht weitere Fahrer wurden in Krankenhäuser gebracht. Ein erster Drogentest ergab, dass die Pkw-Fahrerin Cannabis konsumiert hatte. Die klinische Bestätigung des Tests steht noch aus.

Die junge Frau fiel den Behörden nicht zum ersten Mal wegen Drogenkonsums auf. Sie war nach Informationen des "Diario de Mallorca" bereits 2015 positiv von der Verkehrspolizei getestet worden und akzeptierte eine Haftstrafe von 20 Tagen sowie ein einjähriges Fahrverbot. Die Strafe war aber noch nicht umgesetzt worden. Bei einer Anti-Drogen-Razzia 2016 wurde die Frau vorübergehend festgenommen. Im Unfallwagen fanden die Ermittler zudem nun fünf Stummel von Joints mit Cannabisresten.

Zum Zeitpunkt des Unfalls war sie nach eigenen Angaben zusammen mit einer Angestellten auf dem Rückweg von der Arbeit. "Ich kam von keiner Party, sondern von der Arbeit, ich hatte um 2 Uhr angefangen." In den Stunden vor dem Unfall habe sie keine Drogen genommen. Den positiven Test erklärt sie mit einem Konsum in der Nacht oder an Tagen zuvor. Das werde das Ergebnis der B-Probe zeigen. "Ich bin keine Drogenabhängige, die losfährt, um acht Personen zu töten."

Während der Radreiseveranstalter der Gruppe auf die Erfahrung und Professionalität der in den Unfall verwickelten Sportler sowie auf ein ausgeführtes Fahrsicherheitstraining verweist, beschreibt die 28-Jährige den Unfall wie folgt: "Zunächst überholte ich drei Radfahrer, die hintereinander fuhren." Als sie zum Überholen der Hauptgruppe ansetzte, seien die Sportler zunächst in einer Zweier-Reihe, dann aber plötzlich in einer Vierer-Reihe nebeneinander gefahren und hätten praktisch die ganze Fahrbahn belegt. Als sie gemerkt habe, dass sie mit ihrem Wagen die Radfahrer erfasst hatte, habe sie eine Vollbremsung ausgeführt. Gegenüber der Guardia Civil habe sie bislang wegen ihres psychischen Zustands keine Aussage machen können, aber der tragische Unfall tue ihr sehr leid. "Ich würde die Angehörigen gerne um Verzeihung bitten."

In dem Gespräch mit dem "Diario de Mallorca" berichtet die Unfallfahrerin auch von den Reaktionen in den sozialen Netzwerken. "Mein Facebook-Profil macht mir Angst. Ich werde beleidigt, mein Foto ist überall veröffentlicht. Ich werde fertiggemacht." So bestreitet die Frau etwa die Vorwürfe, sie habe nach dem Unfall den Zustand ihres Autos kontrolliert. "Es ist gelogen, dass ich um den Zustand des Wagens besorgt gewesen sei. Ich würde ihn am liebsten verbrennen, weil er mir seit dem Kauf nur Neid und Missgunst eingebracht hat."

Bei ihrer Festnahme am Freitag verweigerte die Unfallfahrerin erneut die Aussage, brach in Tränen aus und bat um ärztliche Hilfe. Die Guardia Civil brachte sie ins Krankenhaus von Manacor, wo ihr Beruhigungsmittel verabreicht wurden. Nach einer Nacht in Untersuchungshaft in der Wache von Artà sollte sie am Samstag dem Haftrichter vorgeführt werden.  /ff

Lesen Sie hier weiter: Das sagen Radreiseveranstalter auf Mallorca nach dem Unfall

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