08. Juli 2018
08.07.2018

Mallorca kämpft interdisziplinär gegen den Klimawandel

Ein Forschungsprojekt an der Balearen-Universität entwickelt sich zu einem gefragten Ansprechpartner für Fragen rund um die Erderwärmung - auch für die EU-Kommission

08.07.2018 | 01:00
Auch Mallorca drohen wegen des Klimawandels lange Dürreperioden.

Die Auswirkungen des Klimawandels auf Mallorca sind schon jetzt deutlich – daran besteht für Xim Valdivielso kein Zweifel. Der Philosophie-Professor und Aktivist der Umweltschutzorganisation Terraferida konstatiert: „Die Höchsttemperaturen auf der Insel sind in den vergangenen Jahren immer weiter gestiegen, und die Hitze­periode hält viel länger an als zu der Zeit, als ich ein Kind war."

Valdivielso gehört zu einer Gruppe von etwa 60 Professoren und Dozenten der Balearen-Universität, die zu diesem Thema forschen. Die Gruppe nennt sich Laboratori Interdisciplinari sobre Canvi Climàtic oder kurz LINCC. Die EU-Kommission hat dieses „Interdisziplinäre Labor" zusammen mit weiteren in der sogenannten Climate Alliance zusammengeschlossenen Initiativen kürzlich damit beauftragt, ein „Sekretariat für Saubere Energien auf den EU-Inseln" einzurichten.

Dieses Sekretariat soll den Inseln beistehen, möglichst schnell auf einen höheren Prozentsatz erneuerbarer Energien zu kommen (auf den Balearen etwa sind es gerade einmal drei Prozent). Das LINCC arbeitet dabei eng mit zwei ebenfalls für das EU-Projekt ausgesuchten Institutionen auf den Inseln Kreta und Aero (Dänemark) zusammen. Gemeinsam will man die Auswirkungen des Klimawandels auf den Inseln analysieren, Workshops zum Thema anbieten, sich mit den anderen Inseln austauschen. „Im Prinzip soll das Projekt bis 2030 laufen", sagt der Initiator von LINCC, Pau de Vílchez, der sich unmittelbaren Nutzen für die Balearen verspricht: „Das ist eine Supergelegenheit, endlich von den hintersten Plätzen der Regionen wegzukommen, die am wenigsten erneuerbare Energien einsetzen."

Der 41-jährige Jurist, der gerade an einer Dissertation zum Thema „Der Klimawandel aus der Sicht des internationalen Rechts" schreibt, ist stolz auf die Anerkennung aus Brüssel. Dabei habe sich das LINCC eher zufällig zusammengefunden: „Ich habe im Zuge der Recherchen für meine Doktorarbeit gemerkt, dass es an der UIB sehr viele Dozenten gibt, die sich mit dem Klimawandel auseinandersetzen – und zwar in den verschiedensten Fachbereichen." Mit dem LINCC solle dieses Wissen gebündelt werden. Denn jede Forschungsrichtung gehe anders an das Thema heran, wie auch Xim Valdivielso bestätigt. „In der Philosophie geht es vor allem um die Klima-Ethik. Da wird darum gestritten, welches Land sich wie stark einbringt bei der Bekämpfung der Erderwärmung."

Dass sich die Europäische Kommission für die Initiative LINCC interessiert, daran ist die politische Vergangenheit von Initiator Pau de Vílchez nicht ganz unschuldig. Er gehörte neben David Abril und der derzeitigen Umweltdezernentin von Palma, Neus Truyol, zu den Gründungsmitgliedern der links-ökologischen Regionalpartei Més per Mallorca, entschied sich nach den Wahlen 2015 aber gegen eine politische und für eine universitäre Karriere. Als eine Anfrage der EU bei der Balearen-Regierung einging, erinnerte man sich bei Més an Pau de Vílchez. Seither kann sich das LINCC vor Arbeit kaum retten. „Das war eine Art Marktlücke. Seit wir uns im Oktober 2017 konstituiert haben, können wir uns vor Angeboten für Studien und Kooperationen kaum retten", so Pau de Vílchez.

Die Beteiligung am „Saubere-Energien-Sekretariat" ist dabei mit der Mitgliedschaft in der Climate Alliance verknüpft. 1.700 Gemeinden, Regionen und Institutionen in Europa sind Teil des Netzwerks, 500 davon in Deutschland. In Spanien ist es neben Mallorca nur noch Barcelona. Das zeige, wie Pau de Vílchez mehrfach betont, wie groß der Nachholbedarf beim Thema Klimaschutz in Spanien sei. Doch es bestehe Grund zur Hoffnung: Seit dem Regierungswechsel in Madrid gebe es mit Teresa Ribera eine „äußerst kompetente Frau" auf dem Posten der Ministerin für Energiewende. Ribera arbeitete zuvor als Direktorin des renommierten französischen Think Tanks IDDRI, dem Institut für nachhaltige Entwicklung und internationale Beziehungen.

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