28. Juli 2018
28.07.2018

Englisch lernen ist auch auf Mallorca nicht mehr so attraktiv

Wie der Brexit, die wirtschaftliche Erholung und Apps sich auf die Teilnehmerzahlen von Sprachkursen auf den Balearen auswirken

28.07.2018 | 01:00
Unterricht an einer offiziellen Sprachschule (Escuela de Idiomas).

Ob für den Lebenslauf, die Arbeit in der Tourismusbranche oder die Erlangung der Staatsbürgerschaft: Menschen, die auf Mallorca leben, lernen aus ganz unterschiedlichen Gründen Fremdsprachen. Bei den Kursen, die die Einrichtungen auf den Balearen anbieten, fallen im Vergleich zum vergangenen akademischen Jahr gerade zwei Entwicklungen auf: Laut den Zahlen der offiziellen Sprachschulen der Inseln (Palma, Calvià, Inca, Alcúdia, Manacor, Eivissa, Formentera, Maó und Ciutadella) sind insgesamt zwölf Prozent weniger Lernende eingeschrieben als im Vorjahr.

Vor allem bei Englisch gab es mit 19 Prozent weniger Schülern einen auffälligen Rückgang. Auch die Nachfrage nach Deutsch habe etwas abgenommen. Gestiegen seien im Gegenzug die Zahlen bei den romanischen Sprachen Katalanisch, Spanisch, Französisch und Italienisch. Vor allem die beiden offiziellen Amtssprachen der Balearen sind besonders nachgefragt.

Diana Müller von der Buchhandlung und Sprachschule Akzent in Palma kann diese Entwicklung bestätigen. Und das nicht nur, weil in dem Buchladen momentan deutlich mehr Spanisch-Lehrwerke verkauft werden. Die Schule bietet aktuell im Vergleich zum Vorjahr auch doppelt so viele Spanischkurse an. Neu sei auch, dass es auch mehr Sprachschüler in den höheren Stufen B1 und B2 gebe.

Was die Nationalität der Kursteilnehmer betrifft, haben die Briten die Deutschen überholt. Früher hätten sie nur fünf bis zehn Prozent der Teilnehmer ausgemacht, aktuell seien es rund ein Drittel. „Das hat mit dem Brexit zu tun. Die Menschen haben Angst. Und wenn sie ihre Nationalität ändern wollen, brauchen sie ein bestimmtes Sprachniveau", sagt Diana Müller. Außerdem könnten gute Spanischkenntnisse Residenten ganz andere Jobmöglichkeiten eröffnen als nur eine Tätigkeit beispielsweise in einem Callcenter.

Die Nachfrage nach Deutschkursen sei, wie auch in den offiziellen Escuelas de Idiomas, auch in der Sprachschule Akzent etwas gesunken. „Vermutlich sehen sich die Spanier nicht mehr so gezwungen, Deutsch zu lernen, da sich die Wirtschaft erholt hat", sagt Diana Müller.

Ansonsten würden Deutschkurse besonders in den Wintermonaten nachgefragt: „Wer im Tourismus arbeitet, hat dann mehr Zeit, seine Deutschkenntnisse aufzufrischen." Zudem gäbe es im Vergleich zu früher mehr Kinderkurse für Fünf- bis Elfjährige. Die kleinen Teilnehmer kämen häufig aus deutsch-spanischen, aber auch aus rein spanischen Familien. Ihre Eltern würden schon früh in die Zukunft ihrer Kinder investieren wollen, sagt Diana Müller.

Mit Fremdsprachen-Unterricht für Kinder hat auch Natalia Poma von der Sprachschule „Die Akademie" in der Balearen-Hauptstadt Erfahrung. Was den Englisch­unterricht für die Kleinen betreffe, sei die Nachfrage mittlerweile wieder gesunken – womöglich liege das daran, dass auch an den öffentlichen Schulen auf der Insel mittlerweile sehr früh mit dem Englischunterricht begonnen wird und viele Eltern zusätzlichen Unterricht für unnötig halten. Wobei die kürzer angelegten Sommerkurse und -camps nach wie vor gefragt seien.

Ansonsten würden ihre Schüler die Englischkurse gezielt zur Vorbereitung der Prüfungen für offizielle Zertifikate belegen, die zum Studieren oder Arbeiten benötigt werden – wobei auch hier der drohende Brexit Auslandsaufenthalte in Großbritannien nicht mehr so attraktiv erscheinen lasse.

Als einen weiteren möglichen Grund für die sinkenden Zahlen an Sprachschülern erwähnt die Deutsch-Argentinierin die vielen Sprachapps, mit Hilfe derer mittlerweile zahlreiche Menschen eine Fremdsprache lernen. Als Hilfsmittel seien diese Apps tatsächlich nützlich. „Es ist jedoch wichtig, dass ein Lehrer den Schüler immer wieder korrigiert oder als Muttersprachler von der Kultur des Landes erzählt", betont sie.

Für die Zukunft kann sich Natalia Poma auch eine erhöhte Nachfrage nach nordischen Sprachen wie Dänisch oder Schwedisch vorstellen. „Schließlich gibt es auch aus diesen Ländern viele Residenten auf der Insel – sich mit ihnen in ihrer Muttersprache verständigen zu können, kann von geschäftlichem Interesse sein", so die 53-Jährige.

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