10. August 2018
10.08.2018

Böser Verdacht gegen hochrangige Ermittler der Nationalpolizei auf Mallorca

Viele Jahre kämpfte Antoni Cerdà für die Aufklärung von Bestechungsfällen, die die Insel erschütterten. Jetzt wird der pensionierte Polizist selbst vernommen, genau wie der Leiter der Drogenfahndung

10.08.2018 | 01:00
Warten auf "El Ico" (o.li.). Welche Rolle spielte bei dem Treffen Antoni Cerdà (o.re.)?

Ob Disco-König Bartolomé Cursach oder Königsschwager Iñaki Urdangarin, ob Ex-Inselratspräsidentin Maria Antònia Munar oder Ex-Balearen-Präsident Jaume Matas – in den Ermittlungen um die Korruptionsfälle, die in den vergangenen Jahren die Insel erschüttert haben, hat Antoni Cerdà stets eine wichtige Rolle gespielt. Er war es, der die Untersuchungen zu kriminellen Machenschaften maßgeblich vorantrieb, er war es, der Licht in die korrupten Strukturen der Ortspolizei an der Playa de Palma brachte. Doch jetzt muss der ehemalige Leiter der Policía Judicial auf den Balearen – einer Einheit der Nationalpolizei, die der Justiz unterstellt ist – selbst als Beschuldigter aussagen. Der Vorwurf: Bestechung.

Es soll am 25. Oktober 2017 gewesen sein, als verdeckte Ermittler der Nationalpolizei ihren Ex-Chef am Parkplatz des Son-Llàtzer-Krankenhauses fotografierten. Auf einer Bank sitzend, wartend. Wenig später, so heißt es, soll ein Auto angehalten haben. Cerdà setzte sich hinein, unterhielt sich etwa 30 Minuten mit dem Fahrer, stieg dann wieder aus. Der Fahrer, das scheint erwiesen, war „El Ico", Sohn von „La Paca", der langjährigen Anführerin des größten Drogenclans vom Elendsviertel Son Banya.

Was den hochrangigen Ermittler auf den Balearen, der eigentlich schon längst im Ruhestand ist, dazu trieb, sich mit dem justizbekannten Zeitgenossen zu treffen? Wenn es nach Cerdà geht, dann sei alles ganz harmlos gewesen. Er selbst habe der Staatsanwaltschaft angeboten, sie noch einmal bei den aktuellen Ermittlungen um Disco-König Cursach zu unterstützen. In dem Fall wird „El Ico" immerhin als einer der wichtigsten Zeugen vernommen. Und er, Cerdà, habe nunmal in all den Jahren gewisse Kontakte und Erfahrungen gesammelt, die weiterhin nützlich sein können.

Was stutzig macht: Kurz zuvor hatte Cerdà eine Handy-Nachricht an „El Ico" geschickt: „Bring das Buch mit, das du hast." Mit Buch, so Cerdà, sei ein wichtiges Buchhaltungs-Dokument von Cursach gemeint, das angeblich in Besitz von „El Ico" sei, aber nie gefunden wurde. Nein, widerspricht „El Ico" in seinen Zeugenaussagen. Es sei um Bares gegangen. Ein Schmiergeld von 36.000 Euro will er dem Ex-Polizisten im Auto zugeschoben haben. Damit dieser die Freilassung seiner Schwester „La Guapi" bewirke. Sie war nur wenige Wochen zuvor mit mehr als drei Kilo Kokain in ihrem Auto nahe Son Banya gefasst worden.

Cerdà habe eigentlich 150.000 Euro an Schmiergeld gefordert, beteuert auch „La Guapi" gegenüber den Ermittlern. Ein Drittel für wichtige Beamte in Madrid, zwei Drittel für sich selbst. So viel sei sie aber nicht bereit gewesen zu geben. Immerhin sei er ein alter Bekannter von ihr. Immer wieder habe er sie im Laufe der Jahre im Voraus gewarnt, wenn wieder einmal eine Razzia in Son Banya anstand – selbstverständlich stets gegen Bares. Auch andere Drogen-Clans hätte er mit wichtigen Informationen gefüttert. Ihre Schwägerin, „La Rosario", sagt Ähnliches aus.

Es klingt wie ein schlechter Mafia-Film, undurchsichtig, irgendwie irreal. „Es ist ein Akt der Rache, nichts davon ist wahr", beteuert Cerdà. Immerhin sei „El Ico" nach dem mysteriösen Parkplatztreffen verhaftet worden, und auch „La Guapi" sehe die Schuld ihrer Inhaftierung bei Cerdà. Doch zumindest einige der Staatsanwälte, denen er in so vielen Jahren durch saubere Ermittlungsarbeit zuarbeitete, scheinen die Zeugen zumindest für glaubwürdig genug zu halten, um ein Verfahren anzustoßen. Und: Schon seit Monaten ermitteln Beamte, weil sie einen Maulwurf in den eigenen Reihen vermuten. Und weil sie „La Guapi" abhörten, als sie am Telefon über Zahlungen an einen „großen Fisch" sprach.

Am 11. Oktober muss Cerdà offiziell aussagen. Ebenfalls beschuldigt wird Antonio Sánchez, aktuell Chefinspektor der Nationalpolizei und lange Leiter von Mallorcas Drogenfahndung. Auch er beharrt darauf, dass alles ein Racheakt der Clans sei. „Mein Name wurde beschmutzt und es wird lange dauern, das reinzuwaschen", so Sánchez jetzt. Seine Chefs stünden hinter ihm. Doch es geht nicht nur um die Ehre zweier Polizeibeamter. Letztlich stellen die Anschuldigungen die Glaubwürdigkeit des gesamten Polizeiapparats infrage.

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