11. August 2018
11.08.2018

"An der Playa de Palma klauen alle"

Das meint der Polizeichef José María Manso

11.08.2018 | 01:00
José María Manso ist seit fünf Monaten der Chef der Polizei an der Playa de Palma.

Die Polizeidienststelle an der Playa de Palma ist brechend voll. Fast alle Hilfesuchenden sind deutsche Touristen in Badehose. Die Urlauber machen es den Dieben zu einfach, meint José María Manso. Er leitet die Dienststelle seit März, war aber schon zuvor hier stationiert.

Die Sommersaison läuft auf Hochtouren. Wie ist die Lage?
Es ist voll, alle Hotels sind ausgebucht, hinzu kommt die Ferienvermietung. Aus unserer Sicht haben wir die Situation unter Kontrolle. Das muss man aber in Anführungszeichen setzen, denn es gibt keine völlige Sicherheit.

Was ist die größte Sicherheitslücke?
Das hier vorherrschende Tourismusmodell basiert auf jungen Menschen und Alkohol. Sie geben leichte Opfer ab, das zieht alle möglichen Gauner an. Und was machen die? Sie stehlen. Diebstahl ist ein einfach zu begehendes Delikt, das strafrechtlich kaum geahndet wird. Wir nehmen am Tag an die 20 Anzeigen auf und an die zwei bis drei Diebe fest.

Wie viele professionelle Diebe zieht es schätzungsweise im Sommer nach Mallorca?
Da kann ich keine genauen Zahlen geben. Wir kontrollieren die ankommenden Passagiere, können aber niemanden festnehmen, ehe er eine Straftat begangen hat.

Es gibt kriminelle Banden, die im Winter ihr Unwesen auf den Kanaren treiben und im Sommer nach Mallorca kommen...
Die nennt man Wanderkriminelle. Wir nehmen hier mitunter Leute fest, die eine Woche zuvor in Paris geschnappt wurden und nächste Woche in Italien dingfest gemacht werden.

Sind das organisierte Gruppen?
Da gibt es von allem etwas. Einige agieren unabhängig, andere sind organisiert, aber ohne hierarchische Strukturen. Das sind dann eher Familienverbände.

Die auf betrunkene Opfer aus sind...
Es gibt zwei Diebstahl-Varianten. Tagsüber wird viel am Strand gestohlen. Die Diebe warten, bis ihre Opfer im Wasser sind und klauen Handys und kleine Mengen Bargeld.

Sind das Unachtsamkeits-Profis?
Profis und Amateure. Es gibt auch Urlauber, die sich gegenseitig beklauen, wenn sich die Gelegenheit ergibt. Hier klauen alle.

Wie gehen die Diebe nachts vor?
Die Touristen schlafen oder haben Sex am Strand. Dann kommen die „Kriecher". Sie schleichen sich an die Opfer heran und schnappen sich das, was sie kriegen können.

Das sind dann die Spezialisten?
Das ist nicht wirklich schwierig. Manch Betrunkener schläft mit der Brieftasche in der Hand. Das ist fast ein Aufruf: „Beklau mich!"

Quasi Gelegenheitsdiebe...
Genau. Ein Profi ist ein Dieb, der dir das Portemonnaie aus der Tasche angelt, ohne dass du es merkst. Die Diebe hier brauchen keine besondere Technik.

Welche Verbrechen bekämpfen Sie noch?
Einbrüche, besonders in die Hotelzimmer. Die Diebe nutzen die Gelegenheit, wenn das Reinigungspersonal die Türen öffnet. Die meisten Urlauber treffen nicht die geringsten Vorkehrungen. Es ist fast so, als wenn sie die Diebe einladen würden. Ansonsten haben wir auch mit Drogenhandel und Prostitution zu tun. Letztere geht manchmal mit Menschenhandel und gewaltsamen Überfällen einher. Das sind zurzeit aber wenige Fälle, da wir in der Vergangenheit oft dagegen vorgegangen sind.

Wie viele Prostituierte gibt es an der Playa de Palma?
Wir führen häufig Kontrollen durch. Zuletzt identifizierten wir in einer Nacht 25 Frauen.

Dann wären noch die Schlägereien...
Erst in der vergangenen Woche hat ein deutscher Urlauber einem anderen den Schädel eingetreten. Das Opfer ist schwer verletzt, ich weiß nicht, wie das ausgeht. Trotzdem müssen wir nicht viele Schläger festnehmen. Die Polizeistreifen gehen bei Konflikten zwar oft dazwischen, das endet aber meistens friedlich. Die Streithähne werden einfach auf ihre Hotelzimmer geschickt.

Was ist mit den Konflikten zwischen Urlaubern und fliegenden Händlern?
Die kamen in der Vergangenheit meist dadurch zustande, dass die Händler sehr penetrant und die Urlauber sehr betrunken und aggressiv waren. Dabei sind die Händler daran interessiert, Konflikten aus dem Weg zu gehen. Was es zuletzt häufiger gab, waren Streitereien der Händler untereinander. Zu den Afrikanern haben sich indische Händler gesellt und es gibt Streit um die belebten Straßenzüge.

Würden Sie trotz alledem die Playa de Palma als einen sicheren Urlaubsort bezeichnen?
Ja, aber man muss sich über einige Dinge im Klaren sein. In manche Ecken würde ich beispielsweise nicht mit Kindern gehen. Can Pastilla ist für Familien eine ruhige Gegend, wo nachts einiges an Unterhaltung geboten wird. Je weiter man Richtung Llucmajor geht, umso problematischer wird es. Doch selbst dann ist es aus unserer Sicht immer noch eine sichere Gegend. Die Urlauber sollten aber Vorsichtsmaßnahmen treffen. Beispielsweise ihr Handy nicht mit an den Strand nehmen.

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