12. September 2018
12.09.2018

Dorfleben im Einkaufszentrum

Gerade deutsche Mallorca-Residenten zieht es in die Urbanisationen an der Küste von Llucmajor. Läden und Cafés sind hier rar – doch das Shoppingcenter in Maioris schafft Abhilfe

12.09.2018 | 01:00
Mit seinem Turm und dem Platz in der Mitte mutet das „centro comercial" in Maioris wie ein kleines Dorf an

Wer in ein fremdes Dorf kommt, dem ist auf dem Weg ins Zentrum der Kirchturm meist ein guter Wegweiser. Denn wo die Kirche steht, da ist in der Regel auch ein zentraler Platz, auf dem sich das Dorfleben abspielt – zumindest in historisch gewachsenen Orten. Anders in Neubausiedlungen auf Mallorca wie Puigderrós, Sa Torre, Badia Gran oder Tolleric. Hier gibt es keine Kirchen, keine Dorfplätze und auch so gut wie keine Läden oder Cafés. Stattdessen bestimmen in den Urbanisationen der Gemeinde Llucmajor Wohnhäuser das Bild. Die Dorfgemeinschaft wird kurzerhand verlagert: ins Einkaufszentrum Maioris, das wie die Siedlungen selbst direkt an der Landstraße Ma-6014 liegt. Ein Treffpunkt jenseits des eigentlichen Dorfes Llucmajor, der auch viele deutsche Residenten anzieht.

Im Vorbeifahren wirkt er selbst wie ein Kirchturm, der Überbau mit dem Spitzdach und den eingelassenen Uhren, der über dem zweigeschossigen Bau des Einkaufszentrums thront. Zufall ist das sicher nicht. Der gesamte Komplex mutet mit seinen Balustraden, den Aufgängen und dem kleinen Platz in der Mitte wie ein Dorf an.

Und richtig: Auf dem Platz unter dem Turm ist auch am Morgen beim MZ-Besuch schon einiges los. Die brünette Kellnerin im Restaurant „El Jardi" jedenfalls hat gut zu tun, um den Gästen im Innen- und Außenbereich ihre Wünsche zu erfüllen. „Jetzt im August ist es hier eigentlich noch ruhig, weil viele Mallorquiner im Urlaub sind. Aber kommen Sie mal an einem Wochenende Ende September wieder, da tanzt hier der Bär", sagt eine junge Spanierin, die an einem der Außentische sitzt. Regelmäßig komme sie mit ihrer kleinen Tochter aus Sa Torre hierher, um eine Freundin zu treffen. Meist zum morgendlichen Kaffeetrinken, aber auch mal abends auf ein Gläschen. Die Fahrt mit dem Auto dauert sechs Minuten, aber ohne Fahrzeug geht es nicht. „Meine Freundin wohnt in Maioris selbst, hier gibt es nichts anderes außer dem Einkaufszentrum", sagt sie. „Und in Sa Torre haben wir nur ein einziges Café." Das centro comercial sei nunmal der punto de encuentro. „Nicht nur für uns zwei, sondern für alle, die in den Urbanisationen in der Umgebung leben."

Das deutsche Pärchen mittleren Alters, das es sich wenige Tische entfernt bequem gemacht hat, kann das bestätigen. „Bei uns in Tolleric gibt es einen kleinen Kiosk mit Souvenirs für die Hotelgäste. Für alles andere brauchen wir das Auto." Und am schnellsten gelange man eben zum Einkaufszentrum. Eigentlich, erzählt er, seien ihm die Beachclubs der Insel ja lieber. „Und zum Shoppen", ergänzt sie, „fahren wir natürlich nach Palma." Aber das centro comercial sei nun einmal praktisch, um eben einen Kaffee zu trinken. Und immer mal wieder treffe man auch auf Bekannte zum Quatschen.

Ein paar der Ladenlokale des überschaubaren Freiluft-Shoppingzentrums stehen leer, doch die meisten zeigen Leben. Nagelstudio, Pilates-Räume, Banken, ein Tierarzt, ein Delikatessengeschäft samt Metzger, eine Bäckerei, ein Eisenwarengeschäft, eine Reinigung, ein Modeladen, ein Juwelier, ein Supermarkt mit Gartenzubehör im Außenbereich – von allem etwas eben. Nicht zu vergessen die Bars und Restaurants, die unter anderem mit Pizza, Sushi oder Wok werben.

„In den Urbanisationen wohnen sehr viele Ausländer", berichtet die blonde Verkäuferin im Schreibwarenladen, der ebenfalls im Einkaufszentrum untergebracht ist. „Und die allermeisten sind Deutsche." Wie auf Kommando kommt ein Mann herein und legt eine deutschsprachige Zeitung auf den Tresen. Er stellt sich als Jürgen aus Puigderrós vor. Er habe die Eigentumswohnung in dem schmucken Mehrfamilienhaus vor zehn Jahren gekauft. Wegen des Gemeinschaftspools und wegen der Ruhe. „Wenn ich in Deutschland bin, brauche ich den Großstadttrubel, aber hier stört es mich überhaupt nicht, dass keine Bars und Läden um die Ecke sind." Ins Einkaufszentrum kommt er trotzdem fast täglich. Um Bekannte zu treffen, und wegen der Zeitung natürlich. „So ganz den Kontakt zur Außenwelt verlieren will man ja dann doch nicht."

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