26. September 2018
26.09.2018

Mallorca-Deutsche fühlen sich übergangen

Der Ort S'Alqueria Blanca bei Santanyí soll durch eine Umgehungsstraße vom Durchgangsverkehr entlastet werden. Doch nicht alle sind mit den Plänen des Inselrats von Mallorca zufrieden

26.09.2018 | 01:00
Über ihre Grundstücke soll die Straße verlaufen: Constantin Kiesow (li.), Bärbel Breiner und ihr Lebensgefährte Frank

Wer in das Grundstück von Bärbel Breiner auf Mallorca einbiegt, der gelangt in eine Idylle. Steineichen und helle Sonnensegel spenden Schatten, das Wasser eines Außenpools glitzert verführerisch. Und es ist himmlisch still. „Noch", sagt Breiner und verzieht ihr Gesicht. Wenn sie Pech hat, dann wird die Idylle statt von Feldern bald von einer viel befahrenen Schnellstraße begrenzt.

Gut vier Jahre ist es nun her, dass die Deutsche zusammen mit ihrem Lebensgefährten Frank das Grundstück erwarb. Extra außerhalb, extra in der Natur, mehr als einen Kilometer vom Ortskern von S'Alqueria Blanca ­entfernt, angrenzend an die Ausläufer des ­Naturschutzgebiets Mondragó. „Damals hat uns der Makler sogar zugesichert, dass hier ­keine ­Straße entstehen wird."

Offensichtlich eine Fehleinschätzung. Denn beim Inselrat von Mallorca hat man andere Pläne: Eine Umgehungsstraße soll her, um das hohe Verkehrsaufkommen in S'Alqueria Blanca zu mindern. Rund 7.000 Fahrzeuge fahren im Sommer täglich durch die enge Hauptstraße. „Die Anwohner beschweren sich seit Jahren, eine Umgehungsstraße ist absolut notwendig", erklärt der zuständige Bürgermeister von Santanyí, Llorenç Galmés, auf Nachfrage der MZ. Über die Frage, wo eine solche Umgehungsstraße am besten herführen sollte, hält er sich aber bedeckt. „Das ist Sache des Inselrats."

Fünf Alternativen hatte der Inselrat bereits vor Monaten erarbeitet. Alles Routen, die südlich der Ortschaft entlangführen sollten. „Und sie alle basieren auf Straßen, die noch gar nicht existieren", kritisiert Bärbel Breiner. Sie versteht zwar den Wunsch der Menschen im Ort nach einer Verkehrsberuhigung. Doch dass der Inselrat nun eben jene Route präferiert, die direkt an ihrem Grundstück vorbeilaufen soll, kann sie nicht gutheißen.

„Hier stand einmal ein ganz altes Bauernhaus", sagt sie und deutet auf ihr Wohnhaus. Jetzt ist alles renoviert, auch das 26.000 Quadratmeter große Grundstück ist gepflegt. Es gibt heimische Pflanzen und Solarpanele.
Breiner und ihr Lebensgefährte haben viel investiert in den vergangenen Jahren. „Wir suchten die Ruhe. Wenn sie hier tatsächlich die Straße hinbauen, dann müssen wir wohl verkaufen." Trotz des Wertverlusts, den eine angrenzende Umgehungsstraße mit sich bringen dürfte.

Sollte tatsächlich die vom Inselrat präferierte Route umgesetzt werden, dann träfe es neben seltenen Vogelarten und Landwirten vor allem die Grundstücke von rund 20 Familien, schätzt Breiner. Allen voran das von Constantin Kiesow. Er ist Nachbarn von Bärbel Breiner und ebenfalls Deutscher. „Wenn man sich die Pläne des Inselrats anguckt, dann sieht man, dass die Straße wohl direkt durch unser Grundstück führen soll", sagt Kiesow und ­deutet auf eine Landkarte vor sich, auf der eine rot-blaue Linie eingezeichnet ist. „Hier ist der ­Gemüsegarten, den mein Großvater seit Jahrzehnten bewirtschaftet", sagt er. „Hier, direkt unter der Linie." Er versteht nicht, warum die neue Straße so weit außerhalb des Orts verlaufen soll. Am meisten aber ärgert es ihn, dass ihn bis heute niemand persönlich darüber informiert hat, was die Politiker mit seinem Grundstück vorhaben. „Ich weiß nicht, vielleicht wollen die ja warten, bis sie mit den Baggern anrücken, ehe sie uns informieren."

Die, das sind federführend Joan Cifre und sein Team. Der Direktor für Infrastruktur im Inselrat ist es, der sich in den vergangenen Jahren dafür eingesetzt hat, dass der Forderung der Einwohner von S'Alqueria Blanca nach einer Lösung des Verkehrsproblems endlich nachgegangen wird. „Irgendwen trifft es nun einmal, egal, für welche Route wir uns entscheiden. Also wird sich auch immer irgendjemand beschweren. Aber wir haben bei der Planung darauf geachtet, dass kein Wohnhaus betroffen ist", sagt er auf MZ-Nachfrage. Auch fehlende Informationspolitik will er sich nicht vorwerfen lassen. „Wir können nicht ­jeden Einzelnen benachrichtigen, und außerdem ist es Aufgabe des Rathauses, die öffentliche Ausstellung der Pläne publik zu machen. Das ist ja auch geschehen."

Bis zum 19. September hatten die Anwohner Zeit, Einspruch zu erheben. Danach werde das Projekt gründlich auf Umweltverträglichkeit geprüft und dann erst endgültig festgezurrt. „Wir gehen stark davon aus, dass es realisiert wird, aber es kann noch gut vier Jahre dauern", so Cifre.

Bärbel Breiner, Constantin Kiesow und zwei weitere deutsche Familien lassen sich davon nicht einschüchtern. Sie sind schon selbst beim Inselrat vorstellig geworden. „Immer auf unsere Initiative hin natürlich", so Kiesow. Jetzt planen sie eine Protestplattform im Internet und haben gemeinsam einen Anwalt eingeschaltet, der fristgemäß Einspruch erhoben hat. „Jetzt heißt es erst einmal abwarten", so Breiner. „Vielleicht kommt ja doch endlich mal jemand aus der Politik auf uns zu."

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