10. Oktober 2018
10.10.2018

Hintergrund: Notfallpläne - so reagiert Mallorca im Katastrophenfall

Es gibt neben einen allgemeinen Notfallplan auch einen speziellen für Überschwemmungen. Ein Problem sind zugemüllte Sturzbäche. Entscheidungen über Schadensersatzzahlungen werden in Madrid getroffen

10.10.2018 | 10:34
Einsatz von Rettungshelfern bei einer Überschwemmung in Binissalem.

Wolkenbruch, überschwemmte Straßen, anschwellende Sturzbäche – im Herbst kommt es immer wieder auf Mallorca zu extremen Wettersituationen. Um wie jetzt nach der Katastrophe im Inselosten, bei der mindestens fünf Menschen ums Leben kamen, angemessen reagieren zu können, gibt es auf den Balearen neben dem allgemeinen Notfallplan für widrige Wetterlagen (Meteobal) auch ein spezieller Notfallplan für Überschwemmungen (Inunbal) – jedes Jahr ab September sieht er angesichts drohender Herbstgewitter eine allgemeine Bereitschaft vor. „Wir können viele Pläne ausarbeiten, aber wenn die Informationssysteme nicht besser integriert werden, bringt das wenig", sagte Pedro Orfila, Leiter der balearischen Notfallzentrale 112, bei einer Tagung auf Mallorca Ende 2017.

Ein Problem: Viele Wetterphänomene erweisen sich aufgrund des Mikroklimas in vielen Gebieten der Inseln als sehr lokal und schwer vorhersehbar. Als Beispiel nannte Orfi la einen Erdrutsch infolge von Starkregen im Gebiet von Es Cubells auf Ibiza: Was mit einem Anruf in der Notrufzentrale gegen 3 Uhr nachts wegen eines Steinschlags begann, gipfelte in einer Straßensperrung und der Evakuierung von 30 Häusern. „Wir sind voll und ganz auf die Informationen der Anrufer angewiesen", so Orfi la, „viele Küstenbewohner sind aber Ausländer und kennen unser Notfallprotokoll nicht."

Das Problem mit den Stürzbächen auf Mallorca


Es gibt detailierte Pläne aller zehn relevanten Sturzbäche auf Mallorca mit ihren insgesamt rund 35 Kilometern Länge. Die von Überflutung bedrohten Gebiete sind darin eingezeichnet – einschließlich der Zahl der betroffenen Anwohner und Wirtschaftsbetriebe, einer abgestuften Farbskala zum statistisch berechneten Risiko der Überflutung sowie Empfehlungen für Prävention und Schutzmaßnahmen.

Immerhin zehn Prozent der Balearen-Bewohner leben in von Überschwemmungen bedrohten Gebieten. Andererseits klappt es nicht mit der so trivialen wie essenziellen Reinigung der Bachläufe, in denen das Regenwasser schnell ablaufen muss. „Die öffentliche Verwaltung hat wenig Personal, wir müssen diese Reinigungsarbeiten extern vergeben", sagt Maria Far, zuständigen Koordinatorin im balearischen Wasserwirtschaftsamt. Und da viele Bewohner die torrentes leider als Müllkippen missbrauchten, komme die Reinigung oftmals einer Sisyphusarbeit gleich. „In vielen Fällen könnten wir im Prinzip am Tag da rauf gleich wiederkommen."

Als weiteres beträchtliches Problem sieht die Expertin zudem die Raumordnungspolitik, bei der die Überflutungsgefahr bislang zu wenig berücksichtigt worden sei. Dabei wäre dies die effektivste Methode, um Überschwemmungen vorzubeugen, so Far mit Verweis auf die Zuständigkeiten beim Inselrat und in den Rathäusern. Wenn dann „Land unter" ist, wird der Ruf nach Schadensersatzzahlungen laut.

Schadensersatz

Die Anträge der betroffenen Regionen landen auf dem Tisch von María Ángeles Gómez, Leiterin der zuständigen Abteilung im spanischen Innenministerium in Madrid. Damit die Balearen, wie beispielsweise nach den Überschwemmungen zu Jahresbeginn, Gelder aus einem großen, dafür vorgesehenen Topf in Madrid bekommen, beantragen sie die Erklärung der Inseln zum Notfallgebiet (zona afectada gravemente por una emergencia de protección civil). Darüber entscheidet dann der spanische Ministerrat und erlässt eigens ein Gesetz. Doch auch hier sieht die Praxis oft anders aus. Viele Hoffnungen seien überzogen, so Gómez. Zunächst seien ohnehin die Versicherungen gefragt. „Und wenn Sie Zweithausbesitzer sind und gut verdienen, bleiben Sie sowieso außen vor.

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