04. Januar 2019
04.01.2019

Wo sind denn nur die Einwohner von Calvià hin?

Offiziell leben nur noch knapp unter 50.000 Menschen in der Gemeinde auf Mallorca. Das erschwert die Beantragung von Subventionen, auch der Gemeinderat muss schrumpfen. Im Rathaus ist man überzeugt, dass die Grenze spielend übersprungen werden kann – wenn sich alle den Regeln entsprechend anmelden

04.01.2019 | 01:00
Daniela Katzenberger dürfte eine der prominentesten Teilzeit-Residentinnen von Calvià sein. Ob sie auch angemeldet ist, wissen wir nicht.

Calvià kämpft gegen den Bevölkerungsschwund. Die Gemeinde verliert seit Jahren Einwohner und hat inzwischen die Schallmauer von 50.000 unterschritten. Zumindest in den offiziellen Tabellen des spanischen Statistikinstituts (INE). Das sorgt für einige Unbilden im Ort. So verliert die Verwaltung nach den Wahlen im kommenden Frühjahr vier Gemeinderäte. Statt bisher 25 wird es dann nur noch 21 Ratsleute geben. Zugrunde gelegt wird für diese Entscheidung die Einwohnerzahl, die das Statistikinstitut für den 1. Januar 2018 erhoben und am Mittwoch (2.1.) veröffentlicht hat. Da waren es 49.333 Menschen, die im Dorf Calvià und den dazugehörigen Orten gemeldet waren. Immerhin knapp 300 mehr als zur vergangenen Zählung am 1. Januar 2017, aber eben wieder 667 zu wenig.

Andreu Serra, Sprecher der regierenden Sozialisten im Rathaus und zuständiger Gemeinderat, will die Bedeutung der verlorenen Ratsleute im Gespräch mit der MZ nicht zu hoch hängen. „Wir hatten bis zum Jahr 2011 auch nur 21 Ratsmitglieder. Erst bei den Wahlen in jenem Jahr wurde die Zahl auf 25 Räte aufgestockt", sagt Serra. „Von daher sind wir es gewohnt, auch mit vier Personen weniger zu arbeiten." Die Qualität der Arbeit werde unter der Kürzung nicht leiden, glaubt der Sozialist. Statt bisher 13 Räten brauche es für eine Mehrheit in den kommenden vier Jahren dann eben nur noch elf Stimmen.

Wesentlich bedeutsamer dürfte für Calvià der Einwohnerrückgang beim Thema Subventionen werden. Orte mit über 50.000 Einwohnern haben deutlich bessere Karten, an Gelder aus den verschiedenen Töpfen zu kommen. Andreu Serra veranschaulicht das Problem: „In Spanien gibt es gerade mal 145 Gemeinden mit über 50.000 Einwohnern, wohingegen es Hunderte von Kommunen mit 20.000 bis 50.000 Einwohnern gibt, der nächstniedrigeren Bemessungsgrenze. Die Konkurrenz beim Kampf um Fördertöpfe, sei es von der Zentralregierung oder auch von der Europäischen Union, wird also deutlich stärker."

Und gerade für einen Ort wie Calvià kann das zu einem echten Problem werden, weil die statistische Einwohnerzahl vor allem in der touristischen Hauptsaison in keinem Verhältnis zur tatsächlichen Zahl der Menschen steht, die sich im Gemeindegebiet aufhalten. „In den Sommermonaten vervierfacht Calvià seine Einwohnerzahl", so Serra. Vor allem in den Bereichen Müllentsorgung oder Straßenreinigung brauche Calvià deutlich mehr Mittel als eine Stadt, in der die Einwohnerzahl stabil bei knapp 50.000 liegt. Die Großgemeinde hat sich ohnehin bereits mit anderen Touristenzentren zu einem Arbeitsbündnis zusammengeschlossen. „Wir wollen erreichen, dass die Zentralregierung die deutlich höhere Einwohnerzahl im Sommer berücksichtigt."

Die Sache mit den Subventionen ist laut Serra nicht an den Stichtag 1. Januar 2018 gekoppelt. Deshalb hofft die Gemeinde, bis zu den Wahlen im Mai über die vorläufigen Zahlen für das Jahr 2018 zu verfügen, die dann Calvià wieder mehr als 50.000 Einwohner bescheinigen sollen. „Die Zahlen, die uns derzeit für das Jahr 2018 vorliegen, zeigen uns, dass wir rund 2.000 Neuanmeldungen in Calvià hatten", sagt Serra. Und selbst wenn man die Wegzüge und die Sterbefälle dagegen aufrechne, sehe es so aus, als komme man wieder über die magische Grenze.

Firma sucht nach Ausländern

Um die Marke von 50.000 wieder zu knacken, hat die Gemeinde in diesem Jahr keine Mühen gescheut. Das Rathaus beauftragte sogar eine externe Firma, die dabei mithelfen sollte, ausländische Residenten ausfindig zu machen, die aus dem Register gefallen waren. Das Problem an der Sache: Während ein Spanier nach einer Anmeldung automatisch im Register verbleibt, fallen Ausländer, von denen die Gemeinde in den Jahren darauf nichts mehr hört, wieder aus der offiziellen Statistik heraus. „Die Firma hat einige solcher Residenten ausfindig gemacht, die auch tatsächlich noch hier leben", sagt Serra. Signifikant sei das allerdings nicht gewesen. Wesentlich mehr wäre Calvià damit gedient, wenn sich alle Ausländer, die sich mehr als 183 Tage in der Gemeinde aufhalten, auch tatsächlich beim Rathaus anmelden würden.

Vor allem wohlhabende Deutsche und Briten, die mehr als sechs Monate im Jahr in Calvià leben, schrecken vor einer Anmeldung im Rathaus aufgrund vermeintlicher Steuernachteile zurück. Weil etwa die im Jahr 2011 wiedereingeführte Vermögenssteuer auch für ausländische Residenten gilt, haben danach viele finanziell Bessergestellte ihren Wohnsitz auf den Balearen abgemeldet. Hinzu kommt das im Jahr 2012 eingeführte und zwischenzeitlich von der EU monierte Modelo 720, das zur Offenlegung größerer Auslandsvermögen verpflichtet. Der Effekt dieser beiden Stellschrauben war unmittelbar zu spüren: Die Zahl der gemeldeten Einwohner der Großgemeinde Calvià nahm zwischen den Jahren 2013 und 2017 um rund 3.000 auf schließlich nur noch 49.036 Personen ab.

Darüber hinaus melden sich viele Ausländer erst gar nicht an, beispielsweise um ihre deutsche Rente nicht zu versteuern. Zu allem Überfluss kommt auch noch der Brexit-Effekt zum Tragen. „Einige Briten haben sich abgemeldet, weil sie nach dem Brexit Nachteile für sich befürchten", sagt Serra. Dabei seien die Ängste unbegründet. Inzwischen habe man deswegen Informationsveranstaltungen in Zusammenarbeit mit dem Foreign Office und dem Konsulat auf die Beine gestellt. Rund ein Fünftel der Bevölkerung von Calvià stellen Briten und Deutsche.

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