02. Februar 2019
02.02.2019

AWO-Kita auf Mallorca will nichts von einem Ultimatum wissen

Dass die deutsche Arbeiterwohlfahrt in Santa Maria einen Kindergarten finanziert, hat für viel Ärger gesorgt. Die Leiterin empfängt die MZ und nimmt zu den Vorwürfen Stellung

02.02.2019 | 01:00
Der Hof des AWO-Kindergartens in Santa Maria. Es gibt unter anderem einen Pool, einen Freisitz, mehrere Orangenbäume und Spielgeräte.

Mittlerweile haben sich die Wogen in der deutschen Presselandschaft wieder etwas geglättet, was die Kritik am Kindergarten der Arbeiterwohlfahrt (AWO) in Santa Maria betrifft. Aus dem Weg geräumt ist der Fall aber auch mehr als drei Monate nach den ersten kritischen Artikeln in deutschen Medien nicht. Die MZ hat mit der Leiterin des Kindergartens, Ariane Bartsch, einen Ortstermin vereinbart. Das sei insofern etwas Besonderes, sagt sie, weil mehr als 20 eigens aus Deutschland angereiste Kollegen vergeblich bei ihr um Einlass gebeten hätten. Mehrere Zeitungen warfen ihr mangelnde Transparenz vor. Sie habe wohl etwas zu verbergen, hieß es.

„Die ganze Debatte hat mich sehr ermüdet", sagt die frühere Bereichsleiterin für Familie und Kitas bei der AWO in Mecklenburg-Vorpommern, während sie die MZ durch die Räumlichkeiten des Kindergartens führt. Die Räume sind groß und hell, die Einrichtung macht einen freundlichen Eindruck. An einer Wand hängt ein Schaubild zu Sant Antoni mit Erklärungen auf Deutsch und Spanisch. Die Erziehung laufe zweisprachig ab, sagt Bartsch, die lieber nicht auf einem Foto erscheinen will. Die beiden Erzieherinnen, beide Spanierinnen, sprechen auch Deutsch.

Knappe 200 Quadratmeter ist das ehemalige Wohnhaus in der Avinguda Jaume III groß, das der AWO Kreisverband Schwerin-Parchim für rund eine halbe Million Euro umbaute und renovierte. Zum Teil habe es sich wohl um Rücklagen gehandelt, berichtet der NDR. Den mit 400.000 Euro deutlich größeren Teil der Renovierungskosten aber sei wohl mit einem Kredit gestemmt worden.

Fragen zur Finanzierung will Bartsch nicht beantworten. „Die Wirtschaftsprüfung hat ergeben, dass alles rechtens war", sagt sie. Diese Prüfung hatte der AWO-Landesverband initiiert, der sich ebenso an der Kita auf der Ferieninsel störte wie der Bundesverband der dezentral organisierten AWO. Die Prüfung ergab, dass die Einrichtung sowohl satzungskonform als auch gemeinnützig ist. Trotzdem: Man teile die Bedenken des Bundesverbandes an dem Kindergarten, so der Vorsitzende des Landesverbandes, Uwe Kunik, Ende November gegenüber dem NDR. Der Kreisverband Schwerin-Parchim wäre gut beraten, „sich auf die Belange der Menschen vor Ort zu konzentrieren." Kritik kam auch aus mehreren Parteien im Landtag von Mecklenburg-Vorpommern.

Insel-Fachkräfte nur „Fernziel"

Im Kreisverband Schwerin-Parchim, aus dem unter anderem die Leiterin Ariane Bartsch stammt, rechtfertigt man die Kindertagesstätte auf Mallorca damit, dass Fachkräfte von der Insel für ein Engagement in Deutschland angeworben werden sollen. Das allerdings wurde erst nach Bekanntwerden der Kritik an dem Projekt so offen kommuniziert. Ariane Bartsch erklärt es so: „Wir haben uns für den Kindergarten auf Mallorca Nah- und Fernziele gesteckt. Unter den Nahzielen war vor allem erst einmal der Aufbau der Einrichtung und die Organisation vor Ort. Die Anwerbung von Fachkräften war eines der Fernziele." Vielleicht habe man das schon zuvor offensiver kommunizieren sollen. „Wir denken doch heute global. Warum soll das nicht auch eine Wohlfahrtsorganisation tun?", fragt Bartsch. Medien in Deutschland hatten im Zusammenhang mit dem Kindergarten über eine vermeintliche „Belohnung" für eine langjährige AWO-Mitarbeiterin spekuliert. Bartsch stand dem Kreisvorstand in Schwerin nahe.

Der AWO-Bundesverband hat Bartsch nun ein Ultimatum gesetzt. Die Maßgabe lautet: „Wenn bis Ende Juni 2019 keine konkreten Zahlen zur Anwerbung spanischer Erzieher und Sozialpädagogen vorliegen, muss das Engagement beendet werden." Bartsch hält davon nicht viel. Zum einen handle es sich bei diesem Ultimatum um eine „Empfehlung". Zum anderen glaubt sie nicht, dass sie bis Juni konkrete Ergebnisse vorlegen kann. Inzwischen sei die Zusammenarbeit mit der Balearen-Universität UIB angelaufen. Dort wolle man demnächst, wohl ab März, die ersten Praktikanten vorbeischicken. „Ob die dann innerhalb von drei Monaten so weit sind und alle Kenntnisse erworben haben, dass sie in Deutschland als Erzieher arbeiten könnten, kann man sich an fünf Fingern abzählen", sagt Bartsch. „Ganz abgesehen von den Sprachkenntnissen."

Bald mit spanischer Lizenz

Weitergekommen ist Bartsch inzwischen bei der Beantragung der spanischen Lizenz. Am Dienstag (15.1.) sah sich eine Mitarbeiterin des Bildungsministeriums die Einrichtung an. Sie sei „begeistert" gewesen, weshalb der AWO-Kindergarten bereits in Kürze mit einer spanischen Lizenz rechnen kann. Das bestätigt eine Sprecherin des Bildungsministeriums. „Die Lizenz ist bereits beantragt und wird in Kürze ausgestellt." Die Eltern der derzeit 18 Kinder stünden ohnehin geschlossen hinter der Einrichtung, sagt Bartsch. Sie zahlen jeden Monat rund 600 Euro Gebühren.

Und die Kinder? Sie wirken beim MZ-Besuch glücklich, ernten mit ihren beiden spanischen Erzieherinnen Orangen und rasen mit kleinen Tretrollern über den Hof.

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