18. Februar 2019
18.02.2019

Mallorca-Urlaub auf der XXL-Finca

Die Initiative "Itinerem" will historische Landgüter durch die touristische Vermarktung vor dem Verfall retten. Zehn Herrenhäuser bereits am Start

18.02.2019 | 11:24

Wie wäre es, den Mallorca-Urlaub statt in einer Bettenburg am Strand oder einer Ferienwohnung in einem 700 Jahre alten Herrenhaus, einer sogenannten possessió, zu verbringen? Möglich ist das dank verschiedener Angebote in agroturismos schon länger, bisher fehlte allerdings eine gemeinsame Vermarktungsplattform. Das hat sich nun dank der Initiative „Itinerem" geändert.

Gründervater des Projekts ist Diego Zaforteza, der aus einer Familie stammt, die 34 possessions ihr Eigen nennt. Ursprünglich ging es dem Mallorquiner zunächst darum, die Herrenhäuser bekannter und der Bevölkerung in Form von Führungen zugänglich zu machen, um auf das große Problem der possessions aufmerksam zu machen: Viele Eigentümer können sich den Unterhalt der riesigen Anwesen nicht leisten und lassen sie schweren Herzens verfallen.

Der zweite Schritt der Initiative ist nun die touristische Vermarktung der XXL-Fincas. Das Potenzial ist groß: 1.254 possessions gibt es auf Mallorca laut der Karte von Kardinal Despuig, der im Jahr 1785 eine vollständige Inventur der Anwesen vornahm. 300 von diesen Herrenhäusern werden heute bereits in welcher Form auch immer vermarktet, sei es für die Veranstaltung von Hochzeiten oder anderen Veranstaltungen oder auch als Unterkunft für Urlauber. Auf rund 150 der possessions können Touristen übernachten.

Die Plattform „Itinerem" ist zunächst nur mit zehn Herrenhäusern gestartet. Derzeit befindet sich die Website allerdings im Testmodus. Laut der Sprecherin von "Itinerem", Anna Eloy, sollen Reservierungen der zehn Herrenhäuser ab April möglich sein. Der Plan ist, „zu einer virtuellen Hotelkette zu werden, deren Mehrwert die Geschichte der Häuser ist", erklärt Diego Zaforteza. Eine herkömmliche Plattform wie Booking oder Expedia könne den Kunden nicht vermitteln, was eine possessió wirklich sei, sagt María Obrador, die ebenfalls am Projekt „Itinerem" beteiligt ist und selbst auf der possessió Es Cabàs nahe Santa Maria lebt.

Der potenzielle Kundenkreis ist natürlich deutlich kleiner als bei einem herkömmlichen Hotel, doch Diego Zaforteza hat vor allem unter den Deutschen und den Skandinaviern eine wachsende Begeisterung für die Geschichte der Insel im Allgemeinen und für die historischen Herrenhäuser im Besonderen ausgemacht. „Die Deutschen sind deshalb auch unsere Hauptzielgruppe", sagt Zaforteza der MZ. Allerdings soll auch der spanische Markt angesprochen werden, denn viele Festlandsspanier hätten keine Ahnung, was es mit den possessions auf der Insel auf sich habe. Für die Herrenhäuser ist die touristische Vermarktung oft die einzige Möglichkeit, Einnahmen zu generieren.

Der nächste Schritt von „Itinerem" ist nun, möglichst schnell weitere possessions ins Angebot mit aufzunehmen. Zaforteza hat sich schon an die Arbeit gemacht und sucht das Internet nach Herrenhäusern ab, die Übernachtungsmöglichkeiten anbieten. 98 hat er bereits ausfindig gemacht, knapp 60 weitere vermutet er. „Wir erhoffen uns von der Initative auch, dass sich Eigentümer von possessions, die bisher keine Urlauber aufgenommen haben, sich dem Projekt anschließen und eine Lizenz beantragen", sagt Zaforteza der MZ. Über die Höhe der Provision pro Übernachtung, die im Schnitt rund 140 Euro für zwei Personen pro Nacht kostet, möchte man bei „Itinerem" nichts sagen. Allerdings sei sei geringer als bei vergleichbaren Portalen, wie eben Booking oder Expedia. Diese behielten teilweise bis zu 30 Prozent des Preises für die Übernachtung ein.

Zaforteza hat bereits den dritten Schritt im Kopf: Sein Ziel ist, dass „Itinerem" Teil einer europäischen Kulturroute mit anderen Mittelmeeranrainern, wie etwa Frankreich oder Sizilien, bildet, wo es ebenfalls eine große Zahl von Herrenhäusern gibt, die wie auf Mallorca in vielen Fällen von den Eigentümern verlassen werden, weil sie den Unterhalt nicht bezahlen können – und somit verfallen. Eine gemeinsame europäische Route könnte dem Projekt weiteren Auftrieb geben und vielleicht so manche possessió vor dem Verfall retten.

Diese zehn Landgüter sind am Start:
Ca'n Torna, Esporles, 14. Jahrhundert (cantorna.com)
Es Cabàs, Santa Maria, 13. Jahrhundert (fincaescabas.com)
Gossalba, Sant Joan, 18. Jahrhundert (gossalba.com)
Mirabó, Valldemossa, 16. Jahrhundert (mirabo.es)
Sa Pedrissa, Deià, 17. Jahrhundert, Adults only (sapedrissa.com)
Son Cosmet, Campos, 13. Jahrhundert (soncosmet.com)
Son Esteve, Andratx, 14-.15. Jahrhundert (sonesteve.com)
Son Pont, Puigpunyent, 15. Jahrhundert (sonpont.com)
Son Siurana, Alcúdia, 18. Jahrhundert (sonsiurana.com)
Torrent Fals, Santa Maria, 16. Jahrhundert (torrentfals.com)

Zur Website: itinerem.com

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