25. Februar 2019
25.02.2019

Touristensteuer auf Mallorca 2019 - Tarife, Nachlässe, Debatten

Eine Übersicht inklusive Tabelle über die Abgabe, die alle Balearen-Urlauber pro Übernachtung zahlen müssen

25.02.2019 | 10:22
Wie viel Touristensteuer müssen Urlauber 2019 auf Mallorca zahlen?

Aktuelle Tarife

  • Fünf-Sterne- und Vier-Sterne-Superior-Hotels: 4 Euro (Nebensaison 1 Euro)
  • Vier-Sterne- und Drei-Sterne-Superior-Hotels: 3 Euro (Nebensaison 0,75 Euro)
  • Ein- bis Drei-Sterne-Hotels: 2 Euro (Nebensaison 0,50 Euro)
  • Ferienapartments (vier Schlüssel): 4 Euro (Nebensaison 1 Euro)
  • Ferienapartments (drei Schlüssel Superior): 3 Euro (Nebensaison: 0,75 Euro)
  • Ferienapartments (ein bis drei Schlüssel): 2 Euro (Nebensaison: 0,50 Euro)
  • An Urlauber vermietete Ferienhäuser und Fincas: 2 Euro (Nebensaison: 0,50 Euro)
  • Landhotels: 2 Euro (Nebensaison: 0,50 Euro)
  • Hostals, Pensionen und Campingplätze: 1 Euro (Nebensaison: 0,25 Euro)
  • Herbergen: 1 Euro (Nebensaison: 0,25 Euro)
  • Kreuzfahrtschiffe: 2 Euro (Nebensaison: 0,50 Euro)
  • jeweils zzgl. 10 Prozent Mehrwertsteuer (IVA)

Die Touristensteuer auf Mallorca ist in ihr viertes Jahr gegangen - und nach dem Wahlsieg der Sozialisten am Sonntag (26.5.) können sich Urlauber auf Kontinuität einstellen. Das Linksbündnis kann weitermachen. Die Ankündigung der oppositionellen Volkspartei (PP), die Touristensteuer in der Hauptsaison zu halbieren und in der Nebensaison ab zu schaffen, ist vom Tisch. 

Bereits seit Juli 2016 gilt auf Mallorca und den anderen Balearen-Inseln die "Ecotasa" - alternativ auch Übernachtungssteuer, Bettensteuer, Kurtaxe oder Tourismussteuer genannt. Ihr offizieller Name lautet "impuesto del turismo sostenible", also Steuer für nachhaltigen Tourismus. Die Touristensteuer müssen alle – oder zumindest fast alle – Urlauber pro Übernachtung entrichten. Mit den Einnahmen werden vor allem Umweltprojekte finanziert. Die wichtigsten Infos im Überblick:

Wie hoch ist die Gebühr?

Die Übernachtungssteuer fällt seit 2018 doppelt so hoch aus wie in der Saison davor. Doch der verdoppelte Tarif gilt nur für die Hauptsaison, also zwischen Mai und Oktober. In den Wintermonaten wird der ermäßigte Tarif beibehalten, der also nun ein Viertel der Abgabe während der Hauptsaison ausmacht.

Unterschieden wird bei der Berechnung der fälligen Touristensteuer wie auch bisher nach der Art der Unterkunft: Während in Luxushotels 4 Euro Bettensteuer pro Person und Nacht fällig werden, ist es etwa in Wanderhütten nur 1 Euro pro Tag und Person (siehe Tabelle).

Ein Beispiel könnte so ausfallen: Eine vierköpfige Familie mit zwei Kindern unter 16 Jahren zahlt zwischen 56 und 84 Euro für eine Woche Mallorca in der Hauptsaison. Der tägliche Satz der Touristenabgabe entspricht damit laut balearischer Landesregierung zwischen 1,4 und 2,1 Prozent der durchschnittlichen Tagesausgaben.

Neben dem Rabatt für die Nebensaison (November bis einschließlich April) wird ab der neunten Übernachtung in derselben Unterkunft ein Nachlass von 50 Prozent gewährt. Auf diese offiziell mitgeteilten Preise muss dann noch eine Mehrwertsteuer von zehn Prozent aufgeschlagen werden. Kinder bis einschließlich 15 Jahren bleiben weiterhin von der Abgabe befreit.

Müssen alle zahlen?

Kinder unter 16 Jahren, Reisende über staatliche Seniorenprogramme (Imserso) und Angehörige, die Krankenbesuche abstatten, sind von der Gebühr befreit.

Gilt die Abgabe nur auf Mallorca?

Nein, auch auf den anderen Baleareninseln Menorca, Ibiza und Formentera muss die Übernachtungssteuer gezahlt werden.  

Was ist mit den Kreuzfahrtschiffen?

Seit 2018 bleiben auch Kreuzfahrtpassagiere nicht mehr außen vor, die sie sich weniger als zwölf Stunden im Hafen aufhalten. In ihrem Fall werden 2 Euro pro Tag und Person berechnet (Nebensaison 0,50 Euro). Ausgenommen von der Abgabe sind lediglich Passagiere auf Kreuzfahrtschiffen, die ihren Basis-Hafen in Palma de Mallorca haben.

Und die Ferienvermietung?

Theoretisch müssen alle Urlauber die Abgabe zahlen, auch wenn sie private Ferienwohnungen mieten. Allerdings sind viele dieser Ferienwohnungen offiziell nicht als solche angemeldet. Die Balearen-Regierung kontrolliert die schwarz angebotenen Ferienwohnungen jedoch immer strenger. (Hintergrund: Ferienvermietung auf Mallorca - Fragen und Antworten)

Wo zahlt man die Abgabe?

Urlauber zahlen bei Ankunft im Hotel an der Hotelrezeption. Die Reiseveranstalter weisen beim Buchen auf die Gebühr hin, bezahlt wird die aber erst im Hotel vor Ort.

Was passiert mit dem Geld?

Es wird vor allem für den Landwirtschafts-, Umwelt- und Denkmalschutz verwendet, aber auch Infrastruktur- und Innovationsprojekte sind förderungswürdig, die Entscheidung fällt einer Kommission mit Vertretern der Landesregierung, des Inselrats, der Gemeinden sowie weitererer Institutionen und Vereinigungen zu.

Die Projekte, in die die Einnahmen fließen, sind inzwischen zahlreich, auch wenn ihre Umsetzung erst nach und nach zu sehen sein wird. Knapp 123 Millionen Euro haben die Balearen im Jahr 2018 mit der Touristensteuer eingenommen. Im Vergleich zum Vorjahr stiegen die Einnahmen um 87,5 Prozent. Die genaue Summe der auf den Balearen kassierten Touristensteuer beträgt 122.782.295,20 Euro.

Nach Inseln aufgeschlüsselt wurde das meiste Geld auf Mallorca kassiert. Die 89,9 Millionen Euro der größten Balearen-Insel entsprechen 73,2 Prozent des Gesamtbetrags. Dahinter folgen Ibiza (18,7 Millionen Euro, 15,3 Prozent), Menorca (10,2 Millionen Euro, 8,3 Prozent) und schließlich Formentera (1,6 Millionen Euro, 1,3 Prozent). Auf den Kreuzfahrtschiffen wurden über 2 Millionen Euro kassiert. Die Summe der Einnahmen aus dem vergangenen Jahr ist allerdings noch nicht komplett, da noch die Gebühren aus der Ferienvermietung fehlen. Diese werden erst im Frühjahr 2019 abgerechnet.

Über die Verwendung der Einnahmen aus dem Jahr 2018 wurde im Oktober vergangenen Jahres entschieden. Viele der Vorhaben diesmal sozialen Charakter. Eine Übersicht finden Sie hier

Wo erhalte ich weitere Informationen?

Das balearische Tourismusministerium betreibt eine Website auf Spanisch, Katalanisch, Deutsch und Englisch, die über die "Steuer für nachhaltigen Tourismus" informiert (www.illessostenibles.travel) - dort soll auch ausführlich über die Projekte berichtet werden.

Was sagen die Hoteliers dazu?

Der mächtige Hoteliersverband FEHM hat sich von Anfang an vehement gegen das Projekt ausgesprochen, auch die beschlossene Verdopplung ist den Hoteliers sauer aufgestoßen. Gerade in einer Zeit, in der sich Konkurrenzdestinationen wieder erholten, sei die Verdopplung das falsche Signal, heißt es. Von einzelnen Hoteliers gab es aber auch verhaltene Zustimmung. Die Landesregierung rechnet offiziell nicht damit, dass wegen der Abgabe weniger Urlauber nach Mallorca kommen, und verweist auf die Bedeutung der finanzierten Projekte, die Einheimischen wie Urlaubern zugute kämen. 

Und was passiert, wenn im Mai die Regierung auf den Balearen wechselt?

Sollte es zu einem Regierungswechsel kommen, müssten sich Urlauber tatsächlich auf Änderungen bei der Touristensteuer einstellen. So hat der Vorsitzende der oppositionellen Volkspartei (PP) auf den Balearen, Biel Company, im vergangenen Januar eine Abschaffung der Nachhaltigkeitssteuer in der Nebensaison angekündigt, falls er an die Macht kommen sollte. Klar ist allerdings auch, dass die PP nicht alleine regieren würde, sie bräuchte auf jeden Fall einen oder zwei Koalitionspartner, die auch ein Wörtchen mitzureden hätten.

Auch in der Hauptsaison würde es laut den Ankündigungen von Company Änderungen geben. Man werde die Verdopplung der Sätze, die 2018 in Kraft getreten war, wieder zurücknehmen und die Beträge auf die ursprüngliche Höhe senken, so der konservative Politiker. Er schloss zudem nicht aus, die Steuer ganz und gar abzuschaffen, "wenn wir feststellen, dass sie die Wettbewerbsfähigkeit der Balearen als Tourismusziel erheblich belastet".

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