06. März 2019
06.03.2019

Nervöse Mallorca-Hoteliers auf der Tourismusmesse ITB

Buchungsrückgänge im zweistelligen Bereich: Der Mittwoch (6.3.) - erster Messe-Tag - ist gekennzeichnet von Anspannung. Aber auch von Trotz

06.03.2019 | 18:14
Nervöse Mallorca-Hoteliers auf der Tourismusmesse ITB
Messegelände in Berlin.

Die Balearen sind bei der Tourismus-Messe ITB in Berlin in diesem Jahr wirklich nicht zu übersehen. Das liegt zum einen daran, dass der Stand der Inseln im Vergleich zum Vorjahr um rund 25 Prozent gewachsen ist. Zum anderen ist die Insel Mallorca jetzt auch mit einem eigenen, gewaltigen Stand vertreten, nachdem im vergangenen Jahr der Inselrat die Zuständigkeit für die Tourismusvermarktung von der Landesregierung übernommen hatte. Und dann ist da ja auch noch Ibiza mit einem eigenen Auftritt, neben den Ständen mehrerer mallorquinischer Gemeinden.

Der geballte Auftritt scheint nötig, denn die Euphorie ist spürbar verflogen: Der erste Tag der ITB (6.3.) hat die sich für dieses Jahr abzeichnende Tendenz eines Urlauberrückgangs bekräftigt. Vor allem die in Kleingruppen zusammenstehenden oder -sitzenden Hoteliers machten besorgte Gesichter und zeigten sich mit fortschreitendem Tagesverlauf immer wortkarger. Dabei ist es nicht so sehr die Tatsache, dass weniger Deutsche kommen, sondern eher die Heftigkeit des Rückgangs – zumindest zum momentanen Zeitpunkt.

Die meisten Hoteliers rechnen derzeit mit zweistelligen Rückgängen für den Sommer. „Zurzeit haben wir 10 bis 15 Prozent weniger Buchungen als zum selben Zeitpunkt im Vorjahr", so Antoni Horrach, Generaldirektor der HM Hotels, zur MZ. Gabriel Llobera von Garden Hotels, der gleichzeitig die Vereinigung der Hotelketten auf Mallorca vertritt, jongliert mit ähnlichen Prozentzahlen. Und Aurelio Vázquez, der geschäftsführende Vorsitzende von Iberostar, bestätigt den Trend, auch wenn er keine konkreten Zahlen nennen will.

Auch im Norden der Insel rechnet man mit einem dicken Urlauberminus. Die Vorsitzende der Hoteliersvereinigung Can Picafort-Alcúdia, Carmen Zierer, berichtet: „Vor allem in Port d'Alcúdia spüren wir einen starken Rückgang der Buchungen. Can Picafort dagegen ist stabil, was wohl daran liegt, dass die Hotels kaum Renovierungen und damit keine Preiserhöhungen vorgenommen haben."

Doch nicht alle sprechen so negativ. Die Reiseveranstalter Alltours und Schauinsland rechnen mit ähnlichen Buchungszahlen wie im vergangenen Jahr. Bei Schauinsland macht man unter anderem die Image-Kampagne „Mallorca freut sich auf dich" mit verantwortlich für die stabile Nachfrage.

Die Touristensteuer ist nach wie vor einer der Hauptkritikpunkte der Branche, obwohl Umfragen ergaben, dass die Urlauber zu einem großen Teil die Abgabe akzeptieren. Doch angesichts der nervösen Stimmung war die Steuer auf der ITB wieder Thema. Hoteliers und Reiseveranstalter fanden mit dem Vorsitzenden der oppositionellen Volkspartei (PP) auf den Balearen, Biel Company, einen unerwarteten Unterstützer. Nachdem er bislang erklärt hatte, die Steuer im Falle eines Wahlsieges zwar senken, aber beibehalten zu wollen, preschte er auf der ITB mit der Forderung an Ministerpräsidentin Francina Armengol (Sozialisten) vor, die Steuer angesichts der Buchungsprognosen zumindest in diesem Jahr auszusetzen. „Armengol hat die Pflicht, der Branche unter die Arme zu greifen, um die Wettbewerbsfähigkeit der Inseln nicht zu gefährden."

Dabei trifft der Deutschen-Rückgang nicht nur die Balearen. Laut den neuesten Zahlen der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) haben die Deutschen im Januar insgesamt neun Prozent weniger Reisen gebucht als im Vorjahreszeitraum. Neben der Nachwirkung des Super-Sommers 2018 in Deutschland dürfte das vor allem an den ausgesprochen guten Zahlen aus dem vergangenen Januar liegen, als es deutliche zweistellige Zuwachsraten im Vergleich zu 2017 gegeben hatte.

Auch wenn sich die Hoteliers auf Mallorca auf ein schwieriges Jahr einstellen, wollen sie nicht versuchen, um jeden Preis ihre Häuser zu füllen. „Wir werden nicht generell die Preise senken, sondern auf einzelne Angebote setzen", so Horrach. Und Gabriel Llobera ergänzt: „Viele Hotels haben die Frühbucherrabatte bis März verlängert, die es normalerweise nur bis Januar gibt." Gori Bonet vom Hotel Can Bonico in Ses Salines spricht das aus, was viele seiner Kollegen denken: „Wir werden nichts verhökern. Dank der guten Jahre haben wir die Möglichkeit, eine zeitlang mit weniger Auslastung durchzuhalten." Daten der Vereinigung der Hotelketten zufolge ist ein Vier- oder Fünf-Sterne-Hotel selbst dann rentabel, wenn nur 60 Prozent der Zimmer belegt sind – den Preiserhöhungen sei dank. Vor allem die großen Ketten haben noch Luft, bevor sie sich auf einen Preiskampf mit den erstarkten Konkurrenten Türkei oder Ägypten einlassen müssen.

Und nicht zuletzt hat sich ja auch die Nebensaison positiv entwickelt. Nach Angaben des Statistik-Instituts kamen im Januar knapp 19 Prozent mehr Urlauber auf die Balearen als im Vorjahresmonat. Immerhin 48,9 Prozent davon waren Deutsche. Auch im Dezember war die Zahl schon deutlich gewachsen.

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