07. März 2019
07.03.2019

Reiseveranstalter auf der ITB:
"Es gibt durchaus Grund zur Panik"

Nur wenige Reiseveranstalter auf der ITB in Berlin finden so deutliche Worte über die Buchungsrückgänge bei den Hoteliers. Einige sprechen sogar von einem Buchungsplus. Ist also alles gar nicht so dramatisch? Die Wahrheit liegt wohl in der Mitte

07.03.2019 | 13:42
Auf der ITB in Berlin. Mitte: Tourismusministerin Bel Busquets umgeben von Reiseveranstaltern und Mitgliedern der Regierung sowie der Inselräte von Mallorca und Menorca.

Nachdem bereits am Mittwoch (6.3.) die Buchungszahlen in den Mallorca-Hotels die Agenda der Tourismus-Messe ITB bestimmt haben, waren am Donnerstag die Reiseveranstalter an der Reihe, ihre Prognosen für die Saison abzugeben. Und die Tendenz war durchaus überraschend. Während die Hoteliers nahezu durch die Bank zweistellige Rückgänge bei den Buchungen beklagen, scheint bei den meisten Veranstaltern eitel Sonnenschein zu herrschen. Zumindest offiziell will sich keiner der großen Reiseveranstalter die Blöße geben. Fast wirkt es so, als haben sie sich selbst einen Maulkorb auferlegt. In den vergangenen Jahren war es noch üblich, den Hoteliers für ihre Preiserhöhung die Meinung zu geigen.

Lediglich Nils Lübbe, Produktchef bei DER Touristik, fand klarere Worte: „Es gibt durchaus Grund zur Panik, vor allem angesichts der Preise der Hotels auf Mallorca und dem Wettbewerber Türkei, der regelrecht explodiert in diesem Jahr." Dass DER Touristik derzeit trotzdem auf Vorjahresniveau bei den Mallorca-Buchungen liege, erklärt Lübbe vor allem mit den harten Verhandlungen, die mit den Hoteliers in Sachen Rabatten geführt wurden. „Wir sagen seit zwei Jahren, dass die Preise nicht wettbewerbsfähig sind. So langsam kommt die Botschaft offenbar an", sagte Lübbe.

Die Vertreter der anderen Veranstalter zeigten sich deutlich zahmer. „Bei uns herrscht eine etwas andere Tendenz als im Gesamtmarkt von Mallorca", sagte beispielsweise Ralph Schiller, Geschäftsführer von FTI. Genauso hätte das aber auch Alltours oder Schauinsland sagen können. Bei FTI etwa entspreche die Buchungskurve der des Vorjahres, lediglich der Januar sei schwächer gewesen. Natürlich seien die Preiserhöhungen der Hotels auf Mallorca eine Herausforderung. „Man hat stark an der Preisschraube gedreht, aber auch in Qualität investiert", sagte Schiller.

Auch Hans Müller, von Thomas Cook, attestierte den Hoteliers große Verbesserungen in den Häusern. Allerdings seien die Hotelpreise für die Wettbewerbsfähigkeit der Insel problematisch. Die Verlängerung der Frühbucherphase mit Rabatten bis Ende März sei allerdings ein probates Mittel, um die Rückgänge der Buchungen im Rahmen zu halten. Zahlen wollten die Beteiligten eher ungern nennen, nur FTI spricht sogar von einem Buchungsplus für die Balearen von fünf Prozent zum momentanen Zeitpunkt.

Und auch Alltours und Schauinsland sind zumindest nicht unzufrieden mit den Buchungszahlen für die Saison. Zumal Mallorca zugute kommen dürfte, dass die Wettbewerber Türkei und Ägypten in den kommenden Jahren ebenfalls aufgrund von Investitionen in die Hotels die Preise anheben dürften, wie FTI-Chef Schiller andeutete.

Also alles gar nicht so dramatisch? Sieht so aus, sofern denn alle Beteiligten mit der Wahrheit herausrücken. Denn hier könnte der Hund begraben liegen. Andres Rüttgers, touristischer Leiter von Schauinsland, erklärte, dass es zwar bei seinem Unternehmen nicht schlecht laufe, im Gesamtmarkt allerdings ein Rückgang von 15 bis 20 Prozent festzustellen sei. "Wer etwas anderes behauptet, sagt nicht die Wahrheit", konstatierte Rüttgers. Hauptverantwortlich für die "schlechten Aussichten", wie Rüttgers es nannte, seien die Preissteigerungen sowie die häufigen negativen Nachrichten über Mallorca, wie Overtourism oder Verbote, die den Partytourismus an der Playa de Palma einschränken sollen.

Lesen Sie auch den Vorbericht: Nervöse Hoteliers auf der Tourismusmesse

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