21. März 2019
21.03.2019
Mallorca Zeitung

Wie geht es weiter mit den Schülerstreiks auf Mallorca?

Die weltweite Schülerbewegung gegen den Klimawandel hat nun auch Mallorca erreicht. Wer steckt dahinter? Und wie viel Potenzial haben die Schülergruppen auf der Insel?

21.03.2019 | 01:00
Mindestens 500 überwiegend junge Menschen zogen am vergangenen Freitag (15.3.) durch Palmas Innenstadt

Sie haben Plakate mitgebracht, große Banner und kleine Pappschilder. „In 80 Jahren wird Mallorca eine Wüste sein", ist darauf zu lesen. „Hier ist mehr Plastik als Gemeinsinn" oder „Ändern wir das System, nicht das Klima!" Es sind rund 500 Demonstranten – den Veranstaltern zufolge sogar etwa 800 –, die am Freitagvormittag (15. März) durch Palmas Innenstadt ziehen. Lärmend, engagiert, jung. Einige von ihnen sind noch im Grundschulalter und in Begleitung von Aufsichtspersonen, die meisten sind Teenager, auch ein paar junge Erwachsene sind dabei. Die internationale Schüler­bewegung „Fridays for Future", die weltweit Menschen auf die Straße treibt, ist auf Mallorca angekommen. Wer steckt dahinter?


Die Studierenden

In der Balearen-Universität setzt sich Eva Mangado einige Tage nach der Demonstration mit Martina Dono und einer Handvoll anderer Aktivisten zusammen, um die nächsten Schritte zu besprechen. Eco UIB nennen die Studierenden ihre Vereinigung, die sich seit Jahren für Umweltschutz einsetzt – und deren Mitglieder federführend daran beteiligt waren, dass am großen Streiktag neben den Schülern auch Studierende auf die Straße gingen. Eva Mangado ist 21 Jahre alt, brünett und studiert Biochemie. Schon immer habe sie sich für Umweltschutz interessiert, sagt sie. „Im Gespräch mit Umweltverbänden hatten wir schon lange das Gefühl, dass unsere Generation sich mehr einsetzen müsste", berichtet sie. Der Aufruf der schwedischen Schülerin Greta Thunberg, die den internationalen Schülerstreiktag am 15. März initiierte, sei der perfekte Anlass gewesen. Dass dafür Vorlesungen geschwänzt werden mussten, stört Eva Mangado nicht. „Welchen Sinn hat es, uns akademisch fortzubilden, wenn wir keine Zukunft haben?"

In einem zweiseitigen Manifest haben Eva und ihre Mitstreiter vor dem Streiktag gemeinsam ihre Anliegen zusammengefasst – und nehmen sowohl Bezug auf globale als auch auf regionale Probleme. Um den „Point of no return" zu verhindern, müsse sich laut der UNO bis spätestens 2030 vieles ändern, heißt es im Manifest. Und: „Wenn die Balearen die ganze Erde wären, bräuchten wir 5,7 Planeten, um den hier zelebrierten Lebensstil im Sommer aufrecht zu erhalten." Konkret fordern die Studierenden unter anderem die Einhaltung des Pariser Klimaabkommens, die Einführung von Fächern zur Umwelterziehung in jeglichen Bildungseinrichtungen, den Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs auf der Insel und den Baustopp in ländlichen Gebieten, vor allem für Makroprojekte wie das geplante Shopping-Center Palma Springs.


Die Schüler

Dass beim großen Streik nicht nur Studierende, sondern auch Schüler auf die Straße gingen, ist nicht zuletzt Diego Moncada zu verdanken. Seit knapp anderthalb Jahren engagiert sich der 18-Jährige in der balearischen Schülergewerkschaft Sindicat d'Estudiants. „Wir haben Kontaktpersonen in zahlreichen Gesamt- und Berufsschulen." Unverzichtlich seien natürlich auch die sozialen Medien. „Ohne die geht in unserer Generation kaum etwas. Durch sie erreichen wir die meisten Schüler."

„Der Kapitalismus tötet den Planeten" ist die Überschrift des einseitigen Manifests, das die Gewerkschaft anlässlich des Schülerstreiks verfasst hat. „Es sind die großen Konzerne, die Schuld sind am Klimawandel, und es darf so nicht weitergehen", sagt Diego Moncada. Wenn er sein Abitur an Palmas kirchlichem Col.legi Sant Pere abgeschlossen hat, will er Sozialarbeit an der Balearen-Universität studieren. „Wir haben oft mit dem Vorurteil zu kämpfen, dass sich unsere Generation nicht für Politik und Soziales engagiert." Auf einen Teil treffe das auch zu. „Und man muss ehrlich sagen: In Spanien sind wir nicht so breit aufgestellt, wie es in anderen europäischen Ländern der Fall ist."

Dennoch gebe es zahlreiche junge Leute, die genau wie er sehr wohl daran interessiert seien, ökologisch und sozial etwas zu ändern. „Es geht hier auch nicht darum, Jung gegen Alt zu mobilisieren. Nur wenn wir zusammenarbeiten kann wirklicher Wandel entstehen. Und da die meisten Schüler noch nicht wählen dürfen, bleiben uns nur Mittel wie Streiks oder Demonstrationen."


Die Wissenschaft

„Die jungen Leute haben zu hundert Prozent recht", bewertet der deutsche Nachhaltigkeitsberater und Biologe Daniel Wahl. Er lebt seit acht Jahren auf Mallorca und warnt seit jeher vor den Auswirkungen des Klimawandels. „Ich folge der Bewegung um Greta Thunberg seit Längerem. Politik und Wirtschaft hören ihr zu, weil sie mit einer Klarheit spricht, die wir Forscher so nicht erreichen. Das ist wunderbar", bewertet er. „Wir brauchen diese Mobilisierung, es ist schon fünf nach zwölf. Im Jahr 2080 könnte die Weltbevölkerung bereits um ein Achtel geschrumpft sein, wir haben nur noch diese eine Chance, den Klimawandel aufzuhalten. Und Dank der Schüler und Studierenden sehe ich Potenzial für einen transformativen Wandel."

Was die älteren Generationen Wahl zufolge nicht tun sollten, ist, sich angesichts der engagierten Jugendlichen zurückzulehnen. „Es muss ein Multigenerationenprojekt sein, die Bewegung braucht auch uns Experten." Wahl ging mit gutem Beispiel voran, und zog am großen Streiktag Schulter an Schulter mit den jungen Leuten durch Palmas Zentrum – ähnlich, wie andere Wissenschaftler, die weltweit im Kollektiv Scientists4Future die Bewegung unterstützen.


Künftige Aktionen

Wenn am kommenden Freitag (22.3.) in vielen Städten der Erde wieder junge Leute auf die Straße gehen, wird es in Palma vermutlich ruhig bleiben. Weder Eva Mangado von der Uni-Umweltgruppe noch Diego Moncada von der Schülergewerkschaft planen Aktionen. „Um jede Woche zu demonstrieren, fehlt uns hier die Kraft", sagt der 18-Jährige. Man werde aber weiter kämpfen, sind sich Schüler und Studierende einig. „Die Öffentlichkeit wird auch in Zukunft von uns hören", so Diego Moncada.

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