14. April 2019
14.04.2019

"Den Alkoholkonsum nicht banalisieren"

Tödliche Balkonstürze, Alkoholvergiftungen, bleibende Schäden - der Küstenort Magaluf darf nicht weiter Schauplatz für zügellosen Sauftourismus sein, mahnen Experten. Das Rathaus greift hart durch, doch nicht alle ziehen mit

14.04.2019 | 09:49
Die Partys in Magaluf sind nicht selten ausufernd

Eigentlich ist die Urlaubersaison im Küstenort Magaluf im Südwesten von Mallorca noch gar nicht richtig angelaufen. Trotzdem macht der vor allem bei britischen Partytouristen beliebte Urlaubsort bereits Schlagzeilen: Das zuständige Rathaus von Calvià hat in den vergangenen Wochen gleich zwei weitreichende Anzeigen gegen Gastronomen aus der Party-Szene erhoben - denn dem Sauftourismus soll der Kampf angesagt werden.

Eine der Anzeigen hatte das Rathaus Anfang April gegen acht Bars in Magaluf erhoben, die auf einer Homepage gemeinsam mit Angeboten für kostenloses Trinken lockten. 20 Stunden lang sollte es kostenlosen Alkoholausschank für die Kunden geben. Die andere Anzeige richtet sich nun gegen die Betreiber eines Partyboots, die 200 Touristen in Magaluf zusteigen lassen wollen, um auch ihnen Party mit unbegrenztem Trink-Limit zu bieten - dabei ist diese Aktivität an den Ladeplätzen von Magaluf verboten.

Es scheint, als mache die Gemeinde in diesem Jahr ernst beim groß angekündigtem Kampf gegen Exzesse, indem sie bereits vor Saisonbeginn saftige Strafen verteilt. "Wir wollen die Dinge im Keim ersticken", so auch der stellvertretende Bürgermeister Andreu Serra (PSOE). Einige Unternehmer im Dorf hätten noch nicht verstanden, dass es das "alte Magaluf" nicht mehr geben werde.

"Solange die gleichen Leute mit den gleichen Dingen weiter machen, ändert sich nichts", beklagte Serra - und bezog sich ganz klar auf den unkontrollierten Sauftourismus, der durch viele Gastronomen begünstigt werde. Tatsächlich gibt es noch immer zahlreiche Angebote, die vor allem junge Briten dazu verleiten sollen, bis zum Abwinken zu trinken, so auch ein Angebot eines britischen Unternehmers, der damit wirbt, dass seine Kunden für weniger als 100 Euro während ihres Aufenthalts Zutritt zu zahlreichen Partylokalitäten bekommen, ohne für die Getränke extra zu zahlen.

"Dadurch wird den jungen Leuten suggeriert: 'Besauf dich' und das ist sehr problematisch", so auch der Sprecher der balearischen Psychologenkammer José María Piñero. Man dürfte nicht vergessen, dass Alkohol eine Droge ist, die nicht banalisiert werden dürfe. "Es ist nicht das selbe, ein Bierchen zu trinken oder sich bewusstlos zu saufen. Dann sinkt unsere Selbstkontrolle gen Null", so der Psychologe. Dass das in Magaluf schon häufiger vorgekommen ist, zeigt die hohe Anzahl an Balkonstürzen im vergangenen Jahr, die nicht selten tödlich endeten.

Immerhin, da sind sich viele Experten einig, sei das allgemeine Bewusst bereits für die Problematik sensibilisiert. "Was jetzt noch fehlt ist, dass sich nicht nur ein Teil der Unternehmer, sondern alle im Sektor verantwortungsbewusst verhalten", so Montse Juan von der Bürgerplattform Plataforma per un Oci de Qualitat a Balears. /somo

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