13. Juni 2019
13.06.2019

Verprügelter Megapark-Türsteher verlässt die Intensivstation

Zwischen den rechtsextremen Fußballfans und der Disco-Security war es anscheinend schon vorher zu Rangeleien gekommen

13.06.2019 | 12:12
Nach dem Überfall am Freitag (7.6.) lag der 43-Jährige bis Mittwoch (12.6.) auf Intensivstation.

Dem Mitarbeiter der Diskothek Megapark, der nach einer Attacke durch mutmaßliche deutsche Neonazis verletzt im Krankenhaus auf Mallorca liegt, scheint es etwas besser zu gehen. Am Mittwoch (12.6.) wurde er schließlich von der Intensiv- auf die normale Station verlegt. Anscheinend konnte die befürchtete Querschnttslähmung nach der schweren Halswirbelsäulenverletzung abgewendet werden, wie die MZ-Schwesterzeitung "Diario de Mallorca" erfahren hat.

Derweil verdichten sich die Hinweise auf den rechtsradikalen Hintergrund der in Untersuchungshaft sitzenden mutmaßlichen Täter, die den 43-jährigen senegalesischen Türsteher des Megaparks am Freitagabend (7.6.) brutal zusammengeschlagen hatten. Online-Medien veröffentlichten Fotos aus den sozialen Netzwerken, demnach waren die beiden offensichtlich mit einer größeren Gruppe radikaler Fußballfans an der Playa de Palma unterwegs. Einer soll zudem einer Kampfsportgruppe angehören.

Der Überfall hatte am frühen Freitagabend (7.6.) im Megapark stattgefunden. Die Großdisco an der Playa de Palma öffnete um 21 Uhr die Türen. Der Vorfall trug sich kaum eine halbe Stunde später zu - wie es genau dazu kam, muss noch geklärt werden. Die beiden später festgenommenen jungen Deutschen gingen den Senegalesen im öffentlichen Bereich zwischen Rolltreppe und Show-Arena an. Die Aufzeichnungen der Sicherheitskameras werden zurzeit von der Polizei ausgewertet.

Inzwischen äußerten sich auch Teilnehmer der Gruppe gegenüber der "Leipziger Volkszeitung". Ihren Aussagen zufolge wurde der Türsteher nicht direkt und grundlos angegriffen, sondern es sei eine Rangelei zwischen einigen Fußballfans und Security-Mitarbeitern vorangegangen. Einer der Festgenommenen wurde aus der Disco geworfen, dabei wehrte er sich und schlug dem nun im Krankenhaus liegenden Türsteher ins Gesicht, worauf dieser zu Boden ging. Ein Kumpel habe danach anscheinend weiter auf den am Boden liegenden Senegalesen eingeschlagen.

Die Türsteher am Einlass brauchten nur kurze Zeit, um ihrem Kollegen zu Hilfe zu kommen. Da lag dieser bereits am Boden, während einer der beiden Angreifer laut Augenzeugen weiter auf ihn einschlug. Der 43-jährige Mann aus Senegal, mehrfacher Familienvater und langjähriger Mitarbeiter, verlor das Bewusstsein und blutete aus einem Ohr. Später konnte er die Beine nicht mehr bewegen, vermutlich aufgrund einer Verletzung der Halswirbelsäule. Rettungskräfte brachten ihn ins Krankenhaus. Dort wurde er am Montag operiert. Am Mittwoch verließ er die Intensivstation. 

Die mutmaßlich rechtsradikalen Täter – zwei aus einem Vorort von Leipzig stammende Deutsche im Alter von 20 und 21 Jahren – wurden bis zum Eintreffen der ­Polizei festgehalten. Ein Gericht in Palma wies sie am Montag in Untersuchungshaft ein. Die Ermittlungen führt die Mordkommission der Nationalpolizei. Untersucht wird vorerst wegen schwerer Körperverletzung. Bei der Überprüfung der Personalien zeigte einer der beiden sein Handy vor, weil er keinen Ausweis bei sich trug, sondern nur ein Foto davon auf dem Telefon. Dabei sollen die Polizisten Bilder von Hakenkreuzen und anderen rechts­extremen Symbolen erkannt haben. Andere ­Megapark-Besucher meinten, die Schläger als rechtsradikale Fußballfans des FC Lokomotive Leipzig erkannt zu haben.

Betroffenheit

„Die Kollegen hier und ich persönlich, wir sind alle geschockt", erklärt Megapark-Sprecher Sigi Holleis mit deutlich bewegter Stimme. Es handele sich um einen „sehr beliebten" Mitarbeiter, der seit Jahren für die Sicherheit in der Disco arbeite. Man schätze ihn auch wegen seiner besonders friedfertigen Art. „Das ist kein Türsteher, der sich vor dir aufbaut und in den Weg stellt", erklärt Holleis. Im Umgang mit Gästen oder Künstlern finde er „immer genau den richtigen Mittelweg". Im Unternehmen sei man sich einig, dass man sich jetzt vor allem um die Familie kümmern müsse, zumal nicht klar sei, wann und und wie der 43-Jährige wieder arbeiten könne.

Kampfbereite Hooligans

„Wir verurteilen diese Gewalttat aufs Schärfste, so wie wir auch jede weitere Gewaltattacke verurteilen", sagte Tomás Ibarz als Sprecher der Cursach-Gruppe der MZ. Man setze seit Jahren darauf, mögliche Gewalttäter gar nicht erst hineinzulassen. „Die Männer waren vorher nicht als gewalttätig aufgefallen, sonst wären sie nicht reingekommen", so Ibarz. Die beiden hätten auch keine rechtsextremen Symbole oder Tattoos zur Schau getragen.

Immer wieder treffen sich gewaltbereite Fußballfans deutscher Vereine auf Mallorca. Dass sie dabei gezielt Schlägereien suchen, zeigt auch die Tatsache, dass die Verhafteten Mund- und Zahnschützer bei sich trugen, wie sie im Kampfsport üblich sind. Die Fans nutzen auf Mallorca auch den Umstand aus, dass in Deutschland verbotene Symbole oder Nazigrüße in Spanien nicht geahndet werden.

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