07. September 2019
07.09.2019

"Endlich sprechen alle über das Seegras am Es Trenc"

Der neue Umweltminister Miquel Mir über umstrittene Bagger-Aktionen an dem Naturstrand, Konsequenzen aus der Trockenheit in diesem Sommer und seine Erwartungen an das Einweg-Plastik-Verbot auf den Balearen

07.09.2019 | 01:00
Es Trenc.

Miquel Mir ist noch keine zwei Monate im Amt, und trotzdem wirkt der neue balearische Umweltminister alles andere als unerfahren. Der Politiker der linksökologischen Regionalpartei Més per Mallorca und promovierte Geograf (Palma, 1985) war zuvor Generaldirektor für Naturschutzräume, mit die wichtigste Abteilung im Ministerium. Seine ersten Schlagzeilen machte Mir jetzt mit der Autorisierung zur Entfernung von angeschwemmtem Seegras am Naturstrand Es Trenc – was viele Strandbesucher stört, ist für Naturschützer Bestandteil eines intakten Ökosystems.

Es Trenc – ist der Strand heute vor allem Naturschutz- oder Erholungsgebiet?
Die Erklärung zum Naturschutzgebiet war eine der wichtigsten ökologischen und gesellschaftlichen Forderungen auf den Balearen. Seit dem offiziellen Beschluss des Balearen-Parlaments ist es seit zwei Jahren endlich so weit.


Vor Kurzem wurde am Strand von Es Trenc angeschwemmtes Seegras entfernt – eine Aktion, die Umweltschützer scharf kritisierten. Wie weit ist es her mit dem gesetzlich garantierten Naturschutz?
Das Seegras wurde in den vergangenen 60 Jahren ohne jegliche Kontrolle von sämtlichen balearischen Stränden entfernt – auch wenn sich kaum jemand dafür interessiert hat. Vor anderthalb Jahren verabschiedete die Landesregierung dann das Gesetz zum Schutz der Seegraswiesen. Vergangenes Jahr war das mediale Interesse zunächst noch auf Yachten gerichtet, die auf den Poseidongraswiesen ankern. Dieses Jahr rückt das Seegras am Strand in den Vordergrund. War davon bislang im August längst nichts mehr am Strand zu sehen – es wurde immer bereits im Mai und Juni vollständig entfern – findet es sich dieses Jahr überall am Strand. Das Gesetz erlaubt aber durchaus die Entfernung, nach Antrag und unter Aufsicht.

Die Bagger rückten jetzt Mitte August an. Welche Rolle spielte bei der Erlaubnis der aktuelle Bericht der balearischen Notrufzentrale, wonach das Seegras ein Risiko für die Badegäste darstellt?
Gar keine, das war eine vollkommen unabhängige Entscheidung, auch wenn es zeitlich zusammenfiel. Die Erlaubnis, örtlich begrenzt das Seegras zu entfernen, wurde noch vor diesem Bericht erteilt. Ich räume ein, dass ich ihn gar nicht zu Gesicht bekommen habe.

... und dass Sie mit dessen Aussagen auch nicht einverstanden sind?
Das möchte ich nicht bewerten, ich bin da kein Experte, und es ist nicht meine Zuständigkeit.

Der Umweltschutzverband Gob kritisierte die Aktion als falsch und schädlich.
Der Bericht zu den Bade-Risiken erschien am selben Tag in der Presse, als das Seegras entfernt wurde. Das konnte den Eindruck erwecken, dass beides zusammenhängt. Der Gob weist aber zu Recht auf einen falschen Umgang mit dem Seegras hin, wie er jahrzehntelang üblich war. Die Bagger transportierten auch große Mengen Sand mit ab. Das ist aber Vergangenheit. Wir haben nur die punktuelle Entfernung an den Badestellen erlaubt, man findet das Poseidongras aber weiter überall am Strand. Auf einem anderen Blatt steht, dass manche dagegen sind, es überhaupt anzurühren. Aber das ist eine öffentliche Debatte, wir richten uns nach der gültigen Gesetzeslage.

Verboten ist, das Seegras aus dem Meer zu entfernen oder die noch feuchten Blätter. Lief die Aktion am Es Trenc korrekt ab?
Laut den Berichten unserer Inspektoren – sie sind eine Art Umweltpolizei – war das der Fall. Ich verstehe aber auch, dass bestimmte Fotos Debatten auslösen. Endlich sprechen alle über das Seegras, das Bewusstsein für deren ökologische Bedeutung ist gewachsen. Noch vor fünf Jahren wäre das keine Nachricht gewesen.

Muss angesichts des Brands einer Yacht (s. re.) auch das Ankern limitiert werden?
Die Regulierung des Schiffsverkehrs fällt nicht in die Zuständigkeit von Parkverwaltung oder Landesregierung, sie ist Sache von Madrid.

Schlagzeilen gibt es noch ab und an zum Verkehrschaos. Ist der neue Parkplatz inzwischen hinreichend bekannt?
Er ist jeden Tag voll. Die Menschen kommen nur im Bus oder zu Fuß an den Strand. Die Parkflächen in den Dünen wurden eliminiert. Sie stellten ein Gesundheits- und Waldbrandrisiko dar, bis vergangenes Jahr kam wegen der am Seitenrand geparkten Pkw kein Kranken- oder Feuerwehrwagen durch. Stattdessen gibt es jetzt ein Park-and-Ride-System. Das Ökosystem ist seit Jahrzehnten dem Andrang der Besucher ausgesetzt. Bis 2017 gab es sogar sechs Restaurants, auch wenn sie offiziell als Strandbuden firmierten. Es gab bis zu 1.900 Sonnenliegen. Heute sind es nur noch 346, und die Chiringuitos sind nur noch Verkaufspunkte.

Diese Auflagen hat die spanische Küstenbehörde gemacht. Wie sieht es mit der weiteren Umsetzung des Landesgesetzes zum Naturschutzpark Es Trenc aus?
Angesichts der Trägheit der Verwaltung ist es ein Erfolg, dass wir ein halbes Jahr nach dem Beschluss bereits Personal zugewiesen hatten. Heute gibt es eine Direktorin und zwei weitere Stellen sowie einen Jahreshaushalt von 1,26 Millionen Euro. Mitarbeiter weisen vor Ort Wege aus. Sechs Mitarbeiter sind unterwegs, um Strandbesucher auf korrektes Verhalten hinzuweisen. Derzeit arbeiten wir intensiv an der Umsetzung des Besucherzentrums. Nach so vielen Jahren verfehlter Entwicklungen ist es nicht leicht, den Schalter umzulegen.

Auch das Gesetz zum Schutz der Seegraswiesen muss weiter umgesetzt werden – die Branche beklagt unvollständiges und nicht aktualisiertes Kartenmaterial.
Da widerspreche ich. Die Balearen sind das einzige Gebiet im Mittelmeerraum, das seit 2005 Karten über die Seegraswiesen hat. Es stimmt allerdings, dass die Technik fortschreitet, und deswegen aktualisieren wir bis nächsten Sommer mit einem von der Touristensteuer finanzierten Projekt die Kartografie.

Im Februar ist der Nationalpark Cabrera offiziell erweitert worden. Er ist auf das Neunfache seiner Fläche gewachsen. Welche Fortschritte zur Umsetzung gibt es seitdem?
Der Erweiterung ging ein langer, zäher Kampf voraus. Am Ende waren wir sehr zufrieden, allerdings gab es eine Änderung in letzter Sekunde, über die wir nicht informiert wurden. Demnach dürfen die Balearen nicht das hinzugekommene Gebiet verwalten, sondern nur das Kerngebiet. Damit sind wir nicht einverstanden. Da wir zu keiner Einigung kamen, haben wir das Verwaltungsgericht angerufen.

In Madrid gibt es derzeit nur eine geschäftsführende Regierung.
So einige Entscheidungen bleiben derzeit liegen, es ist praktisch nichts passiert. In Kürze habe ich aber wieder ein Gespräch in Madrid.

Stichwort Trockenheit: In den meisten Gebieten Mallorcas gilt derzeit die Vorwarnstufe. Gehen Sie davon aus, dass in Kürze vielerorts die Alarmstufe ausgerufen wird?
Es wäre nicht das erste Mal. Und im Unterschied zu anderen Regionen gibt es auf den Balearen einen riesigen Menschenandrang im Sommer. Wir müssen über Limits und unsere gemeinsame Verantwortung sprechen. Da sind die gesamte Verwaltung, Bürger und Urlauber, angesprochen.

Heißt das, dass die Zahl der Urlauber im Sommer sinken muss?
Diese Schlagzeile werde ich Ihnen nicht liefern ... Aber ich denke, dass die Menschendichte im Sommer ein Limit überschritten hat. Wir dürfen uns auch nicht allein auf die Entsalzungsanlagen verlassen. Ich bin dagegen, die Infrastruktur immer weiter auszubauen, das führt nirgendwo hin.

Zum Schluss ein Ausblick auf das Müllgesetz: Ab dem Jahr 2021 ist auf den Balearen der Verkauf von Einweg-Plastik verboten. Wie schwer dürfte Bevölkerung und Industrie die Umstellung fallen?
Das Bewusstsein in der Gesellschaft wächst stetig, und auch die Wirtschaft stellt sich darauf ein. Wir sehen derzeit eine ganze Reihe von Initiativen – die große Supermarktkette Mercadona beispielsweise führt nur noch Papiertüten. Auch bei den Hoteliers gibt es Initiativen. Werden im Januar 2021 die Einweg-Plastik-Produkte von einem Tag zum anderen verschwinden? Die Umstellung wird nicht allen leicht fallen. Es wird wohl so ähnlich laufen wie beim Rauchverbot: Am Anfang sah man noch Gäste in den Bars rauchen. Heute dagegen kommt das kaum noch vor.

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