25. Oktober 2019
25.10.2019

Was tun mit den Hotelbetten von Thomas Cook auf Mallorca?

Die unklare Zukunft der deutschen Ableger des Reiseveranstalters führt dazu, dass viele Häuser reservierte Kontingente neu verkaufen. Das könnte im kommenden Jahr für Komplikationen sorgen

25.10.2019 | 01:00
So einige Hoteliers auf der Insel belegen ihre Zimmer doppelt - zumindest, so lange unklar ist, ob es für die deutschen Thomas-Cook-Töchter weitergeht.

Dass die frei gewordenen Kapazitäten des insolventen Reiseveranstalters Thomas Cook auf Mallorca nicht gerade ein Ladenhüter sein würden, davon war auszugehen. Und tatsächlich haben sich die hauptsächlich deutschen Konkurrenten, seien es Tui, alltours, FTI, Der Touristik oder Schauinsland, bereits in den vergangenen Wochen in Stellung gebracht und sich große Teile der verfügbaren Betten für die kommende Sommersaison gesichert.

Wie die Verhandlungen konkret ablaufen, darüber will sich keiner der von der MZ angefragten Reiseveranstalter offiziell äußern. Informationen erhält man nur inoffiziell. Und diese relativieren vor allem das, was in der internationalen Presse zu lesen war. Da hieß es, dass die 400.000 Betten auf Mallorca für die Sommersaison 2020 bereits komplett auf andere Veranstalter umverteilt seien. „Das ist sicher so nicht richtig, und es wird auch nicht richtiger, wenn das eine Zeitung von der anderen abschreibt", sagt ein Insider von Thomas Cook. „Die Betten werden nicht aktiv umverteilt wie auf einem Basar, sondern die Hoteliers verkaufen das Kontingent, das sie mit Thomas Cook geschlossen haben, angesichts der derzeitigen Unsicherheit an Mitbewerber."

Dazu muss man wissen: Die Hoteliers auf der Insel, die mit Reiseveranstaltern zusammenarbeiten, verkaufen in der Regel an die Veranstalter ein gewisses Bettenkontingent, das die Veranstalter dann füllen. Da nun die Thomas-Cook-Kunden für die kommende Saison nach derzeitigem Stand wegfallen, sind die Hoteliers dazu übergegangen, die bereits an den britischen Reiseveranstalter und die deutschen Töchter Neckermann, Öger Tours, Bucher Reisen und andere verkauften Kontingente erneut auf den Markt zu bringen. Das bedeutet, dass in einigen Hotels momentan die Zimmer theoretisch doppelt belegt werden. Das bestätigt auch eine Führungskraft eines deutschen Mitbewerbers von Thomas Cook. „So lange die Zukunft der deutschen Töchter von Thomas Cook unklar ist, wird das über Doppelbuchungen funktionieren."

Zwar hat die deutsche Thomas Cook samt Töchtern alle Reisen bis Jahresende abgesagt. Dennoch wird hinter den Kulissen auf Hochtouren daran gearbeitet, für die deutschen ­Ableger einen Investor zu finden. „Die Geschäftsführerin Stefanie Berk ist momentan ­dabei, mit möglichen Investoren zu sprechen", so der Thomas-Cook-Insider. „Der Plan ist, dass ab 1. Dezember die deutschen Thomas-Cook-Gesellschaften wieder ihre Arbeit aufnehmen und Reisen ab 1. Januar 2020 verkaufen."

Die Geschäftsführung habe ein Schreiben mit der Bitte an die betroffenen Hoteliers geschickt, die bereits existierenden Reservierungen von ­Neckermann, Öger Tours und Bucher Reisen für ihre Häuser zumindest bis Anfang Dezember beizubehalten. Um wie viele Reservierungen es dabei allerdings geht, ist unklar. Die Zahl von 400.000 Betten halten sowohl Verantwortliche bei Thomas Cook als auch Konkurrenten für zu hoch angesetzt. „Diese Zahl ist nicht ­verifiziert, es gibt überhaupt keine allum­fassende Liste der Buchungen", heißt es etwa vonseiten des Veranstalters Thomas Cook.

Sollte es den deutschen Thomas-Cook-Töchtern gelingen, einen Investor zu finden, gibt es einiges an Arbeit. Dann hätten zahlreiche Hoteliers auf Mallorca und den anderen Destinationen Doppelbuchungen in ihren Zimmern – ein Präzedenzfall mit unklaren Folgen. „Ich gehe davon aus, dass wir dann mit jedem Hotelier einzeln sprechen müssen", sagt der Thomas-Cook-Insider.

Im Fall der Rettung von Neckermann und den anderen deutschen Gesellschaften dürfte man zudem von den Hoteliers andere Bedingungen aufgedrückt bekommen. „Die Zahlungsfristen werden sich wohl ändern." Schließlich war Thomas Cook in den vergangenen Monaten mit den Hoteliers übereingekommen, erst 60 Tage nach dem ­Urlaub der Kunden zu bezahlen. Das hatte dazu geführt, dass zum Zeitpunkt der Insolvenz am 23. September ein Großteil der Reisen der Hochsaison noch nicht bezahlt war.

Angebote für Pleite-Opfer

Unterdessen locken die Mitbewerber von Thomas Cook mit Angeboten für Urlauber, die von der Insolvenz betroffen sind. Tui etwa bietet derzeit an, im Fall einer Rettung der Thomas-Cook-Gesellschaften eine gebuchte Reise kostenfrei stornieren zu dürfen. Da es sich um ein relativ kleines Volumen handelt, rechnet man bei Tui nicht mit großen finanziellen Risiken. Die meisten Buchungen für die Sommersaison 2020 würden schließlich erst nach den Weihnachtsfeiertagen eingehen. Bei Tui kalkuliert man durch die Pleite des Konkurrenten mit einer halben Million Kunden mehr 2020, nicht wenige davon auf Mallorca.

Und FTI hat am Montag (21.10.) bekannt gegeben, rund 80 Prozent der Thomas-Cook-Hotels im Portfolio für den kommenden Sommer zu haben, darunter auch exklusive Häuser wie Sentido oder Casa Cook. Mit einem Rückgang der Buchungszahlen für Mallorca infolge der Pleite rechnet denn auch niemand.

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