02. November 2019
02.11.2019

"Der Islam-Unterricht wird genauso geregelt wie jedes andere Fach"

Erstmals sollen an einigen öffentlichen Schulen auf Mallorca auch muslimische Kinder etwas über ihren Glauben erfahren. Das sind die Hintergründe

02.11.2019 | 01:00
Antonio Morante ist als Generaldirektor im balearischen Bildungsministerium für die Schulen verantwortlich.

Ab kommendem Schuljahr soll Islamische Religion als Unterrichtsfach auf den Inseln angeboten werden. Das balearische Bildungsministerium hat ein entsprechendes Abkommen mit dem balearischen Vertreter der Islam-Kommission Spaniens unterzeichnet. Die Ankündigung sorgte für Schlagzeilen, nicht alle stehen der Entscheidung positiv gegenüber. Antonio Morante, der für die Schulen zuständige Generaldirektor der Landesregierung, über die Eckpunkte des neuen Islam-Unterrichts.

Steht Islamische Religion auch in anderen spanischen Regionen auf dem Lehrplan?
Soweit ich weiß, haben nur Katalonien, Murcia und die Balearen bisher noch kein Abkommen mit den lokalen Vertretern der Islam-Kommission unterzeichnet. Spanienweit gibt es derzeit rund 75 Lehrer, die Islamische Religion an öffentlichen Schulen unterrichten. Das Angebot geht auf ein Gesetz von 1992 zurück. Es beruht auf einer Vereinbarung zwischen dem spanischen Staat und den islamischen, jüdischen und evangelischen Gemeinschaften und sieht vor, für diese Glaubensgemeinschaften ein ähnliches Bildungsangebot zu schaffen wie für die katholische Kirche.

Warum dann erst jetzt, fast dreißig Jahre nach der Verabschiedung des Gesetzes?
Weil es bisher keine Nachfrage gab. Erst vor anderthalb Jahren hat sich die Islam-Kommission an uns gewendet und einen Antrag zur Einführung gestellt. Zudem haben wir auch individuelle Anfragen von Eltern erhalten.

Welche Ausbildung müssen die künftigen Islamlehrer vorweisen?
Die gleiche wie die der katholischen Religionslehrer. Sie müssen einen Hochschulabschluss haben, einen Master zur Erlangung der Lehrbefähigung sowie das Katalanisch-Niveau, das alle Lehrer auf den Inseln vorweisen müssen.

Der Islam-Unterricht wird also auf Katalanisch erfolgen?
In einer der beiden offiziellen Amtssprachen der Inseln, das ist vom Sprachprojekt der jeweiligen Schule abhängig. Der Islam-Unterricht wird genauso geregelt sein wie jedes andere Unterrichtsfach.

Und wer sucht die Lehrer aus?
Die Islam-Kommission schlägt Kandidaten vor, die dann von uns mit Hinblick auf die Erfüllung der Anforderungen ausgewählt werden. Bei den Religionslehrern der Insel läuft das genauso, da schlägt das Bistum die Lehrer vor.

Wie viele Schüler islamischen Glaubens gibt es denn auf den Inseln?
Rund 8.000 bis 8.500. Das heißt aber noch lange nicht, dass die auch alle Religionsunterricht beantragen werden.

Und nach welchen Kriterien werden diejenigen Schulen ausgesucht, an denen Islamische Religion angeboten werden soll?
Das ist noch nicht definiert, wir beginnen derzeit mit der Erarbeitung der Richtlinien. Derzeit steht nur fest, dass es im kommenden Schuljahr insgesamt 10 Schulen sein werden. Die jeweilige Nachfrage wird sicher eine Rolle spielen, aber auch andere Faktoren.

Die katholischen Religionslehrer befürchten eine bevorzugte Behandlung der islamischen Kollegen.
Ich verstehe ehrlich gesagt nicht, warum. Selbstverständlich müssen die Islam-Lehrer die gleichen Anforderungen erfüllen wie alle anderen Lehrerkollektive auch, eine Diskriminierung ist gesetzlich nicht möglich. Zudem müssen an jenen Schulen, die Islamische Religion in den Lehrplan aufnehmen, auch die anderen Alternativen, also katholische Religion sowie Ethik angeboten werden.

Haben Sie Verständnis dafür, dass Teile der Bevölkerung der Einführung des neuen Fachs skeptisch gegenüberstehen?
Es ist tatsächlich so, dass einige Leute deswegen beunruhigt sind. Man muss das einfach gut erklären. Die Verfassung schreibt vor, dass in Spanien Religionsfreiheit herrscht und dass alle ein Recht darauf haben, in der Schule etwas über die eigene Religion zu lernen. Den diesbezüglichen Lehrplan legt der Staat für alle Altersstufen und Religionen fest. Auch wenn wir von der Landesregierung eine vergleichende Geschichte der verschiedenen Glaubensrichtungen bevorzugen würden und den konfessionellen Religionsunterricht – egal welchen Glaubens – eigentlich lieber aus den Schulen ausgegliedert sähen, ist das eben nur unsere Meinung. Gesetzlich sind wir dazu verpflichtet, die Ausübung der in der Verfassung vorgesehenen Rechte zu gewährleisten. Und genau das tun wir.

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