05. Dezember 2019
05.12.2019

Mallorcas Hotelierschefin: "Die Deutschen waren unsere größte Sorge"

Die Zahl der Urlauber aus Deutschland nahm in den Sommermonaten ab, die Pleite von Thomas Cook überschattete das Jahr. Maria Frontera zieht Bilanz

05.12.2019 | 01:00
"Kein Hotelier auf Mallorca hat Kunden eingesperrt": Maria Frontera.

Die Angst war groß vor der Saison bei den Hoteliers auf Mallorca. Die Angst vor einem deutlichen Rückgang der Urlauberzahlen nach mehreren außerordentlich guten Jahren. Im Endeffekt kam es nicht dazu, bis einschließlich Oktober kamen gut 15,9 Millionen Urlauber auf die Balearen. Das waren 0,2 Prozent mehr als im Vorjahr. Dafür hat die Hotelauslastung ein wenig abgenommen. Maria Frontera, die Präsidentin des Hotelierverbandes FEHM, zieht dennoch ein gemischtes Resümee. Schuld daran sei vor allem die Pleite des Reiseriesen Thomas Cook.

Die Zahl der Urlauber steigt trotz der Unkenrufe weiter. Ein Grund zum Feiern?
Vor dem Hintergrund wie es im Januar aussah, als sich ein höchst ungewisser Verlauf abzeichnete, war die Saison positiv. Zumindest bis zum 23. September (Tag der Thomas-Cook-Pleite, Anm. d. Red.). Die Hoteliers mussten ihre Vermarktung zwar ständig anpassen, weil Märkte zwischenzeitlich schwächelten. Inzwischen können die Hoteliers die Vermarktung aber deutlich dynamischer gestalten. In einigen Monaten haben wir mehr oder weniger dieselbe Auslastung wie im Vorjahr gehabt, in anderen Monaten etwas weniger.

Der deutsche Markt bereitet Ihnen Kopfzerbrechen. Im August kamen fast sieben Prozent weniger als im Vorjahr. Auf die ersten zehn Monate gesehen sind es rund 33 Prozent aller ausländischen Urlauber.
Die Deutschen waren unsere größte Sorge in diesem Jahr. Sie machen normalerweise zwischen 37 und 40 Prozent aller Urlauber aus. Wir sind also sehr stark von diesem Markt abhängig.

Was ist mit den Deutschen los?
Wenn die deutsche Wirtschaft so wie gerade etwas schwächelt, dann bekommen wir das stark zu spüren. Die Deutschen sind ja sehr vorsichtig. Wenn sich schlechtere Zeiten ankündigen, dann geben sie weniger Geld aus und lassen am ehesten den Urlaub weg. Im kommenden Jahr scheint sich das zu verstärken, auch wenn derzeit lediglich Tendenzen vorliegen, weil es nur wenige Reservierungen gibt. Im Hinblick auf den deutschen Markt war die Pleite von Thomas Cook ein schwerer Schlag, weil gerade die Deutschen es waren, die gerne in der Nebensaison auf die Insel kamen, was mit dem 23. September abrupt schwieriger wurde. Viele hatten ihren Urlaub bereits gebucht und bezahlt und konnten plötzlich nicht mehr kommen.

Die Konkurrenten von Thomas Cook haben sich bereits in Stellung gebracht.
Für 2020 sehen wir, dass ein großes Interesse vonseiten anderer Unternehmen an den Kontingenten von Thomas Cook existiert, wie etwa Tui oder Jet2. Sie sind einerseits an den Slots von Thomas Cook interessiert, andererseits haben sie bereits Verträge mit den Hoteliers geschlossen.

Wird man die Pleite 2020 auf Mallorca überhaupt noch bemerken?
Es stimmt, dass es sehr schnell Marktbewegungen gab und dass große Teile der Kontingente neu verteilt sind. Aber es ist nicht so, dass alle Hoteliers das Thema schon gelöst haben. In vielen Fällen sind es noch Absichtserklärungen vonseiten der Veranstalter. Vor Februar werden wir keine hundertprozentige Gewissheit haben. Die Hoteliers, die Schwierigkeiten haben, ihre Kontingente bei anderen Veranstaltern unterzubringen, haben jetzt die große Chance, sich breiter aufzustellen und die Abhängigkeit von einem Reiseveranstalter herunterzuschrauben und so weniger Risiken einzugehen.

Gibt es Hotels oder Ketten, die aufgrund der Pleite von Thomas Cook Insolvenz anmelden müssen?
Ganz so weit ist es nach meinen Informationen nicht gekommen, aber viele haben ernste Probleme mit den Schulden, die Thomas Cook über die Monate angehäuft hat und die jetzt nicht mehr bezahlt werden. Es gab Hilfen vonseiten der Regierung und vonseiten der Banken, die uns sehr günstige Kredite zur Verfügung stellen.

Wie haben Sie den Zusammenbruch von Thomas Cook erlebt?
Es war eine sehr schwierige Zeit auch für uns im Verband, weil die Informationen, die uns erreichten, je nach Land völlig unterschiedlich waren. Aus Großbritannien war der Informationsfluss immer schnell und effizient. Mit dem deutschen Teil von Thomas Cook war das nicht so. Wir mussten immer wieder Informationen anfordern, der Austausch klappte nicht reibungslos. Für die Hoteliers war es sehr schwierig, unter diesen Umständen die Kunden zu informieren. Es herrschte große Ungewissheit.

Trotzdem durfte es nicht passieren, dass Hoteliers ihre Kunden dazu aufforderten, ihren Aufenthalt erneut zu bezahlen.
Die Hoteliers bekamen von all denen, die nur das Hotel gebucht hatten, kein Geld, auch wenn die Kunden den Reiseveranstalter bezahlt hatten. Das war in diesem Moment schon klar. Alle Kunden, die ein Paket gebucht hatten und das Hotel noch einmal bezahlt haben, bekommen den Betrag von der Versicherung zurückerstattet.

Fälle von Kunden, die doppelt bezahlten, haben in Deutschland für Aufsehen gesorgt. Hätten die Hoteliers nicht auf das Geld verzichten sollen, als das Ansehen der Destination Mallorca zu schädigen?
Das Ansehen von Mallorca als Reiseziel hat nicht gelitten. Die Hoteliers hatten einfach keine Information. Niemand wusste, welche Versicherung sich um welchen Gast kümmert. Der deutsche Teil von Thomas Cook hätte sich besser auf einen derartigen Fall vorbereiten müssen, speziell nach der Pleite der britischen Tochter. Hier auf Mallorca hat kein Hotelier Kunden eingesperrt und dann noch einmal abkassiert.

Hat die Balearen-Regierung den Hoteliers inzwischen finanzielle Unterstützung aus der Touristensteuer zukommen lassen?
Bisher gibt es nichts Konkretes, es kam noch nichts und ich glaube auch nicht, dass etwas kommen wird. Wir haben nie darum gebeten, uns die Touristensteuer zurückzugeben und haben mit der Regierung nicht über dieses Thema gesprochen.

Haben Sie schon die Sektkorken fliegen lassen, dass die Türkei nun auch eine Touristensteuer plant?
In der Türkei müssen sie selbst wissen, was sie tun. Wir können nur davon sprechen, wie die Steuer uns betrifft und vor allem darüber, wie mies die Einnahmen gemanagt werden. Sie heißt Steuer für nachhaltigen Tourismus, die Einnahmen sollten alle für Themen aus dem Umweltbereich eingesetzt werden. Was die Türkei betrifft: Die Regierung dort subventioniert gleichzeitig Fluglinien und andere Unternehmen der Branche. Dort wird mit anderen Regeln gespielt.

Stichwort Magaluf: Die neuen Zahlen zeigen, dass die Versuche der Hoteliers, neue Urlaubergruppen anzusprechen, wenig bringen. Die Zahl der jungen Leute hat sich sogar erhöht.
Es stimmt, dass die Zahl der Familien stagniert. Man tut zu wenig, um sie anzulocken. Aber es gibt deutlich weniger Konflikte mit jungen Leuten. Sie haben gemerkt, dass die Polizeipräsenz erhöht wurde. Viele junge Leute wissen sich ja auch zu benehmen. Aber die Veränderung von Magaluf wird wahrgenommen. Auf dem World Travel Market war nicht mehr von der heruntergekommenen Destination die Rede, sondern von dem, was sich dort verbessert hat.

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