27. Dezember 2019
27.12.2019

Das heikelste Abrissprojekt von Mallorca

Der Teilabriss des früheren Großklinikums Son Dureta in Palma ist eine langwierige und teure Sache. Schuld daran hat vor allem der Baustoff Asbest

27.12.2019 | 01:00
Für die unteren Stockwerke des früheren Mutter-Kind-Komplexes kommt ein Abbruchbagger mit 31 Meter Reichweite zum Einsatz.

Wer sich eine Abrissbirne vorstellt, wenn vom Rückbau des früheren Großklinikums Son Dureta in Palma de Mallorca die Rede ist, liegt falsch. Davon abgesehen, dass die Abrisskugel schon lange ihre Hochzeiten hinter sich hat und stattdessen meist Bagger mit Abbruchzangen zum Einsatz kommen, ist der Komplex im Norden von Palma de Mallorca ein besonders komplizierter Fall. Beim Bau war damals in großem Umfang Asbest zum Einsatz gekommen. Deswegen erweist sich der Rückbau als langwierig, aufwendig und kostenintensiv. „Da ist zum Teil richtige Handarbeit nötig", erklärt Yago Gómez, zuständig bei der balearischen Gesundheitsbehörde IB-Salut für die Infrastruktur.

Seit der Neubaukomplex Son Espases an der Ausfallstraße nach Valldemossa vor neun Jahren die Funktion des Landeskrankenhauses auf den Balearen übernommen hatte, fiel Son Dureta in einen Dornröschenschlaf. Erst mit dem Beschluss, an der Stelle einen Pflegekomplex zu errichten, tat sich wieder etwas auf dem Gelände. Um Platz zu schaffen für ein Seniorenheim mit 120 Plätzen, eine Klinik für bis zu 450 Patienten mit chronischen Leiden und ein öffentliches Gesundheitszentrum, müssen mehrere Gebäude von Son Dureta weichen. So die frühere Mutter-Kind-Klinik, das Facharztzentrum und ein Bau, der unter anderem Küche und Umkleiden beherbergte. Stehen bleibt im Prinzip nur der charakteristische, halbkreisförmige Zentralbau am Son-Dureta-Kreisel, der aber für den neuen Komplex ebenfalls vollständig entkernt werden muss.

Allein die Abrisskosten schlagen nun mit 1,5 Millionen Euro zu Buche. Der Zusammenschluss der Firmen unter Führung von Melchor Mascaró, die den Zuschlag erhielten, haben seit April insgesamt neun Monate Zeit – die sie auch benötigen. Die Gebäude sind unterschiedlich hoch, entstanden zu unterschiedlichen Zeiten in den 70er- und 80er-Jahren sowie unter Verwendung verschiedener Materialien und stehen zudem nahe an Wohngebäuden, die nicht zuletzt vor dem Asbest-Staub geschützt werden müssen.

Die Lösung: Glove Bags

Das giftige und inzwischen im Bau verbotene Material, das früher wegen seiner Festigkeit, seiner Hitze- und Säurebeständigkeit sowie seiner hervorragenden Dämmeigenschaften hochgeschätzt war, stellt vor allem im früheren Facharztzentrum ein Problem dar. Die Arbeiter, die hier tätig sind, tragen Ganzkörperschutzanzüge und Masken. Zum Einsatz kommen sogenannte Glove Bags – eine Art Müllsack mit integrierten Schutzhandschuhen, in denen die asbesthaltige Isolation von Rohrleitungen direkt entsorgt werden kann. Darüber hinaus werden alle Asbest-Oberflächen mit einer wässrigen Lösung versiegelt, damit kein Asbeststaub entweichen kann, wenn Bauteile bewegt werden oder brechen, wie Gómez erklärt. Die Arbeiter seien auch maximal in Vier-Stunden-Schichten im Einsatz.

Recycling vor Ort

Geschützt vor dem Asbest werden nicht nur die Arbeiter, sondern auch die Umwelt, wozu Fenster- und Türöffnungen versiegelt wurden. Auch wenn infolge dieses Schutzprotokolls kein Asbeststaub in die Umwelt entweichen könne, fänden regelmäßige Messungen statt. Den Namen des Entsorgers, der sich dann letztendlich um den Asbest kümmert, will Gómez mit Verweis auf die Vertragsbedingungen nicht sagen. Klar ist aber: Entsorgung und Recycling beginnen schon auf dem Gelände von Son Dureta. Beton, Stein und Keramik werden sortiert, vor Ort geschreddert und je nach Eignung zum Ebnen des Geländes verwendet oder zu „autorisierten Entsorgern" gebracht.

Weniger komplex als im Fall des Facharztzentrums, dafür aber spektakulärer gestaltet sich der Abriss der drei Gebäude umfassenden früheren Mutter-Kind-Klinik. Nachdem das Mobiliar und alle nicht tragenden Elemente entfernt worden waren, ließen Bagger mit Abrisszangen zunächst ein drei- und ein sechsstöckiges Gebäude verschwinden. Für die vier obersten Etagen des verbliebenen zwölfstöckigen Gebäudes kamen dann zunächst Abrissroboter zum Einsatz, die Arbeiter fernsteuerten. Die restlichen acht Stockwerke waren dann ein Fall für den Caterpillar DEM 70, einen speziellen Abbruchbagger mit einer Reichweite von bis zu 31 Metern. Während die Abbruchzange Stück für Stück Teile aus dem Gebäude biss, schützte eine mehr als 30 Meter lange Plane an einem Kran die umliegenden Gebäude vor herabfallenden Trümmern und Baustaub. Die Gebäude sind inzwischen fast dem Erdboden gleichgemacht. Ganz abgeschlossen seien die Arbeiten aber noch nicht, auch wenn man voll im Zeitplan liege, versichert Gómez.

Angesichts des Trümmerfelds erfordert die Vorstellung des künftigen Son Dureta, das die balearische Linksregierung schon vollmundig vorgestellt hat, noch ordentlich Fantasie. „Pine Life" heißt der Sieger des Architekturwettbewerbs: Das Zentrum soll stärker in den Kiefernwald von Bellver integriert werden, die Gebäude durch Unterführungen und verglaste Passagen verbunden sein, die den Blick auf das Grün freigeben.

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