04. Januar 2020
04.01.2020

Palma de Mallorca - eine Metropole öffnet sich

Die Gemeinde und ihre Nachbarn wollen in Zukunft enger zusammenarbeiten, vor allem beim Thema Mobilität

04.01.2020 | 01:00
Die Metropolregion umfasst vier Gemeinden, wobei Palma und Marratxí die meisten Berührungspunkte haben.

Knapp 80 Jahre ist es her, da wollte die Stadtverwaltung von Palma de Mallorca zumindest Teile der Gemeinde ­Marratxí eingemeinden. Es ging damals um die Siedlungen von Es Pont d'Inca, Es Pla de na Tesa und Son Nebot. Palma de Mallorca argumentierte damals damit, dass die Bebauungen der drei angesprochenen Orte unmittelbar an die der Stadt Palma angrenze, dass die Bewohner Installationen etwa der Stadtwerke Emaya mitbenutzten und dass die Menschen in den Siedlungen in ­ihrer Identität denen von Palma deutlich näher seien als denen, die in den übrigen Dörfern der ­Gemeinde Marratxí lebten, die zu dieser Zeit vorrangig landwirtschaftlich geprägt waren.

Die Begründung entbehrt nicht einer gewissen Logik, allerdings fanden die Pläne weder die Zustimmung der Bezirksregierung noch der Gemeindeoberen von Marratxí. Nach zwei fehlgeschlagenen Versuchen war dann auch erst einmal Schluss mit den Bestrebungen der Stadt Palma. Auch der Dialog zwischen den beiden Gemeinden, die auf der Landkarte betrachtet, eigentlich ohne Probleme eine ­einzige darstellen könnten, kam praktisch zum Erliegen. Erst vor Kurzem änderte sich die über Jahrzehnte praktizierte Scheuklappenperspektive. Als José Hila im Jahr 2015 zum ­ersten Mal Bürgermeister von Palma wurde, startete er Gespräche über eine Metropol­region ­Palma – mit seinem Amtskollegen in Marratxí, aber auch mit den Bürgermeistern von Calvià und Llucmajor, die ebenfalls zum künftigen Großraum Palma gehören wollen. Der derzeitige Amtsinhaber von Marratxí, ­Miquel Cabot, wie Hila Mitglied der Sozialisten, ist froh über den „Paradigmenwechsel", wie er sagt. „Über Jahrzehnte hinweg haben sich Palma und Marratxí die kalte Schulter ­gezeigt, jetzt schauen sie sich in die Augen", beschreibt er die Situation der MZ.

Öffentlicher Nahverkehr

Bei den Bestrebungen zu einer Metropol­region geht es aber nicht vorrangig um schöne Worte, sondern um eine Zusammenarbeit der Rathäuser in verschiedenen Bereichen. Mit Marratxí sind die Gespräche bislang am ­weitesten gediehen, „auch weil diese beiden ­Gemeinden die größten Gemeinsamkeiten aufweisen", wie Cabot erklärt. Hauptmotivation für eine Zusammen­arbeit dieser beiden Gemeinden war vor allem das Thema Mobilität, weil ein Großteil der Bewohner von Marratxí in Palma arbeitet und den Vorort lediglich als Schlafstätte nutzt. Als erste Maßnahme wurde ­daher bereits in der vergangenen Legislatur­periode von zunächst José Hila und dann Toni ­Noguera der Stadtbus der Linie 3 nach Es Pla de na Tesa verlängert.

„Für die Stadt Palma ist speziell das Thema der Pendlerparkplätze entlang der Bahnlinie wichtig. Je weniger Menschen mit dem Auto nach Palma fahren, desto besser für die Stadt", sagt eine Sprecherin von José Hila der MZ. Dass es hier ein großes Optimierungspotenzial gibt, wird jedem schnell klar, der zu den Stoßzeiten morgens auf der Autobahn Ma-13 aus Richtung Inca nach Palma fährt. Dort staut sich der Verkehr zwischen 7.30 und 9.30 Uhr üblicherweise vor der Einmündung in die Ringautobahn mehrere Kilometer lang . „Marratxí hat 40.000 Einwohner und rund 20.000 Autos. Davon machen sich etwa 80 Prozent täglich auf den Weg nach Palma", beschreibt Bürgermeister Miquel Cabot das Dilemma. Ein Schritt in die richtige Richtung ist deshalb unter anderem der neue Pendlerparkplatz, der an der Bahnhaltestelle des Gewerbegebiets von Marratxí geschaffen wurde.

Der nächste Schritt soll in Sachen Tarifverbund gemacht werden. Nach Angaben der Sprecherin der Stadt arbeite man derzeit an einer tariflichen Verschmelzung von EMT, also dem städtischen Unternehmen, das die Stadtbusse betreibt, mit der Zuggesellschaft SFM. „Ziel ist, dass die Menschen, die mit dem Zug an der Plaça d'Espanya ankommen, mit demselben Ticket in einen Bus steigen können und nicht wie bisher erneut zahlen müssen", sagt die Sprecherin.

Radfahrer und Fußgänger

Auch für Radfahrer und Fußgänger soll es künftig einfacher werden, von einem ins andere Gemeindegebiet zu kommen. „Bisher ist der Carrer Aragó für sie die einzige wirkliche Verbindung. Das ist bei dem hohen Verkehrsaufkommen in der engen Straße nicht sehr ­angenehm", sagt Miquel Cabot. In Zusammenarbeit mit dem Inselrat planen die Bürgermeister daher derzeit den Bau von drei Stegen über den Sturzbach torrent gros, der die Grenze ­zwischen beiden ­Gemeinden darstellt. Laut In­selratspräsidentin Catalina Cladera ist eine Verbindung zwischen Sa Indioteria und Sa Cabana bereits ausgeschrieben, eine zweite zwischen Son Cladera und Sa Cabana ist geplant. Bei einem Treffen mit Cladera forderten José Hila und Miquel Cabot einen dritten Steg nahe dem Carrer Aragó. Auch der Ausbau von Fahrradwegen zwischen Palma und Marratxí ist ­geplant. Am Carrer Aragó auf dem Stadtgebiet von Palma allerdings sei äußerst wenig Platz, gibt die Sprecherin der Stadt zu bedenken. Hier müsse man wohl eine andere Lösung ­finden, um an das Radwegnetz von Marratxí anzuschließen.

Eine weitere Errungenschaft der Zusammenarbeit ist, dass die Bewohner von Marratxí die Sporteinrichtungen der Balearen-Universität im Norden von Palma mitbenutzen können. In diesem Bereich soll es im kommenden Jahr weitere Vorteile geben. „Wir arbeiten gerade an einem Vertrag mit dem städtischen Sportinstitut IME, das künftig den Bürgern von Marratxí erlauben soll, zu den Residentenpreisen die Schwimmbäder und Fitnesscenter in Palma benutzen zu können. „Wir müssen dafür nur noch die Statuten des IME anpassen. Ich rechne damit, dass es Anfang 2020 so weit kommt", sagt die Sprecherin der Stadt.

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