05. Januar 2020
05.01.2020

So will sich Palma de Mallorca bis 2030 klimaneutral mit Energie versorgen

Die Stadt hat sich im Pakt der Bürgermeister zu umfassendem Klimaschutz verpflichtet. Die Stadtwerke Emaya sollen dafür sorgen, dass die öffentliche Verwaltung in zehn Jahren CO2-neutral ist

05.01.2020 | 01:00
Solarpaneele in Can Valero.

Wenn es um die Senkung der Kohlendioxidemissionen geht, stehen nicht nur die Regierungen in der Pflicht, sondern auch die Kommunen. Auf Mallorca gehören inzwischen alle Gemeinden dem Klimapakt der Bürgermeister an (Pacte de batles i batlesses pel clima). Er geht bereits in die zweite Runde: Verpflichteten sich die Gemeinden ursprünglich, bis 2020 die Kohlendioxidemissionen im Vergleich zu 2005 um 20 Prozent zu senken, gilt nun eine Zielvorgabe von 40 Prozent bis 2030. Konkret heißt das: Die mehr als 9.800 europaweit angeschlossenen Kommunen müssen einen Aktionsplan für Klimaschutz und nachhaltige Energie vorlegen (PAESC, auf Englisch: Sustainable Energy and Climate Action Plan, SECAP).

Die Stadt Palma lässt diesen Aktionsplan derzeit im Rahmen einer öffentlichen Ausschreibung für gut 14.000 Euro ausarbeiten. Denn was sich in der öffentlichen Debatte auf die Floskeln rund um Nachhaltigkeit, Stärkung des öffentlichen Nahverkehrs und Energieeffizienz reduziert, ist in der Praxis eine komplizierte Angelegenheit. So umfasst das Dokument, das die aktuellen Kohlendioxid-Emissionen in Palma inventarisiert, knapp hundert Seiten. Für das Jahr 2016 weist es 1,98 Millionen Tonnen CO2-Emissionen im Stadtgebiet aus – das sind immerhin knapp 20 Prozent weniger als im Referenzjahr 2005.

Eigenproduzierter Ökostrom

In vielen Bereichen kann das Rathaus nur indirekt Einfluss nehmen, etwa durch den Ausbau der Buslinien im Fall des privaten Pkw-Verkehrs oder durch Steuererleichterungen hinsichtlich Investitionen der Haushalte in Fotovoltaik und Elektromobilität. Direkten Einfluss dagegen hat Palma auf die Stadtwerke Emaya. Waren diese bislang vorwiegend für saubere Straßen sowie Wasser und Abwasser zuständig, soll sich Emaya nun nach einer Änderung der Statuten zum kommunalen Energieversorger mausern.

Das Ziel: Palma will in zehn Jahren den gesamten Bedarf der kommunalen Verwaltung einschließlich aller Ämter, Einrichtungen und Schulen selbst decken, und das mithilfe erneuerbarer Energien. Es sei nicht genug, die CO2-Emissionen zu senken, man müsse sie als öffentliche Verwaltung ganz vermeiden, so Ramon Perpinyà, Präsident der Stadtwerke. „Es ist schließlich hinlänglich bekannt, dass wir uns in einer Situation des Klimanotstands befinden." Gehen die Emaya-Pläne auf, werden künftig laut Stadtverwaltung knapp 100.000 Tonnen CO2 weniger pro Jahr ausgestoßen.

Derzeit produziert Emaya 0,37 Gigawatt pro Jahr mit Fotovoltaikanlagen in Son Pacs und Can Valero sowie 10,64 Gigawatt dank Biogas in der Kläranlage von Sant Jordi. In zehn Jahren soll die Sonne dann 84,3 Gigawatt beisteuern, Methangas weitere 26,3 Gigawatt zum Betanken des städtischen Fuhrparks. Der Plan: 100 Prozent der Emaya-Fahrzeuge und 25 Prozent der städtischen Linienbusse (EMT) sollen auf diese Weise versorgt werden können. Insgesamt einschließlich Biogas stünden dann 121,2 Gigawatt aus erneuerbaren Energien bereit. Nebenbei spare man knapp 12 Millionen Euro pro Jahr – so zumindest die Theorie.

Um die ehrgeizigen Ziele zu erreichen, sind für die kommenden drei Jahre Investitionen geplant, die allesamt aus EU-Fördermitteln subventioniert werden. Die Fotovoltaikanlage von Son Pacs soll im neuen Jahr für 1,3 Millionen Euro massiv ausgebaut werden. 2021 soll dort dann für 200.000 Euro eine Elektrotankstelle hinzukommen. Größte Investition ist eine sogenannte THP-Anlage für 6,5 Millionen Euro – mit der Nutzung des thermischen Hydrolyse-Prozesses sollen 18 Prozent mehr Biogas produziert und die Klärschlammenge durch die Optimierung des Faulungsprozesses reduziert werden. Die geplante Biomethangasanlage schließlich schlägt mit 1,5 Millionen Euro zu Buche.

Auch wenn sich noch zeigen wird, ob der Zeitplan einzuhalten ist, hat Palmas Stadtverwaltung im Gegensatz zur Klimaschutzpolitik der Landesregierung einen entscheidenden Vorteil: Sie kann direkt loslegen und ist nicht in wichtigen Fragen auf den Segen der Madrider Zentralregierung angewiesen. Absichtserklärungen und Zukunftspläne seien längst nicht mehr genug, so Perpinyà, „es ist jetzt höchste Zeit zum Handeln."

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