18. Januar 2020
18.01.2020

Verordnung zur Außenbewirtung gefährdet Flair von Santa Catalina in Palma de Mallorca

Wirte beklagen massive Umsatzeinbrüche. Andere halten an Tischen und Stühlen vor dem Lokal fest

18.01.2020 | 01:00
„Hier ist doch mehr als genug Platz": Juan Bastida vor seinem Lokal „El Perrito".

Juan Bastida kann es kaum noch fassen. Bereits sechs Mal haben Vertreter der Stadt Palma de Mallorca an seiner Eckbar „El Perrito" in Santa Catalina schräg gegenüber der Markthalle aufgeschlagen und immer und immer wieder abgemessen. „Die Stadt hat uns dann irgendwann eine Aufforderung geschickt, dass wir unsere Außenbestuhlung entfernen müssen." Er habe Einspruch gegen die Entscheidung eingereicht, der sei aber abgelehnt worden.

Dennoch stehen seine vier Tische und acht Stühle noch immer auf dem Bürgersteig. Der nicht gerade schmal ist. Genau 3,02 Meter misst der Bürgersteig auf Höhe des „El Perrito" im Carrer d'Anníbal. 2,50 Meter sind seit dem vergangenen Mai in Santa Catalina ebenso wie in der Altstadt von Palma als Durchgangsbreite vorgeschrieben. Damals trat eine neue Verordnung zur Außenbewirtung in Palma in Kraft, die nach langem Hin und Her mehr oder weniger zur Zufriedenheit aller verabschiedet worden war.

Bis auf die Wirte in Santa Catalina und in der Altstadt, die mehr Platz lassen müssen als der Rest. Zwei Meter sind es in den anderen Stadtvierteln. Stellt Bastida seine Stühle und Tische auf, dann bleiben ein paar Zentimeter weniger als 2,50 Meter. „Sagen Sie mir doch, ob das zu wenig ist. Hier kommen locker zwei Kinderwagen aneinander vorbei", schimpft er. Aber bei der offiziellen Abmessung fehlten eben immer ein paar Zentimeter.

In derselben Straße gibt es bereits das erste Opfer der neuen Verordnung zu beklagen. So lautet zumindest die Version der Inhaber des „Zanzíbar". Das Café schloss im vergangenen Oktober. Inhaber Joan Pujol hatte bis zu diesem Zeitpunkt sechs Tische samt Stühlen vor der Tür aufgestellt. Laut ihm machten sie rund 38 Prozent des Umsatzes aus. Die Inhaber versuchten es danach noch mit einer Holzbank vor dem Lokal, die in die genehmigten Abmessungen passte, doch die eine Bank konnte den Umsatzrückgang nicht wettmachen.

Nadia Ferres, die deutsche Besitzerin des „Nola" im Carrer Sant Magí, rechnet mit weiteren Schließungen. Sie hatte sich direkt nach Inkrafttreten der neuen Verordnung dafür entschieden, ihre drei Tische vor dem Restaurant zu entfernen. „Die Strafen von 500 Euro pro Tisch, die die Stadt ausstellen kann, sind zu viel für mich", sagt sie der MZ. Viele andere, wie etwa Juan Bastida oder die Betreiberin einer Bar um die Ecke lassen die Außenbestuhlung auf eigenes Risiko weiter stehen. „Wir sind uns dessen bewusst, dass es jeden Tag damit vorbei sein kann", sagt die junge Frau hinter dem Tresen. Doch auf die zusätzlichen Einnahmen verzichten will kaum eine Bar. Denn selbst im Winter bei frischen Außentemperaturen sitzen vor jeder Bar mehrere Gäste, wie die MZ am Mittwochvormittag (8.1.) feststellen konnte.

Nadia Ferres musste in ihrem ersten Sommer ohne Außenbewirtung nach eigenen Angaben einen Umsatzeinbruch von rund 20 Prozent hinnehmen. „Viele benachbarte Wirte, die ihre Tische und Stühle entfernt haben, haben mir ähnliche Zahlen rückgemeldet", sagt Ferres. Während sie von mehreren Restaurants im Carrer Sant Magí berichtet, die tatsächlich schon Strafe zahlen mussten, ist im Carrer d'Anníbal noch niemand vorstellig geworden.

Die Wirte stört auch, dass nun in Santa Catalina strenge Regeln für die Bestuhlung gelten, nicht aber für alle möglichen anderen Hindernisse, die dort auf den Gehwegen herumstehen. Angefangen von Straßenschildern und den Laternen, die deutlich weniger als zwei Meter Platz zum Durchgehen lassen. „Oder schauen Sie mal, wie die Autos hier parken", sagt Juan Bastida und zeigt in den Carrer de Pou, der ohnehin nicht breit ist, aber an beiden Seiten Parkplätze aufweist. Die sind aber so schmal, dass die Autos gezwungen sind, mit zwei Rädern auf dem Gehweg zu parken, damit die Fahrzeuge noch passieren können. „Hier könnte man einfach eine Reihe Parkplätze entfernen, dann wäre der Platz da", sagt Bastida. „Aber das interessiert die Stadt nicht, weil sie mit den Parkplätzen Geld verdient."

Nadia Ferres ärgert sich für ihren Teil darüber, dass die Stadt Palma die Spielregeln nachträglich geändert hat. „Ich habe das Lokal vor fünf Jahren übernommen und viel investiert. Das hätte ich nicht gemacht, wenn man mir gesagt hätte, dass die Freischankflächen wegkommen." Ferres hofft darauf, dass Wirte und Anwohner weiter für die Außenbereiche kämpfen. Ein erster Schritt soll eine Bürgerbefragung sein. Zu dem Referendum ruft die Vereinigung der Gastronomen in Palma auf. Alle Einwohner der Stadt sollen an fünf in der Stadt verteilten Ständen kundtun, wie sie der Außenbewirtung gegenüber eingestellt sind. Vize-Bürgermeister Alberto Jarabo (Podemos) hat bereits klargestellt, dass die Stadt das Ergebnis des Referendums nicht anerkennen wird. Inzwischen kommt aber Bewegung in die Fronten.

Offenbar wollen Wirte und Stadtverwaltung aufeinander zugehen. Erstes Anzeichen dafür ist, dass die Wirte das für den 19. Januar geplante Referendum zunächst auf einen unbestimmten Zeitpunkt verschoben haben. Man befinde sich mit der Stadtverwaltung in Gesprächen über den Test eines neuen Systems zur Lärmerkennung, das die Dezibelzahl misst. Bei Überschreitung der zulässigen Lautstärke gibt der Apparat ein Leuchtsignal von sich, damit die Gäste leiser sprechen. In anderen Städten funktioniere das System bereits. Ziel ist, die Außenbewirtung etwa im Lonja-Viertel zumindest von 23 Uhr auf Mitternacht auszuweiten.

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