10. Februar 2020
10.02.2020

Ideen für die trübe Brühe in Mallorcas Kläranlagen

Deutsche Anbieter unterbreiten Vorschläge zur Optimierung der überlasteten Anlagen - und werden ignoriert. Die MZ hat nachgefragt

10.02.2020 | 01:00
Chronisch überlastet: biologische Reinigungsstufe in der Kläranlage von Coll d'en Rabassa.

Der Betreff lautet: Verbesserte Leistung der Kläranlagen auf den Balearen und Vermeidung schlechter Gerüche. In dem Brief an das Landesumweltministerium schlägt Unternehmensberater Claus-Peter Starey ein Treffen vor, um das Konzept der von ihm vertretenen ­Kölner Arbeitsgemeinschaft Biocons vorzustellen – ein patentiertes System auf der Basis biologischer Prozesse, das bestehende Kläranlagen optimieren soll. Den Vorschlag unterbreitete der Deutsche in mehreren Briefen, noch unter der konservativen Bauzá-Regierung 2013, aber auch an die 2015 folgende balearische Linksregierung. „Aber da kam nichts zurück", so Starey. Dabei müsste die Landesregierung doch angesichts der Überlastung der Anlagen gerade im Sommer an einer kostengünstigen Optimierung interessiert sein.

Die Lösung haben Starey und Ralph-Ewald Harrisson, Vizepräsident von Biocons, zum Treffen in einem transparenten Plastikbeutelchen mitgebracht: schwarze, poröse sogenannte Bioträger aus einem speziellen Polyurethanschaum, der mit Aktivkohle benetzt ist. Diese Bioträger werden in der dritten, das heißt biologischen Reinigungsstufe ins Klärwasser gegeben. Die poröse Struktur hat eine riesige innere Oberfläche zur Folge, auf der sich Unmengen von Mikroorganismen ansiedeln können – 20.000 Quadratmeter Fläche pro Kubikmeter. Auf diese Weise erhöhten sich Leistung und Stabilität der Bioprozesse um ein Vielfaches. Nebeneffekt: Es fielen rund 25 Prozent weniger Restschlamm an, wodurch im Entsorgungsprozess Kapazitäten frei würden.

In bereits mehr als 20.000 Kleinkläranlagen in Deutschland, Belgien und Frankreich sei das Verfahren im Einsatz, aber auch in Großanlagen in China, Indien oder Brasilien mit Einzugsgebieten von bis zu 440.000 Einwohnern. Das entspricht in etwa der Größe von Palma, wo die Stadtwerke Emaya wegen der veralteten und überlasteten Anlagen im Kreuzfeuer der Kritik stehen. Weil nach Regenfällen regelmäßig Abwasser ins Meer fließt, ermittelt inzwischen auch die Staatsanwaltschaft. Für den Bau einer neuen Kläranlage in Coll d'en Rabassa ist die Zentralregierung zuständig, kommt aber nicht in die Pötte. Harrisson dagegen ­verspricht eine schnelle Lösung. „Zwei, drei Wochen, dann funktioniert das."

Bei Emaya will man sich den Vorschlag gern anhören, wie es gegenüber der MZ heißt, auch wenn die erste Reaktion skeptisch ausfällt: Anwendungen dieser Art kenne man eher aus Kleinanlagen. In jedem Fall brauche man weitere Informationen für eine Bewertung.

Palma ist eine von fünf Gemeinden auf Mallorca, die Kläranlagen direkt verwalten, neben Manacor, Sant Llorenç, Alcúdia und Calvià. Mit der dortigen Behörde Calvià 2000 waren die deutschen Anbieter bereits vor mehr als zehn Jahren in Kontakt und erstellten ein Angebot für die Umrüstung der Anlagen von Bendinat, Peguera und Santa Ponça, wie Starey sagt. Danach habe man nichts mehr gehört.

Und im balearischen Umweltministerium? Ein Sprecher bestätigt gegenüber der MZ den Empfang des Briefes. Dieser sei jedoch direkt an den Minister gerichtet gewesen, und dieser antworte niemals persönlich auf kommerzielle Schreiben. Für gewöhnlich würden Angebote auf Messen und Kongressen oder gegenüber den Fachabteilungen unterbreitet. Man freue sich auf ein Treffen mit den Deutschen, so der Sprecher. „Es muss aber klar sein, dass dies keinerlei Bevorteilung eines Anbieters ist, Aufträge sind nur möglich im Rahmen einer öffentlichen Ausschreibung."

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