14. März 2020
14.03.2020
Mallorca Zeitung

Coronavirus: So erleben die MZ-Redakteure den Alltag auf Mallorca

Von Hamsterkäufen über verlassene Geschäfte bis hin zu normalem Dorfleben ist an diesem Samstag (14.3.) alles dabei

14.03.2020 | 18:11
Coronavirus: So erleben die MZ-Redakteure den Alltag auf Mallorca

Das Coronavirus wirbelt den Alltag auf Mallorca grundlegend durcheinander. So haben die MZ-Mitarbeiter im Laufe des Samstags (14.3.) die Lage erlebt, bevor in der Nacht auf Sonntag das Dekret zum Alarmzustand mit weitreichenden Beschränkungen der Bewegungsfreiheit in Spanien in Kraft trat:

Palma, Ralf Petzold:
Der Mercadona im Mercat d'Olivar zehn Minuten vor Ladenöffnung. Eine Schlange hat sich vor dem Eingang gebildet. Als die Türen dann öffnen, hält sich die Hektik allerdings in Grenzen. Niemand rennt. Die begehrten Artikel (Klopapier, Milch, Pasta) gibt es nicht. Sie werden wohl erst am Vormittag geliefert.

Palma Santa Catalina, Lars Kreye:
Als der Supermarkt Eroski in Santa Catalina um 9 Uhr aufmacht, haben sich zwei Warteschlangen vor den beiden Eingängen gebildet, die eisernen Jalousien sind noch herabgelassen. Von der anderen Straßenseite ruft eine Frau herüber, dass wir verrückt seien und aufhören sollen, Lebensmittel auf Vorrat zu kaufen. Ein Mann ruft zurück, dass sie es sei, die verrückt ist. Eine Jalousie öffnet sich. Ein Angestellter des Marktes sagt, dass nur 87 Personen gleichzeitig hereingelassen werden. Ich stehe vor dem richtigen Tor und komme mit dem ersten Schwung herein. Im Gegensatz zu den vorherigen Tagen haben sich die Regale gelichtet. Es gibt nur noch vier Pakete Reis, am Gemüsestand ruft eine Angestellte unentwegt, dass man sich die ausliegenden Einweghandschuhe anziehen soll, bevor man das Obst anfasst. Eine ältere Frau beklagt sich, dass nicht mal mehr mal Servietten gibt und die Leute verrückt seien. In ihrem Korb liegen zehn Packungen Kekse der gleichen Sorte.

Später beim Joggen an der Bucht von Palma scheint alles beim Alten. Die Leute treiben Sport, gehen spazieren oder sitzen in Portixol in den Cafés. Seltsam nur, dass ein Kreuzfahrtschiff in der Bucht liegt, das aber von einigen als willkommene Hintergrundkulisse für ein Selfie genutzt wird. Ich laufe an einem alten Mann mit Schutzbrille und Atemschutzmaske vorbei. Ein Flugzeug, das sich erst im Landeanflug auf den Flughafen befunden hat, zieht wieder hoch. Das nächste kommt normal runter. Ich drehe um und sehe vor den Bergausläufern in Palma Rauch aufsteigen. Ein Waldbrand hat uns gerade noch gefehlt. Als ich mich der Kathedrale nähere, wird der Rauch weniger. Wird wohl nicht so schlimm gewesen sein. Alles nicht so wild - irgendwie ein gutes Motto in diesen Tagen.

Am Samstag beim Friseur an der Ecke spontan einen Termin bekommen? Eigentlich nicht möglich - heute schon. Jaume (Name geändert) hat geöffnet, noch hat er keinen Bescheid bekommen, dass er schließen muss. "Es kommen aber viel weniger Kunden. Ich denke, nächste Woche werde ich nicht mehr aufmachen können." Wie viele, trifft es ihn zu einer unmöglichen Zeit, er hat gerade in einer Renovierung seines Geschäfts investiert. Bevor er zu einem neuen Kunden wechselt, sprüht er sich die Hände mit Desinfektionsmittel ein. "Viel mehr kann ich nicht machen", sagt er.

Bunyola, Tom Gebhardt:
Vormittags auf dem Marktplatz von Bunyola findet normales Dorfleben statt, auch wenn es nur ein einziges Gesprächsthema gibt. Die Leute begrüßen sich teilweise mit dem neuen Ellbogengruß. Im Straßencafé verabschieden sie sich von der Bedienung, weil sie glauben, dass sie ein paar Wochen nicht an der Theke zusammenkommen werden. Im Dorfsupermarkt fehlt es an nichts, ganz im Gegensatz zur Aldi-Filiale im 7 Kilometer entfernten Marratxí, wo am Freitagabend nahezu kein Obst und Gemüse mehr zu haben war. Die Tanzschule in Palma hat die Kursteilnehmer per WhatsApp abstimmen lassen. Zwischen den Alternativen (A) weitertanzen aber ohne Partnerwechsel und mit Händewaschen vor und nach der Tanzstunde oder (B) ab sofort Tanzunterricht per wöchentlichem Lernvideo haben sich 90 Prozent für die Variante B entschieden.

Sencelles, Nele Bendgens:
Draußen vor der Bar in Sencelles sitzen einige Leute. Die meisten grüßen auf Abstand. Die drei Marktstände auf dem Platz sind aufgebaut. Die Händler haben viel verkauft. Joan, der Besitzer des Marktstandes sagt, dass beim Großmarkt Mercapalma noch viel Ware vorrätig ist. Vor dem kleinen Supermarkt Aprop werden immer nur zwei Leute gleichzeitig hineingelassen. In Suma-Supermarkt wirkt alles normal: viele Leute, aber auch viel Ware.


Palma, Stadtviertel: Pere Garau, Ciro Krauthausen:
Mallorquiner sind nicht unbedingt als die extrovertiertesten Zeitgenossen bekannt. Die Coronavirus-Krise scheint daran zumindest vorübergehend etwas zu ändern. In Palmas Stadtviertel Pere Garau sieht man die Menschen am Samstagvormittag vielerorts zusammenstehen, um sich über die neuesten Entwicklungen austauschen. Gesprächsfetzen handeln von der Sorge um den Arbeitsplatz, den Schutz der Älteren vor der Ansteckung und, immer wieder, der Lebensmittelversorgung.

Auf dem Samstagsmarkt sind die Kleidungs- und Krimskramsstände wie angeordnet verschwunden und es drängen sich weniger Menschen als sonst, dafür sind es im Supermarkt umso mehr. Hier hat sich keiner an die Losung gehalten, zu Hause zu bleiben, um die Ansteckungsgefahr zu verringern. „So sind wir Spanier, uns muss erst mit Strafen gedroht werden", seufzt eine ältere Frau in der Kasse. Aber das muss nicht so sein: In der Bäckerei Real, die für ihr gutes mallorquinisches Brot bekannt ist, formiert sich vor den Türen eine disziplinierte Schlange. Jeder hält zum Nächsten gebührend Abstand. Das Geschäft mit den Auslagen betritt immer nur ein Kunde. Geht doch.


Sineu, Simone Scholl:
In Sineu ist nicht wirklich etwas von Panik zu spüren. In Cafés sitzen Fahrrad-Touristen neben Dorfbewohnern bei Kaffee und Kuchen. In meinem Gemüseladen fehlen Kartoffeln und bei den Zwiebeln wird es eng. Alles andere ist wie gewohnt vorhanden. Der Lieferwagen mit Nachschub steht schon vor dem Laden. Einzige Einschränkung: Es werden nur zehn Kunden auf einmal in den Laden gelassen. Eine Angestellte steht vor der Tür und regelt den Einlass.

Marratxí, Frank Feldmeier:
Eigentlich steht am Samstagvormittag Sporttraining an, doch das wird nach längerer Diskussion in der Whatsapp-Gruppe abgesagt. Die Vertreter der Kampagne #YoMeQuedoEnCasa überwiegen. Stattdessen Berglauf? Am Ende gibt es Hausaufgaben, für die Terrasse, aber immerhin mit Tramuntana-Blick. Und dem Trainer, der mit der Schließung des Fitnesszentrums seinen Arbeitsplatz als selbstständiger Personal Trainer für wohl mehrere Wochen verliert, schicke ich eine aufmunternde Whatsapp-Nachricht.

Palma, Simone Werner:
Die Innenstadt ist wie ausgestorben. Im Modegeschäft "Sfera" im Carrer Sant Miquel erzählt die Verkäuferin, dass sie zwar noch geöffnet haben, dass aber so gut wie kein Kunde vorbeischaut. Verkauft werde nichts. Die einzigen, die vorbeischauten, fragten lediglich, ob am Montag noch geöffnet sei. Aber so lange es keine offizielle Stellungnahme dazu gibt, weiß das auch kein Verkäufer. Ihre Schwester, so die Verkäuferin, arbeite bei Zara. Dort habe man am Freitag um 18 Uhr geschlossen und die Mitarbeiter benachrichtigt, dass sie ab sofort 15 Tage lang nicht zur Arbeit erscheinen mögen. 

Palma, Lisa Herding:
Viele meiner Freunde sagen: "inconsciencia española" - also, dass viele noch so tun, als wäre gar nichts - ein Bierchen auf den Terrassen heute morgen, gestern Abend/Nacht Sauferei in Kneipen. Viele Geschäfte sind geöffnet, Juweliere, Sonnenbrillen-Läden und, ganz wichtig, Brautmoden. Viele sind dafür, dass die Insel abgeriegelt wird, und dass der größte Fehler war, am vergangenen Sonntag die große Demonstration zum Weltfrauentag zu veranstalten.

Palma, Alicia Wetzel:
Seit Freitagvormittag sind viel weniger Leute auf der Straße und auch in den Cafés und Restaurants. Als ich gestern Abend einkaufen ging, war auch in der Drogeriekette Müller vergleichsweise wenig los. Es gab kein Klopapier mehr und selbst in der Bio-Abteilung waren die Regale zum Teil wie leer gefegt. Im Gegensatz zu den Supermärkten: Es war sehr voll und die Mitarbeiter versuchten, ausgegangene Produkte aufzufüllen. Eine Mitarbeiterin schüttelte in der komplett leeren Gemüse und Obsttheke nur den Kopf. Zum Teil gab es Kunden, die mit Mundschutz oder Schal vor dem Mund durch die Gänge liefen. Alle stürmten ziellos durch den Supermarkt. Bis auf eine Kundin, die zu ihrer Freundin sagte: "Du willst Frischkäse, während alle anderen Menschen das Nötigste kaufen."

Lesen Sie hier weiter: Diese Beschränkungen gelten jetzt auf Mallorca für die Bewegungsfreiheit und das öffentliche Leben

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