26. März 2020
26.03.2020
Mallorca Zeitung

In der Corona-Krise schlägt die große Stunde der Dorfläden auf Mallorca

Sie haben nicht nur mehr Kundschaft: Die kleinen Läden setzen auch darauf, Lebensmittel nach Hause zu liefern, um die Ansteckungsgefahr zu verringern

26.03.2020 | 12:52
In der Corona-Krise schlägt die große Stunde der Dorfläden auf Mallorca

"Jetzt müssen die Kleinen groß werden", beschwört die Kampagne der balearischen Landesregierung. Und genau dafür waren die Dorfläden auf Mallorca schon die ganze Zeit bereit. Von Anfragen überschwemmt, haben sie sich an die Situation der Ausgangssperre während der Coronavirus-Pandemie angepasst, um das zu bewahren, was sie ausmacht und nah bei ihren Kunden zu sein: Sie liefern jetzt auch nach Hause.

Auf der anderen Seite haben viele Anwohner nun eine andere Art des Einkaufens für sich entdeckt: die kleinen Geschäfte. "Es hat wohl erst eine Psychose gebraucht, damit die Bürger zu schätzen lernen, was wir hier im Dorf haben." Das sind die Worte von Maria Matas. Sie führt die Metzgerei Ca na Micalona in Sant Joan.

Wie in allen Dorfläden ist die Zahl der Kunden in ihrem Geschäft wegen des Alarmzustands angestiegen. Nachbarn, die nie auch nur einen Fuß in die lokalen Läden gesetzt haben, wagen es jetzt, sie zu betreten. "Es gab Leute, die nicht einmal wussten, dass es hier eine Metzgerei gibt", versichert Matas. "Sie rufen an und bestellen, wenn es Einschränkungen gibt. Ich habe alles da, und wenn es aus ist, füllen wir es am nächsten Tag wieder auf", erklärt sie, während sie die Theke desinfiziert.

Die Metzgerin benutzt weder Handschuhe noch Atemschutzmaske. "Es darf nur eine Person den Laden betreten, und der Kunde muss den Sicherheitsabstand einhalten. Außerdem habe ich die Öffnungszeiten auf 9 bis 13 Uhr reduziert, um die Menschen etwas zurückzuhalten, das schon", erzählt sie.

Can Bufalí ist ein Lebensmittelgeschäft, das ebenfalls nur noch am Morgen geöffnet hat. Die Kapazität ist auf zehn Personen beschränkt, die verpflichtet sind, Handschuhe anzuziehen und einen Meter Distanz einzuhalten. Abgesehen davon, berichtet Tomeu Magí, setze sie jetzt auf den Zustelldienst nach Hause - vor allem für ältere Menschen.

"Sie sagen uns sogar den genauen Geldbetrag, mit dem sie zahlen werden. So bringen wir ihnen das passende Wechselgeld schon in einem kleinen Beutel mit", sagt Magí. Er muss einräumen, dass durch die Coronavirus-Krise "die Dorfläden wiederbelebt wurden".

"Es kommen neue Kunden aus dem Dorf, die sonst außerhalb arbeiten und deshalb nicht hier im Ort eingekauft haben, außerdem kaufen sie viel mehr als früher", erklärt Magí und gesteht, sie hätten den Laden bereits "überlaufen" gesehen.

Marilen Martorell ist eine der Verkäuferinnen. "Wir kennen unsere Kunden schon ein Leben lang. Ich habe keine Angst zur Arbeit zu geben, aber ich habe schon Angst davor, mich anzustecken und es an meine Mutter weiterzugeben, die schon sehr alt ist." In den ersten Tagen habe man nicht gewusst, was passieren würde. "Mehr und mehr Menschen sind in den Laden gekommen. Es war ein richtiger Boom. Jetzt hat sich die Lage wieder normalisiert", versichert sie.

Catalina Jaume führt den Dorfladen Can Gorreta, der auch einen Lieferservice nach Hause anbietet. "Es kommen neue Kunden, die man nicht einmal kennt", erzählt sie. "In den ersten Tagen hat man der Kundschaft angemerkt, dass sie besorgt war, aber wir bekommen jeden Tag neue Ware."

Marga Fernández vom Laden Ca sa Padrina setzt ebenfalls auf den Zustelldienst. Obwohl sie glaubt, dass die Leute sie nach der Krise wieder vergessen werden, sieht sie die Situation als Chance, um zu zeigen, dass die Dorfläden Obst und Gemüse zu "günstigen Preisen" anbieten.

Toni Galmés ist der Leiter der Kooperative S'Aprop. In den ersten Tagen habe man hier surrealistische Szenen erlebt. "Leute aus anderen Dörfen haben ihre Freunde und Familienmitglieder angerufen, damit sie nach Sant Joan kommen, weil wir noch alles da hatten", erzählt er.

Sie hätten Beschränkungen für Grundnahrungsmittel festlegen müssen. "Man muss teilen. Es kann nicht sein, dass die ersten 20 Kunden alles mitnehmen und dafür 80 andere überhaupt nichts bekommen", sagt Galmés. "Die letzte Woche war sehr heftig." Wie Magí berichtet auch er, dass der Laden überrannt worden sei. /rf

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