21. Mai 2020
21.05.2020
Mallorca Zeitung

Der Countdown für die ersten Urlauber an der Playa de Palma läuft

Nur ein paar Flieger, wenige Hotels, strenge Vorschriften: Die Playa de Palma soll als Pilotprojekt für den Urlaubsverkehr werden. Aber einigen Anwohnern ist nicht wohl dabei

21.05.2020 | 09:34
Schon bald könnten die ersten Urlauber wieder an die Playa de Palma kommen. Darüber freut sich nicht jeder in dem Urlaubsgebiet.

Im Gespräch ist es schon seit Anfang Mai, nun nimmt das geplante Pilotprojekt, an der Playa de Palma bald wieder Urlauber zu empfangen, konkretere Formen an. Das Konzept dahinter wird derzeit mit heißer Nadel gestrickt. Nachdem die europäischen Außenminister am Montag (18.5.) in einer Besprechung über­eingekommen waren, dass sie sich Grenzöffnungen ab dem 15. Juni vorstellen könnten, rechnet man auf Mallorca ab Ende Juni auch mit den ersten Urlaubern. Allerdings in eher homöopathischen Dosen.

Die Rede ist derzeit von drei bis fünf Flugzeugen, die von Deutschland aus die Insel ansteuern sollen. So sagte es Gabriel Llobera, der Präsident des Verbandes der mallorquini­schen Hotelketten, am Sonntag (17.5.) der MZ-Schwesterzeitung „Diario de Mallorca". Auch der balearische Tourismusminister Iago ­Negueruela spricht im MZ-Interview von „einer Handvoll Flugzeugen". Maximal 1.200 ­Urlauber sollten in den zwei Wochen anreisen.

Wie viele Hotels in der Testphase Urlauber empfangen werden, ist noch nicht klar. Ganz oben auf der Liste der möglichen Gastgeber steht die Kette Riu. Man sei zu einer Öffnung bereit, so ein Sprecher zur MZ. Allerdings gebe es derzeit noch keine gesicherten Informationen, wann und welche Häuser geöffnet werden. Wie eine Hoteleigentümerin an der Playa de Palma der MZ berichtet, sollen auch zwei andere große Ketten auf der Insel, Iberostar und Barceló, Interesse an den Piloturlaubern angemeldet haben. Die kleineren familiengeführten Hotels an der Playa scheinen außen vor gelassen zu werden. „Wir erfahren hauptsächlich aus der Presse von dem Projekt", sagt die Unternehmerin.

Die Urlauber sollen nach Informationen des „ARD-Studio Madrid" aus den deutschen Regionen kommen, die kaum von der Covid-19-Pandemie betroffen waren. Laut dem Sender steht die balearische Ministerpräsidentin Francina Armengol in engen Abstimmungen mit mehreren deutschen Bundesländern und dem Reiseveranstalter Tui, der bereits Anfang Mai angekündigt hatte, die Balearen als erstes Ziel in Spanien wieder anfliegen zu wollen. Sollte der Testversuch gelingen, dann könnten ab Anfang Juli wieder mehr deutsche Urlauber auf die Inseln kommen. Bis dahin dürften dann auch die Quarantänevorschriften ausgelaufen sein, die Ende vergangener Woche in Kraft getreten waren.

Corona hin oder her – die Menschen scheinen Lust auf Mallorca zu haben. So teilt etwa DER Touristik mit, dass die Nachfrage zwar auf geringem Niveau, aber stetig sei. „Wir erhalten täglich neue Buchungen für die laufende Sommersaison", lässt der Veranstalter verlauten. Und auch die Fluggesellschaften weiten ihre Flugpläne speziell für die Balearen nach und nach aus. So kündigte etwa Condor am Mittwoch (20.5.) an, ab Mitte Juni von vier deutschen Städten aus wieder nach Palma fliegen zu wollen. Ab 25. Juni sollen es dann acht deutsche Abflugorte sein. Zuvor hatte Eurowings angekündigt, die Verbindungen aufzustocken.

Solche Nachrichten sorgen nicht bei allen für Begeisterung. Biel Barceló ist zwar bekannt dafür, dass er lautstark die Zustände an der Playa de Palma anprangert. Aber so aufgebracht wie beim Telefonat am Mittwoch hat die MZ den Sprecher der Anwohnervereinigung Ciutat d'es Arenal selten erlebt. Übergangen fühle er sich von den Hoteliers. Es sei ­„empörend", dass die Unternehmer mit den Anwohnern der Playa de Palma „Experimente" machen wollten  –speziell mit ihrer Gesundheit.

Dass nur Urlauber aus Gebieten kommen sollen, in denen die Fallzahlen ähnlich niedrig sind wie auf der Insel, lässt der Mallorquiner nicht gelten und bezweifelt ­darüber hinaus, dass es zu Beginn wirklich nur so wenige Urlauber sein werden. „Das ist doch nur ein Manöver der Unternehmer, um schnell viel mehr Leute zu bringen." Und das sei in diesen Tagen höchst unangebracht. Das lebensgefährliche Virus sei zwar unter Kontrolle, aber schließlich weiterhin vorhanden.

Wie ernst man die Risiken in Spanien nimmt, zeigen die strengen und ausführlichen Hygiene- und Sicherheitsvorschriften, die die Hotels anlegen müssen. Das Institut für Qualitätskontrolle der spanischen Hotels ICTE hat eine ausführliche Checkliste für die Häuser ­erarbeitet, die dieser Tage öffnen. Insgesamt 16 Punkte mit bis zu sechs Unterpunkten umfasst sie. In dem Dokument gibt es Vorschriften für alle Bereiche, die Zimmer, die Kinderspiel­ecken, die Fitnessräume, die Pools, aber auch Anweisungen für das Personal, beispielsweise, wie Schichtwechsel zu vollziehen sind.

Und auch die Restaurants, Bars und andere Geschäfte an der Playa de Palma bereiten sich auf einen komplizierten Saisonstart vor. Wie Juan Miguel Ferrer, der Geschäftsführer der Marke Palma Beach sagte, öffnen zum 1. Juli alle der Qualitätsoffensive angeschlossenen Betriebe. Die Playa de Palma biete mit ihrer weitläufigen Promenade viel Platz zum Ein­halten der Sicherheitsabstände. Und die ge­ringere Zahl der Urlauber biete die Chance, ­stärker auf die Einheimischen sowie auf Qualitäts- statt auf Massentourismus zu setzen.

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