17. Juli 2020
17.07.2020
Mallorca Zeitung

Lockdown der Bierstraße: Unternehmer prüfen Klagen

Langeweile bei den Urlaubern. Tourismusminister verteidigt die Maßnahmen in einem Interview

17.07.2020 | 09:41
Im Restaurant San Siro an der Schinkenstraße fühlt man sich benachteiligt.
Lockdown der Bierstraße: Unternehmer prüfen Klagen

Nach der Schließung der Hauptpartymeilen auf Mallorca hat die Balearen-Regierung die Maßnahme am Donnerstag (16.7.) auf weitere Straßenzüge ausgeweitet und ihre Umsetzung streng kontrolliert. Neben der sogenannten Bierstraße und der sogenannten Schinkenstraße an der Playa de Palma sowie dem Carrer Punta Ballena in Magaluf wurden am Donnerstag auch die Lokale in zwei weiteren Straßen in Magaluf geschlossen.

Die angetroffenen Urlauber reagierten überwiegend mit Verständnis. Zum Beispiel bei Moritz und seinen Freunden: "Wir sind vor Jahren schon einmal gekommen, und jetzt ist alles ganz anders", erklärt der deutsche Besucher des ansonsten überwiegend bei Briten beliebten Magalufs. "Wir verstehen, dass alles geschlossen ist, aber ehrlich gesagt ist es so sehr langweilig", erklärte der Berliner gegenüber der MZ-Schwesterzeitung "Diario de Mallorca". "Es ist unser erster Abend hier, schauen wir mal, was wir machen können. Aber wenn nächstes Jahr noch alles zu ist, kommen wir nicht wieder."

Ähnliche Bilder an der Playa de Palma. Am Abend war die Bierstraße in Arenal fast komplett leer. Die Reporter treffen nur auf Markus und seine Freunde, die gelangweilt durch die Straße schlendern. "Nichts ist offen, nichts. Mallorca ist so nicht attraktiv", erklärte der aus Kaiserslautern angereiste Urlauber dem "Diario de Mallorca". "Wenn wir das vorher gewusst hätten, wären wir nicht gekommen."

Unternehmer gehen auf die Barrikaden

Einige der betroffenen Unternehmer gehen unterdessen auf die Barrikaden. So zum Beispiel der Besitzer des Restaurants San Siro in direkter Nähe zur Schinkenstraße: "Wir haben seit 54 Jahren auf und mussten kein einziges Mal schließen. Sogar bei Umbauarbeiten hatten wir die Bar geöffnet. Aber jetzt kommt Negueruela und steckt uns in dieselbe Schublade mit der Schinkenstraße, wenn ich nichts mit denen zu tun habe", sagt der Inhaber Tomeu Mestres. "Wir leben vom spanischen Kunden. Wir sind 13 Familien, die davon leben. Jetzt soll mir bitte einer erklären, warum ich schließen muss."

Auch in Restaurants in angrenzenden Straßen sieht man sich als Geschädigte. Wie im Restaurant Mama Muu, das sich nur wenige Meter entfernt befindet und nicht schließen muss. Aber man befürchtet, einen großen Teil der Kundschaft zu verlieren: "Es ist ungerecht, dass eine ganze Straße wegen der Verantwortungslosigkeit einiger weniger geschlossen wird", ärgert sich der Inhaber Luis Menor.

Rechtliches Nachspiel

Die Unternehmer in den betroffenen Zonen wollen sich die Maßnahme nicht gefallen lassen und berieten am Donnerstag über juristische Schritte. Sprecher der Branchenverbände Acotur und Abone kündigten gegenüber der Zeitung "Última Hora" an, dass man sich mit allen Betroffenen beraten werde, um eine Klage gegen die Landesregierung vorzubereiten. 

"Wenn ich morgen vor einem Hotel auf den Autos herumtanze, schließen sie dann das Hotel", fragt einer der betroffenen Wirte, dem mehrere Lokale in Magaluf gehören. Ein Video von Betrunkenen, die auf ein parkendes Auto geklettert waren, gehörte zu den Bildern, die am Wochenende die Alarmglocken ausgelöst hatten.

Besonders bitter war einigen Unternehmern die wütenden Sätze des Tourismusministers aufgestoßen, der wörtlich gesagt hatte, dass man bestimmte Urlauber nicht mehr auf Mallorca haben wolle. "Der einzige Urlauber, der für uns schlecht ist, ist derjenige, der nicht kommt", ärgert sich zum Beispiel Herminio Fresco, Wirt des Prince Williams seit dem Jahr 1982. "Und die Hotels dürfen weiter Alkohol in ihren All-inclusive-Häusern ausschenken? Ich glaube, dass sich hier manche einen Vorteil verschaffen wollen, um zu zeigen, wer am längeren Hebel sitzt. "Die Urlauber sind alle herzlich willkommen, sie müssen keine Millionäre sein. Die Arbeiter haben auch ein Recht auf ihren Urlaub", ergänzt Jara.

Die Bundesregierung hatte nachgefragt

Unterdessen verteidigte Tourismusminister Iago Negueruela das strenge Einschreiten in einem Interview im "Diario de Mallorca", der spanischen Schwesterzeitung der MZ: "Wir können uns eine bestimmte Art von Urlaubern nicht erlauben, eben weil wir die Tourismussaison retten wollen. Wir haben deutsche Minister gehört, die sich direkt auf die Bilder auf unseren Inseln bezogen haben", erinnert Negueruela.

Lesen Sie hier weiter: Tourismusminister Iago Negueruela im Interview

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